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Zurück in ein selbstbestimmtes Leben

Walter-
Picard-Preis für „Ex-In“ Zurück in ein selbstbestimmtes Leben

Psychisch erkrankte Menschen auf dem Weg der Genesung zur Seite stehen – dafür setzt sich der Verein „Ex-In“ Hessen ein. Das Projekt wurde nun vom Landeswohlfahrts­verband mit dem Walter-
Picard-Preis prämiert.

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Als Genesungsbegleiter setzen sich Amélie Methner und Andreas Jung vom Vorstand des Vereins ­„Ex-In“ für mehr gesellschaftliche Teilhabe psychisch kranker Menschen ein.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Die eigene Psychiatrie-Erfahrung für andere nutzen statt sie als Defizit zu betrachten – unter dem Credo arbeitet der Verein mit psychisch Kranken und begleitet Betroffene auf dem Weg zurück in ein normales Leben.

Das Projekt „Ex-In“ (Experienced Involvement: die Beteiligung Erfahrener) konstituierte sich vor drei Jahren in Marburg und setzt sich für die gesellschaftliche wie berufliche Teilhabe von psychisch Kranken ein. Dazu errichtete der Verein ein Netzwerk aus Betroffenen aus ganz Hessen und bildet sogenannte Genesungsbegleiter aus.

Schnittstelle zwischen stationärer und ambulanter Phase

Diese betreuen die Patienten in der Regel nach einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Einrichtung, sind Ansprechpartner in allen Lebenslagen. Das Besondere: Die Mitarbeiter werden nicht nur im Umgang mit Erkrankten geschult, sie sind selbst betroffen, leiden oder litten an einer psychischen Störung und sind mit den unterschiedlichsten seelischen Leiden bestens vertraut.

„Wir sehen uns als Schnittstelle zwischen der stationären und ambulanten Phase einer Therapie“, erklärt Vereinsvorsitzender Andreas Jung. Der Soziologe ist selbst an Schizophrenie erkrankt, geht offen mit dem psychischen Handicap um.

Im Marburger BiP-Beratungszentrum am Rudolphsplatz betreut er andere Betroffene und bildet selber Genesungsbegleiter aus. Gerade die eigene Erkrankung macht diese, nach Auffassung des Vereins, zu Erfahrungsexperten auf ihrem Gebiet. Die Betreuer können die Kranken in besonderem Maße verstehen, wissen, wie es ist, mit Depression, Angststörung, Borderline oder bipolarer Störung, mit Einschränkungen und sozialer Ausgrenzung umgehen zu müssen.

„Man steckt in der Materie drin, wir werden quasi aus Erfahrung zu Experten“, weiß auch Vorstandskollegin Amélie Methner. Die Pädagogin leidet an einer Angststörung, kann nicht mehr in ihrem eigentlichen Beruf arbeiten und entschied sich für eine Ausbildung zur Genesungsbegleiterin.

Verleihung des Walter-Picard-Preises

Als solche will sie in Zukunft Psychiatrie-Erfahrene nach einem Klinikaufenthalt im Alltag unterstützen, die Therapie durch Beratung und Begleitung gezielt ergänzen und durch Rückmeldung an die Einrichtungen das bestehende Angebot möglichst verbessern. Den Betreuern geht es dabei um Teilhabe, Selbstständigkeit und Stärkung der Betroffenen, die ihre Erkrankung häufig übermäßig als einschränkendes Hindernis wahrnehmen.

Anfang März nahm der Vereinsvorstand den Walter-Picard-Preis vom Landeswohlfahrtsverband Hessen entgegen. Alle­ zwei Jahre wird die nach dem bekannten Sozialpolitiker benannte Auszeichnung an Projekte aus der hessischen Gemeindepsychiatrie verliehen, die sich in besonderem Maße um eine gemeindenahe, psychiatrische Versorgung der Betroffenen verdient gemacht haben.

„Die Auszeichnung hat uns sehr berührt, das ist eine tolle Wertschätzung“, lobte Jung. Der Verein wolle das Thema weiterhin in die Öffentlichkeit tragen und Betroffene dabei unterstützen, wieder zurück in ein selbstbestimmtes Leben und „aus der Stigmatisierung heraus zu finden“.

  • Weitere Informationen unter 
www.ex-in-hessen.org oder 
Telefon 06421 / 620474.

von Ina Tannert

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