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Zweithäufigste Krankheit in Hessen

Diabetes Typ 2 Zweithäufigste Krankheit in Hessen

Jedes Jahr am 7. April macht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf ein Gesundheitsthema aufmerksam. Heute ist es Diabetes mellitus Typ 2. Das Gesundheitsamt möchte sich verstärkt für die Prävention einsetzen.

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Ein kleiner Pikser in den Finger : Mit einem Messgerät können Diabetes-Erkrankte den Blutzuckerwert bestimmen.

Quelle: Norbert Försterling/dpa

Marburg. Heute vor 68 Jahren wurde die WHO als UN-Organisation gegründet. Seitdem widmet sie sich jährlich einem Thema, dass die Weltgesundheit besonders bewegt. Das diesjährige Thema der global-agierenden Behörde ist „Diabetes mellitus Typ 2“, auch Altersdiabetes genannt. Es handelt sich hierbei um eine Störung, bei der das körpereigene Insulin nicht richtig aufgenommen werden kann. Dadurch wird der Blutzuckerspiegel nicht richtig reguliert.

Zuerst kompensiert der menschliche Körper das durch eine Insulinüberproduktion. Allerdings ist die Bauchspeicheldrüse irgendwann nicht mehr fähig, die hohe Insulinmenge zu produzieren. Infolgedessen sinkt der Blutzucker drastisch, da durch die lange Überproduktion eine Insulinresistenz entstanden ist. Ursachen sind vor allem Übergewicht durch schlechte Ernährung oder fehlende Bewegung. Genetische Faktoren können ebenso eine Rolle spielen.

Zwischen 1998 und 2008 stieg die Anzahl der jährlichen Neuerkrankungen um 38 Prozent. Heute ist diese Erkrankung mit 95 Prozent die häufigste Diabetes-Form (382 Millionen Erkrankungen in 2013). Schätzungen der WHO zufolge soll es bis 2035 einen weltweiten Anstieg um 55 Prozent auf insgesamt 592 Millionen Typ-2-Erkrankungen geben.

7,3 Millionen Menschen von Diabetes betroffen

Deutschland gehört mit aktuell 7,3 Millionen Erkrankungen zu den zehn europäischen Ländern mit der höchsten Diabetes-Erkrankungsrate. Laut aktuellem Gesundheitsbericht der Landesärztekammer Hessen steht Diabetes nach Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems mit insgesamt 451 446 Fällen (Stand 2011) an zweiter Stelle der häufigsten Erkrankungen im hiesigen Bundesland.

Die Häufigkeit steigt ab dem Alter von 45 Jahren deutlich an. Die Ursachen hierzulande sind immer häufiger auf einen geringen Sozialstatus zurückzuführen. Er ginge oft mit einem Bildungs- und damit einem Bewusstseinsdefizit einher, so Christiane Kappelhoff, Oecotrophologin am Marburger Gesundheitsamt.

Gesunde Ernährung und viel Bewegung

In den meisten Fällen könne man allerdings etwas gegen die Erkrankung unternehmen, erklärte Kappelhoff. Sowohl wenn bereits eine Typ-2-Erkrankung vorliege, als auch als präventive Maßnahmen. Eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und ein Normalgewicht seien einfach klingende, aber in der Praxis teils schwer umsetzbare Mittel, der Krankheit schon im Vorfeld den Nährboden zu entziehen. Die heutige Wohlstandsgesellschaft mit einem „unüberschaubaren Konsumangebot“ erschwere aber zunehmend eine ausgewogene Ernährung, so Kappelhoff.

Lebensmittel seien in Deutschland sehr preisgünstig, was den Konsum ins teilweise unermessliche steigere, kritisierte Andrea Schroer, Ärztin und Fachdienstleiterin für Prävention und Beratung. Christiane Kappelhoff bemängelte, dass viele Lebensmittel als gesund gelten, es aber eigentlich nicht seien. Da sei die Gesundheitspolitik gefragt, um ein neues Ernährungsbewusstsein zu schaffen, so die Oecotrophologin.

Kinder und Jugendliche präventiv informieren

Demzufolge besteht nicht nur ein weltweiter, sondern auch lokaler Handlungsbedarf und -spielraum. Die WHO gibt als oberste Instanz im UN-Gesundheitssystem den Ton an und die darauffolgende Hierarchie zieht sich bis in die Landkreisebene.  Daher möchte das Gesundheitsamt des Landkreises Marburg-Biedenkopf in diesem Jahr ein besonderes Augenmerk auf den Diabetes-Typ-2 legen. Es sollen nicht nur Personen ab dem 50. Lebensjahr, die bisher den Großteil der Betroffenen bilden, sondern auch Kinder und Jugendliche informiert werden.

Bisher hat das Gesundheitsamt Köche für Schulen und Kindergärten geschult, um gesünder zu kochen. Außerdem führt das Amt seit 2008 das Projekt „Ernährungsführerschein“ mit Marburger Grundschulen durch. Hierbei lernen Drittklässler welche Zutaten gesund sind und wie man damit verschiedene Gerichte zubereiten kann. In Zukunft soll ein stärkerer Fokus auf die Ernährung bei Kindern und Jugendlichen gelegt werden, berichtete Andrea Schroer.

von Moritz Gorny

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