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Zwei Einheiten helfen auch Herzpatienten

Einweihung im Klinikum Zwei Einheiten helfen auch Herzpatienten

Die Brustschmerzeinheiten im Marburger Uni-­Klinikum und im DRK-Krankenhaus Biedenkopf wurden gestern offiziell eingeweiht.

Marburg. Der „große Bahnhof“ fand in Marburg im Auditoriums des Uni-Klinikums auf den Lahnbergen statt. „Vor knapp einem Jahr wurde das Konzeptpapier entwickelt“, erinnerte Professor Bernhard Schieffer an die ersten Ideen, auch in Marburg eine „Chest Pain Unit“ (Brustschmerz-Einheit) auf den Weg zu bringen. Nunmehr ist es so weit: Sechs Betten in drei Zimmern bilden im Kellergeschoss des Marburger Uni-Klinikums direkt zwischen der Zentralen Notaufnahme und der Intensivstation der Kardiologie das Herzstück der neuen „CPU“-Einheit. Parallel wurde ebenfalls eine CPU im DRK Biedenkopf eingerichtet, die mit der Marburger Einheit eng zusammenarbeitet. Die Biedenkopfer Einheit wurde vor allem eingerichtet, um die Anfahrtswege aus dem Hinterland und der Umgebung zu minimieren. Für die Zukunft schwebt Schieffer sogar die Ausweitung des Netzwerkes um weitere CPU-Standorte in Krankenhäusern in ganz Nordhessen vor.

Es gibt deutschlandweit rund 700000 Patienten mit Brustschmerzen. Das sind immerhin zwischen 20 und 30 Prozent aller Notfallpatienten, machte Schieffer deutlich. Zugleich erläuterte er, wieso eine Diagnose bei diesen Patienten überlebenswichtig sein kann. Bei zwischen zwei und acht Prozent der mit Brustschmerzen eingelieferten Patienten wird ein Herzinfarkt übersehen.

In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Idee der CPU-Einheiten ausgehend von dem US-amerikanischen Vorbild in ganz Deutschland etabliert. Sie soll die optimalste Behandlung in schnellstmöglicher Zeit für die Patienten mit Brustschmerzen mit sich bringen.

im August 2012 begann die Planungsphase für das heimische Vorhaben, an der sich neben Medizinern der Kardiologie auch Spezialisten aus der Anästhesie und der Notfallmedizin beteiligten. „Wir hoffen, dass die beiden Einheiten in Marburg und Biedenkopf Ende des Jahres zertifiziert werden“, sagte Schieffer.

„Die Schwerpunktabteilungen für den Brustschmerz schließen eine große regionale Lücke“, sagte Professor Jochen Werner, Ärztlicher Geschäftsführer des Marburger Uni-Klinikums. Bisher habe weit über die Region Marburg-Biedenkopf hinaus eine solche „im Akutfall vielleicht lebensrettende Struktur“ für Mittel- und Nordhessen gefehlt, betonte Werner.

Darüber freuten sich auch Landrat Robert Fischbach (CDU) und der Marburger Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) in ihren Grußworten.

„Es ist ein besonderes Anliegen der Herzstiftung, die Erkrankungs- und Sterblichkeitsrate bei Herzinfarkten zu senken“, sagte Martin Vestweber, Geschäftsführer der Deutschen Herzstiftung. Und genau dieses solle mit den beiden neuen CPU-Einheiten erreicht werden. „Nicht jeder Brustschmerz bedeutet Herzinfarkt. Und nicht jeder Herzinfarkt-Patient hat Brustschmerzen“, machte Privatdozent Dr. Clemens Kill, der Leiter der Notfallaufnahme des Uni-Klinikums, deutlich. Auf jeden Fall gehe es aber bei den Brustschmerz-Einheiten um das „vitale Organ Herz“.

„Wir wollen frühzeitig lebensbedrohliche Erkrankungen behandeln“, erklärte Oberarzt Dr. Konstantinos Karatolios, der die CPU-Einheit in Marburg leitet. Neben den klassischen Instrumenten der Diagnose könne man auf ein breites Arsenal an spezielleren Diagnose-Möglichkeiten zurückgreifen. Diese seien essentiell, um für jeden Patienten eine optimale Risiko-Abschätzung zu erstellen.

von Manfred Hitzeroth

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