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Zwischen Ballsport, Musik und Freiheit

Serie "50 mit 50" (Teil 35) Zwischen Ballsport, Musik und Freiheit

Wolfgang Matern gründete vor zwei Jahrzehnten das Schaumstoff- und Wasserbettenstudio in der Zimmermannstraße.

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Er hat sich den Traum von der eigenen Firma erfüllt: Entspannt sitzt Wolfgang Matern auf einem Ausstellungsstück im Wasserbettenstudio Marburg.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Im April 1964 kam Wolfgang Matern als Sohn einer Müllerfamilie in Simtshausen zur Welt. Seinem Geburtsort ist er bis heute treu geblieben, genießt seinen Alltag zwischen dörflicher Idylle und belebter Stadt.

Die geburtenstarken Jahrgänge jener Zeit bescherten ihm schon in der Grundschule zahlreiche Mitschüler. Bis zu 40 Kinder waren gleichzeitig in seiner Klasse, erinnert sich der 50-Jährige noch heute. Seine turbulente Schulzeit hat er trotzdem sehr genossen, spielte darüber hinaus schon als Kind begeistert Fuß- und Handball mit seinen Klassenkameraden, fuhr gerne Fahrrad und hielt sich in der Natur auf.

Später entdeckte der abenteuerlustige Wanderer seine Reiselust, tourte durch die verschiedensten Länder, wie Israel oder Ägypten. Schon während seiner Jugendzeit war der Musikfan ebenfalls viel unterwegs, besuchte leidenschaftlich gerne zahlreiche Konzerte und Festivals, hält bis heute musikalischen Größen wie den Rolling Stones, Queen, U2 oder Michael Jackson die Treue. „Es war eine wilde Zeit, das Lebensgefühl der 80er Jahre habe ich sehr genossen“, erinnert sich Wolfgang Matern und lacht.

Nach seiner Ausbildung arbeitete der Sportfan als Lagerlogistiker in einem Sportartikelgroßhandel, später als Versandleiter bei einer Solarfirma. In den 90er Jahren bildete er sich zum Großhandelskaufmann weiter und machte den ersten Schritt in die erträumte Selbstständigkeit.

Er war einige Jahre bei einem Schaumstoffstudio tätig, bevor er sich Mitte der 90er seinen größten Wunsch erfüllte: Er gründete sein eigenes Unternehmen, das Schaumstoff- und Wasserbettenstudio Marburg in der Zimmermannstraße 1. Mit Anfang 30 war er plötzlich selbstständig, übernahm große Verantwortung. „Das war ein einschneidendes Erlebnis und eine sehr aufregende Zeit“, erinnert sich der Unternehmer heute noch schmunzelnd.

Das Geschäft lief gut an, der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Heute hat der Chef fünf Mitarbeiter und unterhält eine Zweigstelle in Kirchhain. Im nächsten Jahr feiert seine Firma ihr 20-jähriges Bestehen. Sein Leben als freier Einzelhandelskaufmann genießt er in vollen Zügen, den Beruf seines Vaters wollte er nie ausüben, erzählt er. Nicht zuletzt aufgrund eines körperlichen Handicaps. Wolfgang Matern kam mit einem angeborenen grauen Star auf die Welt. Noch im Kindesalter sank seine Sehstärke auf nur noch 20 Prozent. Im Alter von neun Jahren wurde er operiert, die getrübten Linsen entfernt.

Schwäche steigert seinen Drang nach Freiheit

Richtig sehen konnte das aktive Kind nur mit Sehhilfen von rund 20 Dioptrien. Seit mehr als 40 Jahren trägt er starke Kontaktlinsen. Seine Augen reagieren daher empfindlich auf Staub, Mehl und andere kleine Teilchen in der Luft – ein Grund, warum er den väterlichen Beruf des Müllers nicht ausüben wollte. Seine Entscheidung hat er jedoch nie bereut. Erst im November dieses Jahres ließ er sich auf einem Auge eine Kunstlinse implantieren, das zweite soll demnächst folgen. Auch wenn die Erkrankung seinen Alltag immer beeinflusste, seine Ziele im Leben behinderte sie nicht. Im Gegenteil: „Die Sehschwäche steigerte erst recht mein Bedürfnis nach Selbstständigkeit und Freiheit“, erzählt der Unternehmer.

Schon während der Schulzeit konnte er nicht richtig sehen, hörte dafür intensiver zu, strengte sich besonders an und wurde mit Bestnoten belohnt. Auch seine sportlichen Aktivitäten und seinen Traum von der eigenen Firma hat er nie aufgegeben, ist heute sein eigener Chef. Seinen Beruf konnte der Sportfan zudem mit seinem liebsten Hobby verbinden. Im Rahmen seiner unternehmerische Tätigkeit knüpfte er schnell Kontakt zu langjährigen Kunden und Vereinen, darunter die Handballmannschaft Rhein-Neckar Löwen aus Mannheim. Den aktuellen Tabellenführer der deutschen Handballbundesliga unterstützt der Sportfan bis heute stolz als offizieller Teampartner. „Handball ist ein toller Sport, dem ich selber schon als Jugendlicher gerne nachgegangen bin“, sagt Matern.

Auch die nächsten 50 Jahre genießen

Darüber hinaus lagen ihm schon immer die Kinder sehr am Herzen. Er setzt sich für verschiedene Kinderhilfsorganisationen ein, hat im Rahmen von Hilfsprogrammen mittlerweile vier Patenkinder, unter anderem in Honduras und Bangladesch.
Eigenen Nachwuchs hat er nicht, hat (noch) nie geheiratet. „Irgendwie habe ich die Richtige noch nicht gefunden, aber das kann ja noch kommen“, schmunzelt der aktive 50-Jährige. Seine Pläne für die Zukunft? „Die nächsten 50 Jahre weiterhin so fit bleiben und mein schönes Leben genießen“, sagt er zufrieden.

von Ina Tannert

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