Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Zur Belohnung gibt es "Lachpflaster"

Clowndoktoren Zur Belohnung gibt es "Lachpflaster"

Besucher und Angestellte staunten nicht schlecht über jene merkwürdig kostümierten Ärzte, die im Foyer der Uni-Kinderklinik anzutreffen waren.

Voriger Artikel
Ein „Fundamental-Theologe“ im besten Sinne
Nächster Artikel
Helfer versorgen Flüchtlings-Camp mit W-Lan

Wurde fachmännisch von den Clowndoktoren Ginella und Pustekuchen „verwickelt“: Oliver  Böhle mit seinen Kindern Tom und Anna-Lena.

Quelle: Michael Hahn

Marburg. Während einer Aktionswoche des Vereins „Die Clown Doktoren“ fanden kostenlose komödiantische Untersuchungen durch die Clowndoktoren Doktor Ginella und Doktor Pustekuchen statt.

Kurzerhand wurden Besucher und Angestellte der Klinik fachmännisch „verwickelt“, es wurden „Tanzfüße“ und „Sing-Sang-Schultern“ diagnostiziert und rote Clownsnasen verteilt.

Der Fall von „Patient“ Oliver Böhle war gar so schwer, dass nur das Singen des „Tomatensalat-Liedes“ Linderung verschaffen konnte. Tatkräftige Hilfe erhielten die Doktoren dabei von Böhles Kindern Anna-Lena und Tom. Zur Belohnung gab es am Ende der Behandlung „Lachpflaster“.

Auch der kleine Thore, eigentlich kerngesund und nur zur Begleitung seiner Ur-Oma im Klinikum, freute sich über seine Behandlung, welche unter anderem durch das Spielen mit einer großen Plüschratte erfolgte. Seine Mama Jule Stempfle stand ihm stets zur Seite und bekam sicherheitshalber einen Helm verschrieben. Obligatorisch bei jeder Therapie war aber zunächst das Anlegen der „Schwimmflügel“ in Form von Latexhandschuhen an den Füßen.
Andere Patienten wurden von ihrer „Clownstrophobie“ geheilt oder mussten ihren Kreislauf üben. Auch Professor Rolf Maier, der Direktor der Kinderklinik, ließ es sich nicht nehmen, die Clowndoktoren mit seiner Expertise zu unterstützen. Spontan schnallte er sich ein Akkordeon um den Bauch und therapierte die Patienten musikalisch.

Die Clowndoktoren wollten mit dieser Aktion auf ihr Projekt aufmerksam machen, das es seit 1994 im gesamten Rhein-Main-Gebiet bis nach Gießen und Marburg gibt. Mit der Kraft des Humors helfen sie jungen Patienten und unterstützen so die medizinische Therapie.

Kinder nicht bedauern

Der Verein sei ausschließlich über Spenden finanziert, erläuterte Gina Krüger alias Doktor Ginella. Die Clowndoktoren würden die Kinder zweimal in der Woche auf Station besuchen, um sie aus ihrem Krankenhausalltag herauszubringen, fuhr sie fort.

Dabei sei es wichtig, die Kinder nicht zu bedauern, fügte Stefan Vogel alias Doktor Pustekuchen hinzu. Man wolle den Klinikalltag durchbrechen und dabei den gesunden Teil im Menschen ansprechen, da der kranke Teil ja im Krankenhaus bereits behandelt würde. Lachen sei schließlich gesund.

Sie würden ein neues Bild von Clowns präsentieren und nicht das „typische“, vor dem manche Kinder gar Angst hätten, so Vogel.

Auch Jugendliche seien vom Humor der Clowndoktoren begeistert, der an die jeweilige Situation des Patienten angepasst sei. „Dafür muss man ganz feine Antennen haben“, ergänzt er.

Zusätzlich zu den kleinen Patienten müssten die Clowns teilweise auch Eltern, Pfleger und Doktoren bespielen, erzählte Krüger, was insgesamt die Stimmung auf den Stationen verbessern würde.

In Marburg und Gießen gebe es fünf Clowndoktoren. Insgesamt im Verein seien es 30, die allesamt ein künstlerisches Standbein hätten und entsprechende Castings mit hohen Anforderungen und Hygieneschulungen durchlaufen mussten.

„Die Spannweite an Emotionen ist sehr groß“, fasste Krüger zusammen. Es sei schon vorgekommen, dass Clowndoktoren ihre kleinen Patienten auf Wunsch der Eltern auch bis über den Tod hinaus zur Beerdigung begleitet hätten, weil das Verhältnis zwischen ihnen und dem Kind so eng geworden sei.

Studie belegt Wirkung

Eine Begegnung ist Krüger ganz besonders in Erinnerung geblieben: Eine Mutter und ihr Kind hätten sich auch nach über zehn Jahren nach der Behandlung durch die Clowndoktoren noch an diese erinnern können und würden auch heute noch eine wohlige Gänsehaut bei dem Gedanken daran bekommen, freute sie sich.

Der Beistand für die Eltern sei sehr wichtig, weil auch sie stark unter der Situation litten, erläuterte Vogel. Dabei könne er in seiner Rolle als Clown auch einen Erwachsenen einfach einmal in den Arm nehmen und trösten.

Besonders bedankten sich Krüger und Vogel bei Professor Maier und der Kinderklinik, die das Engagement der Clowndoktoren ermöglichten und unterstützten. Maier sei einer der „engagiertesten Unterstützer der Clowndoktoren“, berichtete Vogel freudig.

Kliniksdirektor Maier bescheinigte den Clowndoktoren eine positive Wirkung auf die Patienten, die anhand einer wissenschaftlichen Studie bewiesen worden sei.

von Michael Hahn

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr