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Zwei Bücher zur Uni-Geschichte

Neue Veröffentlichungen Zwei Bücher zur Uni-Geschichte

Die Geschichte des Fachs Zoologie sowie das persönliche Schicksal eines pazifistischen Professors am Beginn der Nazi-Zeit zeigen, wie spannend Uni-Geschichte ist.

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Im Ersten Weltkrieg trug Albrecht Götze noch eine Offiziersuniform. Wegen Pazifismus wurde er 1933 an der Uni entlassen. Das Foto stammt aus dem Buch „Entlassungsgrund Pazifismus“.

Quelle: privat

Marburg. Es sind zwei völlig unterschiedliche Bücher, die die Marburger Universitätsgeschichte einfangen. Anlässlich der Präsentation der beiden Werke wurde deutlich, dass die Verfasser der beiden Werke aber eines eint. Sie haben sich aus Eigeninitiative und mit Herzblut an ihre Aufgabe begeben. Die Lektüre beider Bücher zeigt: Sie verbinden Lesegenuss mit wissenswerten Informationen.

Der Literaturhistoriker und pensionierte Lehrer  Harald Maier-Metz stieß bei seinen Recherchen zum Selbstmord des jüdischen Marburger Sprachwissenschaftlers Hermann Jacobsohn nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 auf seinen „Forschungsgegenstand“, den Altorientalisten Albrecht Götze.

Dabei hatte er entdeckt, dass Götze wie Jacobsohn einer von vier Marburger Professoren war, die nach der Machtergreifung der Universität verwiesen wurden.  Zu Götze war aber bisher nichts publiziert worden.

„Entlassungsgrund: Pazifismus“ heißt das Buch, in dem Maier-Metz der persönlichen Geschichte des Forschers nachspürt, der nach seinem erzwungenen Weggang aus Marburg an der Elite-Hochschule von Yale in den USA Karriere machte.
Maier-Metz verdeutlicht, dass der 1930 nach Marburg berufene Götze eine Außenseiterposition an der Hochschule innehatte, die damals vorwiegend von eher national-konservativ orientierten Professoren geprägt worden sei.

Vor allem seine Verbindung zu dem Heidelberger Professor Emil J. Gumbel sorgte Ende 1933 für seine Entlassung. Denn Götze war ein  vehementer Unterstützer Gumbels, der wiederholt die politischen Morde der Nationalsozialisten thematisiert hatte.

Entscheidend für Götzes Entlassung war auch eine Stellungnahme des damaligen Uni-Kanzlers Ernst von Hülsen im September 1933.  „Die traditionell positive Beurteilung des für die bauliche Entwicklung der Philipps-Universität in den Zwanziger Jahren so erfolgreichen Kurators Hülsen ist durch diese Recherche deutlich getrübt“, bilanziert Maier-Metz.

Einem ganz anderen Thema widmet sich Hans-Wilhelm Bohle in seinem Buch „Von der Naturgeschichte zur Zoologie“. Der ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiter des Fachbereichs Biologie der Uni Marburg und frühere Spezialist für die Spezielle Zoologie machte  sich auf die Spuren der Entstehungsgeschichte seines Fachs in Marburg. Vor allem der Gründer des Fachs, der Naturwissenschaftler Blasius Merrem, steht im Mittelpunkt der Betrachtung. Er installierte im Jahr 1817  das Institut. Merrem wirkte zu einer Zeit, in der an den deutschen Universitäten ein Prozess der Verselbständigung der Naturwissenschaften und ihrer Befreiung aus der Rolle als Hilfswissenschaften der Medizin begann. Merrem kam Anfang des 19. Jahrhunderts als Professor für Staatswissenschaften nach Marburg, bevor er den Lehrstuhl für Botanik übernahm und schließlich Professor für Naturgeschichte wurde.

Seine zoologischen Arbeiten zur Verwandtschaft von Vögeln, Säugetieren und Amphibien wurden jedoch erst nach seinem Tod als zukunftsweisend anerkannt.

  • Harald Maier-Metz: Entlassungsgrund Pazifismus. Waxmann Verlag. 248 Seiten, 38 Euro.
  • Hans Wilhelm Bohle: Von der Naturgeschichte zur Zoologie. Waxmann Verlag. 302 Seiten. 49,90 Euro.

von Manfred Hitzeroth

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