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Zum Klingen gebrachter Lebenshauch

Kirchenkreismusikfest Zum Klingen gebrachter Lebenshauch

Unter dem Motto „Klingende Kirche“ präsentierten sich am Sonntag an die 350 Sänger und Bläser beim Musikfest des Kirchenkreises Kirchhain in Großseelheim.

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Der von Henning Welk dirigierte Jugendposaunenchor Blechschaden Niederwald trat als letzte Bläsergruppe auf und beendete sein Programm mit „Wer hat an der Uhr gedreht“.Fotos: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Großseelheim. „Bless the Lord, oh my soul“ - lobe den Herrn, meine Seele, sang der Gospelchor Langenstein, und die Besucher in der voll besetzten Kirche sangen und klatschten eifrig mit. Eine fröhliche, vielfältig klingende Veranstaltung zum Zuhören, aber auch zum Mitmachen war das Kirchenkreismusikfest am Sonntag in und um die evangelische Kirche.

Fünf Stunden lang präsentierten an die 350 Musikerinnen und Musiker Klassisches bis Modernes, Kantaten, Gospels, Spirituals sowie weltliche Werke, einen bunten Querschnitt durch die Musik im Kirchenkreis Kirchhain.

Auf dem Platz vor der Kirchenmauer bliesen die Posaunenchöre Lahnfels, Kirchhain, Schwabendorf und Bracht sowie die Jungbläser Großseelheim und der Jugendposaunenchor Blechschaden Niederwald im Wechsel in ihre Instrumente, kräftig genug, um die für den Nachmittag angedrohten Schauer und Gewitter fernzuhalten. So konnten die Zuhörer bei angenehmem Wetter unter freiem Himmel aus ganzem Herzen Stücke wie das äußerst gut passende „Summertime“ von George Gershwin genießen, das der Posaunenchor Schwabendorf spielte, und in Gedanken „and the livin’ is easy“ mitsingen - Sommerzeit und das Leben ist leicht, heißt es in der berühmten Arie.

Der Jugendposaunenchor Blechschaden Niederwald, der als letzter vor der abschließenden Andacht auftrat, drückte mit seinem Schlussstück „Wer hat an der Uhr gedreht“, das Älteren noch von der Zeichentrickserie „Der rosarote Panther“ bekannt sein dürfte, das Bedauern über das nahende Ende des Festes aus.

Das Kircheninnere hatten unterdessen menschliche Stimmen, teils mit, teils ohne Instrumentalbegleitung, auf vielfältige Weise, mal sanft und leise, mal rhythmisch und kraftvoll, zum Klingen gebracht. Die Kantorei Marburger Land überraschte mit zwei Bachkantaten, deren Melodien man aus dem Weihnachtsoratorium kennt, die Bach aber ursprünglich zu anderen, weltlichen Texten und Anlässen unter den Titeln „Tönet, ihr Pauken!“ und „Blühet, ihr Linden, in Sachsen wie Zedern“ komponiert hatte.

Der Familienchor Kirchhain forderte melodisch „Schau auf die Welt“, der Frauenchor Rauschenberg sang das zarte Liebeslied „The Rose“ und die Chorgemeinschaft Großseelheim zog am Ende mit einem Kanon auf den Lippen in die Kirche ein.

Dekan Köhler spürt dem Odem Gottes nach

Sie präsentierte mit dem gemischten Chor beispielsweise den Vespergesang von Demetrius Bortniansky und mit dem Frauenchor Chorage ein Sonatenthema von Mozart. Der Gemischte Chor Speckswinkel, „Schöne Töne“ Cölbe, der Kirchenchor Niederwald und der Kirchenkreis-Gospelchor „Come Together“ hatten zuvor gesungen.

In der Abschlussandacht, die der Posaunenchor Großseelheim sowie Bezirkskantorin Christiane Kessler an der Orgel mitgestalteten, unterstrich Dekan Hermann Köhler, dass die im Kirchenkreis aktiven Chöre, von denen sich nur ein Teil während des Festes präsentieren konnte, mit ihrer Musik Lebenskraft und -freude vermittelten und Alt und Jung zusammenhalte.

Der tieferen Bedeutung spürte er anhand der Tageslosung nach: „Gott machte den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.“ Luther habe „Lebenshauch“ mit Odem übersetzt, das Ein- und Ausatmen sei beim Singen und Blasen sehr wichtig, und keiner, der dabei gewesen sei, werde je das letzte Ausatmen vergessen, mit dem ein Sterbender das Leben aushauche. Eine Hebamme hauche ein Kind nach der Geburt sanft an, damit es zu atmen beginne, und das Anhauchen bei der Taufe symbolisiere den Odem Gottes. Musik, anders als Schriftstellerei oder Malerei, sei eine Kunst, die man direkt spüren könne, die uns regelrecht in Schwingung versetze.

von Manfred Schubert

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