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Zwei Optionen und noch keine Lösung

Schnelles Internet Zwei Optionen und noch keine Lösung

Wann endlich kommt das schnelle Internet - und vor allem: Wer wird Bauherr und Betreiber? Ein Vorhaben der Telekom brachte die bisherige Planung der kommunalen Breitband-Gesellschaft ins Stocken. Wie es weitergeht, ist unklar.

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Breitband in Hessen – so die Aufschrift dieses Absperrbands, das im Mai 2011 auf einer Baustelle in Unterrosphe eingesetzt wurde. Der Wetteraner Ortsteil gehört zu den wenigen im Landkreis, wo bereits Leerrohre für den Breitband-Anschluss gelegt wurden.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Erst hieß es, Ende März werde die Entscheidung der Bundesnetzagentur über den Vectoring-Antrag der Telekom fallen. Doch nun soll dies frühestens am 10. April geschehen. Das ist der Kenntnisstand von Landrat Robert Fischbach (CDU), der zusammen mit der Breitband-Gesellschaft Marburg-Biedenkopf dringend auf den Ausgang dieses Verfahrens wartet. Denn davon hängt viel ab für den Landkreis: Wann kann der Breitband-Ausbau beginnen und wer setzt ihn um? Auf diese Fragen gibt‘s im Moment keine Antworten, nur zwei mögliche Optionen.

Doch zunächst zu dem Vectoring-Antrag der Telekom: Dabei geht es um die Erweiterung einer DSL-Übertragungstechnik - die Übertragungsrate pro Teilnehmeranschluss kann damit gesteigert werden. Vectoring gefährdet jedoch den bislang offenen Zugang von Telekom-Konkurrenten auf die letzte Meile, auf das Kupferkabel vom Verteilerkasten zum Haus. „Bislang galt der diskriminierungsfreie Zugang auch für andere Anbieter, die für die Nutzung der letzten Meile gezahlt haben“, erklärt Fischbach. Wie dies künftig geregelt werde, sei unklar, wird aber vielleicht schon nächste Woche feststehen, wenn die Entscheidung der Bundesnetzagentur dann gefallen sein sollte.

„Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass das Ergebnis sein wird, dass nur die Telekom auf die Kabelverzweiger zugreifen darf - aber möglicherweise gibt‘s andere Vorfahrtsregeln, die unser Vorhaben riskanter machen“, sagt Fischbach. Deshalb gibt‘s zunächst kein Geld von der WI-Bank Hessen, einer Tochter der Landesbank Hessen, die für öffentliche Projekte Geld bereit stellt. Und damit fehlt das Okay für den Bau eines Breitband-Netzes in Regie der eigens dafür von Kreis und Kommunen gegründeten Gesellschaft.

Dabei stand der Plan: 43 Millionen Euro sollte die Bank für den Ausbau als Kredit gewähren, das Land wäre Bürge für die Breitband-Gesellschaft gewesen. „Die WI-Bank hat uns gestoppt“, erklärt der Landrat, der fest davon ausgeht, dass das Vorhaben weiter vorangetrieben werden kann - und zwar innerhalb des vorgesehenen Zeitplans mit Baustart in diesem Sommer. Wenn nicht nach bisheriger Planung, dann auf einem anderen Weg. Diesen anderen Weg als weitere Option vorzubereiten, damit hat sich die Breitband-Gesellschaft in den vergangenen Wochen befasst. Ergebnis ist eine Interessensbekundung, die ab nächster Woche in der Hessischen Ausschreibungs-Datenbank im Internet laufen soll. Dann können sich Firmen melden, die Interesse haben, statt der Breitband-Gesellschaft den Glasfaserkabel-Ausbau vorzunehmen und vor allem dann auch das Netz zu betreiben. Dafür will die Gesellschaft einen Anreiz bieten - „in Form von einer Vorleistung, die wir erbringen würden“, erklärt Fischbach, der noch nicht genau weiß, wie dies aussehen könnte: „Vielleicht sind das nur Gräben, die wir bereits ausheben lassen fürs Verlegen des Kabels, vielleicht gehört aber auch schon das Verlegen der Leerrohre fürs Glasfaserkabel dazu.“

Mit 550 Kilometern neuem Kabel ans schnelle Netz

Insgesamt geht‘s um 550 Kilometer neues Kabel, das der Landkreis braucht, wenn er auch mit der Dörfern ans schnelle Netz angeschlossen werden und somit im Wettbewerb um Arbeitsplätze und Bevölkerungszuwanderung konkurrenzfähig bleiben will. Und bislang sind erst einige Kilometer Leerrohre im Zuge von Bauarbeiten an Kreisstraßen mitverlegt worden. Wenn die Breitband-Gesellschaft die Vorarbeiten dann tatsächlich ganz oder zum Teil für ein Wirtschaftsunternehmen erledigen wollte, kämen auf die öffentliche Hand bei einer Gesamtausbausumme von 43 Millionen Euro vermutlich auch dann Millionensummen zu.

Fischbach jedenfalls glaubt daran, dass sich einer der beiden Wege für den Landkreis umsetzen lassen wird. „Das beide Stricke reißen, wird‘s nicht geben“, sagt der Landrat.

von Carina Becker

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