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Zwei neue Kirchenkreise entstehen

Strukturreform Zwei neue Kirchenkreise entstehen

Die Synode des Kirchenkreises Marburg-Land befasste sich mit der Kirchenkreisreform und Finanzproblemen: 2012 könnte Strukturreform greifen.

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Die Synodalen stimmten unter anderem über den Nachtragshaushalt ab.

Quelle: Manfred Schubert

Niederweimar. Fast vier Stunden lang beschäftigten sich 82 Synodalen des evangelischen Kirchenkreises Marburg-Land auf ihrer Herbsttagung im Gemeindezentrum vor allem mit dem Vorschlag, die Zahl der Kirchenkreise im Landkreis von drei auf zwei zu verringern sowie mit der problematischen Finanzsituation.

Einige positive Nachrichten hatte Dekan Hanns Baumeister an den Anfang seines Berichts gestellt. Neben Jubiläen und Festen hob er die abgeschlossenen Renovierungen der Kirchen in Ober- und Unterrosphe und Hassenhausen hervor, vor allem aber die Zahl von 1.014 Straßenkindern in Addis Abeba (Äthiopien), denen der Kirchenkreis Schulausbildung und Lebensunterhalt mit jährlich 130.000 bis 140.000 Euro aus Spenden und Kollekten finanziert.

Zum ersten großen Schwerpunkt der Tagung geriet das Thema Kirchenkreisreform. Hintergrund ist ein Beschluss des Landeskirchenrats vom März 2009. Er besagt, dass angesichts der demografischen Entwicklung 2017 jeder Kirchenkreis zwischen 25 und 40 Pfarrstellen haben soll. Die Grenzen von Landkreisen und Kommunen sollen bei der Neuordnung berücksichtigt werden. Wenn die Strukturveränderungen bis Ende 2015 nicht herbeigeführt sind, kann die Landessynode entsprechende Entscheidungen treffen.

Wie Baumeister ausführte, haben die drei Dekane und Kirchenkreisvorstände den Beschluss gefasst, für die heimische Region eine solche Reform unmittelbar anzugehen. Ein Strukturausschuss wurde gebildet, ein Konzept erarbeitet. 2011 sollen die drei Kreissynoden darüber beschließen, 2012 könnte die Umsetzung erfolgen. Ein Grund für die schnell angestrebte Umsetzung sei auch, dass Rainer Staege (Kirchenkreis Kirchhain) 2011 in den Ruhestand trete.

Der Entwurf sieht vor, aus den drei Kirchenkreisen Kirchhain, Marburg-Land und Marburg-Stadt zwei zu bilden, die vorläufig als Marburg-Nord und Marburg-Süd bezeichnet werden. Zu Letzterem sollen die Stadt Marburg mit allen Ortsteilen, die Gemeinden Ebsdorfergrund, Fronhausen, Weimar und Lohra gehören. Münchhausen, Wetter, Lahntal, Cölbe, Rauschenberg, Wohratal, Kirchhain, Stadtallendorf und Neustadt lägen im nördlichen Kirchenkreis, einige außerhalb des Landkreises liegende Gemeinden würden abgegeben. Beide Kirchenkreise hätten je etwa 45 000 Mitglieder und 25 Pfarrstellen. 21 evangelische Kindertagesstätten gäbe es im Süden und 15 im Norden. Den ersten Gedanken, einen einzigen Kirchenkreis zu bilden, habe man schnell wieder aufgegeben, weil eine Synode mit 400 Mitgliedern gar nicht arbeitsfähig wäre und ein zu großer Kirchenkreis das Laienamt schwächen würde.

„Alle geben etwas ab, um gemeinsam Neues zu gestalten, es darf keine Gewinner und Verlierer geben, das ist der besondere Charme unserer Planungen“, sagte der Dekan. Dieser Charme überzeugte aber keineswegs alle Synodalen. Eine Stunde lang wurde über das Konzept diskutiert, viele Bedenken wurden geäußert. „In der Stadt gibt es in großem Maße andere Belange als auf dem Land, vieles ist ganz anders“, sagte die Bauerbacher Pfarrerin Berit Hartmann und verwies auf die Erfahrungen mit ihrem Mann, der seit 18 Jahren Pfarrer in Marburg ist.

Andere befürchteten den Verlust vertrauter, gewachsener Strukturen und bewährter Kontakte. Dagegen meinte Pfarrer Friedhelm Wagner aus Münchhausen, man dürfe die Bedeutung eines Kirchenkreises nicht zu hoch hängen. Wichtig sei die Zugehörigkeit zu einer Gemeinde, viele Jugendliche wüssten gar nicht, zu welchem Kreis sie gehören und wer der Dekan sei. Baumeister ergänzte, bereits jetzt würde beispielsweise im Kinder-, Jugend- und Familienbereich über die Kirchenkreisgrenzen hinaus zusammengearbeitet. Um die Diskussion abzuschließen, beantragte Pfarrer Wagner, den Kirchenkreisvorstand zu ermutigen, in der eingeschlagenen Richtung weiterzuarbeiten. Bei wenigen Gegenstimmen fasste die Synode den Beschluss.

Wagner stellte auch den Nachtragshaushaltsplan vor, der eine Erhöhung von Einnahmen und Ausgaben um 460.850 Euro auf rund 2,4 Millionen Euro vorsieht. Bei zwei Enthaltungen stimmte die Versammlung dem Haushalt zu, der nur durch Entnahmen aus den Rücklagen ausgeglichen gestaltet werden konnte.

Wie Kirchenkreisamtsleiter Gerhard Rödiger erläuterte, ist ein Problem die Diakoniezuweisung der Landeskirche, die um 110.000 Euro zu niedrig sei, um die Defizite der 14 Kindertagesstätten in acht Kommunen auszugleichen.

Einstimmig wurde der Beschluss gefasst, die Landessynode zu bitten, die Zuweisung in ausreichender Höhe zur Verfügung zu stellen.Aber auch sinkende Mitgliederzahlen und Steuerzuweisungen führen zu finanziellen Problemen. Einzelne Gemeinden müssen ebenfalls bereits auf ihre Rücklagen zugreifen. Dekan Baumeister stellte Überlegungen vor, deren finanzielle Situation durch Vereinigungen zu verbessern. Durch den Finanzzuweisungsschlüssel der Landeskirche kommt größeren Gemeinden überproportional viel Geld zu.

Der Vorschlag, sich nur aus "betriebswirtschaftlichen Gründen" zusammenzuschließen, wurde kritisch gesehen – zumal vorauszusehen sei, dass die Landeskirche den Zuweisungsschlüssel wieder ändern würde, wenn zu viele Gemeinden fusionierten. Dass der Schlüssel ungerecht sei, darin war man sich größtenteils einig.

von Manfred Schubert

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