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Zwischen Geparden und Verkehrschaos

Samburu-Hilfe Zwischen Geparden und Verkehrschaos

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der SamburuHilfe brachte Hartmut Fiebig, Ehrenbotschafter für Tourismus der Republik Kenia, mit seiner Live-Reportage „Die 50 Schätze von Kenia“ den Zuhörern das ostafrikanische Land näher.

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Doris Heidlindemann und Helmut Heidlindemann, Vorsitzender der Samburu-Hilfe, mit Hartmut Fiebig, der etwa 150 Zuschauer mit tollen Fotos und lebendiger Kommentierung auf eine faszinierende Reise durch Kenia mitnahm. Im Hintergrund sind traditionell gekleidete Samburu zu sehen.Foto: Manfred Schubert

Marburg. Beeindruckende Nahaufnahmen von Großwild wie Elefanten, Nashörnern, Giraffen, Löwen und Geparden sowie von kleineren Tieren wie Affen und Erdmännchen. Farbenprächtige Ansichten so unterschiedlicher Landschaften wie Wüsten, Urwälder, tropische Strände, schneebedeckte Gipfel weite Savannen und ausgedehnte hellgrüne Teeplantagen. Dazu kontrastierend Szenen aus dem modernen Nairobi mit seinem grausamen Verkehrschaos, das Hartmut Fiebig lebhaft schilderte und humorvoll beschrieb, wie er es zu meistern lernte. Er genieße aber auch das großartige Nachtleben, die Musikfestivals und Kunstgalerien in dieser wichtigsten Stadt der gesamten Region Ostafrika. Nairobi sei die einzige Millionenstadt auf unserem Planeten, an die direkt ein Nationalpark mit Großwild grenze.

Kontraste, die auch durch ihre räumliche Nähe die Vielfalt des Landes verdeutlichten, das 1,6 mal so groß wie Deutschland ist, aber nur halb so viele Einwohner hat und in dem 42 verschiedene Völker leben. Die Liebe zu diesem Land und zu seinen Menschen sprach deutlich aus den Worten des Ingenieurs der Tropischen Agrarwissenschaften, der seit rund 20 Jahren als Autor, Fotograf und Moderator arbeitet. Für die Live-Reportage „Tief in Afrika“ und seinen zum Standardwerk avancierten Kenia-Reiseführer wurde er zum Ehrenbotschafter für Tourismus der Republik Kenia ernannt.

Am 12. Dezember begeht Kenia den 50. Jahrestag seiner Unabhängigkeit. Aus diesem Anlass wanderte Fiebig 2011 dorthin aus, um die 50 größten natürlichen und kulturellen Schätze des Landes auszuzeichnen.

80 Prozent Kenias sei den Touristen unbekannt, meinte er. Er möchte sich für einen nachhaltigen Tourismus einsetzen, der den Menschen vor Ort mit Arbeitsplätzen und Einkommensmöglichkeiten nützt und so zugleich zu Naturschutz und Kulturerhalt beiträgt.

Denn Brandrodungen und Wilderei unterbleiben, wenn die Menschen sehen, dass die intakte Natur ihnen mehr einbringt, erklärte Fiebig, der im Verlauf einer Tour in Kenias dritthöchsten Bergen, den 4001 Meter hohen Aberdare Mountains, sogar an der Erstürmung eines Wilderercamps beteiligt war.

Er selbst und seine Begleiter waren auf einigen der Reisen, von denen er berichtete, per Fahrrad unterwegs. Eine besonders abenteuerliche Art der Fortbewegung in einem Land mit Großkatzen und anderen nicht ungefährlichen Tieren, die aber ein unvergleichliches, unmittelbares Erleben ermöglicht.

Viel Wissenswertes erfuhr man nebenbei. Zum kenianischen Blumenanbau beispielsweise, einer bedeutenden industriellen Agrarwirtschaft, über die früher viel Kritisches berichtet wurde, sagte Fiebig, dass dank des fairen Handels sich die Verhältnisse massiv geändert hätten, der Einsatz von Chemikalien verringert und die sozialen Verhältnisse auch auf den Farmen, die nicht den fairen Handel bedienen, unter dessen Druck verbessert worden seien.

Alfred Knau lernte Samburus im Gartenbau an

Fast drei Stunden lang ließ Fiebig die 150 Zuschauer im Hörsaal an seinen Reisen zu den Schätzen Kenias teilhaben, die aufmerksam und fasziniert bis zum Schluss blieben und viel Applaus spendeten.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte Helmut Heidlindemann, Vorsitzender der Samburu-Hilfe, einige Informationen zu dem Verein und dessen Aktivitäten gegeben, den der 2011 ­verstorbene Alfred Knau aus Treisbach im Mai 1993 gegründet hat. Während eines Urlaubs in Kenia wurde er auf die Situation des Nomadenvolkes aufmerksam.

Wie Heidlindemann erklärte, verloren die Samburu ihre besten Weidegründe einst an die Kolonialmächte, die willkürliche Grenzen durch ihr Land zogen um sich die besten Wasservorkommen zu sichern. Damit hätten sie die Grundlage für die heutige Not der Samburu gelegt. Alfred Knau habe diese Not, aber auch die Kultur und die Denkweise der Samburu kennengelernt. Er leistete behutsam Hilfe zur Selbsthilfe, entwickelte Projekte gemeinsam mit den Menschen.

„Heutige Entwicklungshilfe ist oft blanker Aktionismus. Man stülpt den Menschen unser Denken über und glaubt, das sei richtig für sie“, kritisierte Heidlindemann.

Knau leitete die Samburu zum Gartenbau an, die ursprünglich glaubten, man dürfe die Erde nicht verletzen, sie nicht ritzen. Dabei vermittelte er, dass die notwendigen Geräte wie Schubkarren nur von Männern benutzt werden dürften und erreichte so, dass die Männer die schwere Bodenbearbeitung übernahmen, führte der Vorsitzende aus.

Eine Schule wurde gebaut, die mit inzwischen 600 Kindern die größte in Nordkenia sei. 2014 will man ein weiteres Gebäude errichten.

Weiter sei die aus Zedernholz gebaute Krankenstation aufgrund von Termitenbefall dringend sanierungsbedürftig.

„Es gibt noch viel zu tun, ­deswegen dürfen sie in ihrer Spendentätigkeit nicht nachlassen“, appellierte Heidlindemann an die Unterstützer des Vereins. Er betonte, das sei Hilfe, die ankomme, denn anders als bei größeren Organisationen fielen keine Verwaltungskosten an.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.samburuhilfe.de und unter www.hartmut-fiebig.de

von Manfred Schubert

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