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„Zukunft braucht Herkunft“

Hessisches Volkskunstsiegel „Zukunft braucht Herkunft“

Im Bürgerhaus Halsdorf wurde an verdiente Volkskunstschaffende das vom Landkreis Marburg-Biedenkopf gestiftete Volkskunstsiegel verliehen.

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Mitglieder des Heimatvereins mit ihrer Vorsitzenden Anneliese Müller (2. von links), Elfriede Staubitz (sitzend) und Konrad Rauch (2. von rechts) stellen sich mit den Laudatoren Jürgen Homberger (5. von links), Eckhard Hofmann (4. von rechts) und Anneliese Schömann (3. von rechts) mit Reiner Sauer (4. von links), Marian Zachow (5. von rechts) und Vorstandsmitglied der HVT, Gisela Jakob (rechts), zum Erinnerungsfoto.

Quelle: Bernhard Hermann

Marburg. Preisträger in diesem Jahr sind Elfriede Staubitz (Wittelsberg), Konrad Rauch (Schwabendorf) und der Heimatverein Weidenhausen e.V. (Gladenbach). Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow in Vertretung von Landrätin Kirsten Fründt, Reiner Sauer, Landesgeschäftsführer der Hessischen Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege (HVT) und Vorsitzender des Bezirks Mitte, sowie Anneliese Schömann als Vorsitzende der Hessischen Volkskunstgilde nahmen die Ehrungen vor.

Zachow betonte an die Geehrten gerichtet, dass die Erhaltung der Volkskunst eine wichtige Aufgabe für einen jeden sein sollte. „Das junge Feuer, das bei der Brauchtumspflege brennt, lohnt an die nachfolgenden Generationen weitergegeben zu werden.“ An die Worte des früheren Landrates Robert Fischbach erinnerte Reiner Sauer: „Wer die Zukunft gestalten will, muss die Vergangenheit kennen, denn ,Zukunft braucht Herkunft‘.“

168 Siegel seit 1986 verliehen

Walter Reuter überbrachte als Mitglied des Gemeindevorstandes Wohratal die Grußworte des Bürgermeisters. Die Gildemitglieder Jürgen Homberger (Mornshausen), Eckhard Hofmann (Dreihausen) und Anneliese Schömann (Halsdorf) hielten die Laudationes auf die neuen Volkskunstsiegelinhaber, die sich alle ehrenamtlich in verschiedensten Funktionen betätigen. Seit 1986 wären 168 Siegel an verdiente Volkskunstschaffende verliehen worden, sagte Anneliese Schömann. Sie hielt die Laudatio auf den gelernten Tischler und langjährigen Ortsvorsteher der Gemeinde Schwabendorf, Konrad Rauch. „Wir können heute einen Mann ehren, der sehr mit seiner Heimatgemeinde und mit unserer Region verbunden ist und einen großen Beitrag zur Erhaltung unserer Volkskultur leistet.“  

Der 1936 in Schwabendorf geborene Konrad Rauch schreibt seit 1970 Gedichte, Kurzgeschichten und Heimatspiele, meistens in Schwabendorfer Mundart verfasst. Aus Rauchs Feder stammen auch viele Büttenreden der Schwabendorfer Fastnacht, das Schwabendorfer Heimatlied in Text und Ton sowie das Heimatspiel „Leute vom Burgwald“, welches er zur 300-Jahrfeier nach einer Romanvorlage geschrieben hat. Seine Werke hat er in Heften mit den Titeln: „Gern denke ich zurück“, „Der Kampf ums Überleben“ und „ Der Lauf der Zeit“ herausgegeben.

Tradition der Mundartgedichte

Laudator Eckhard Hofmann würdigt die Preisträgerin Elfriede Staubitz: Die gebürtige Dreihäuserin beschäftigt sich seit 1977 intensiv mit der heimischen Mundart – „oisem Platt“. Schon damals hat sie wohl instinktiv bemerkt, dass diese Sprache „vor dem Aussterben bedroht“ ist. Gerade in den 60er- und 70er-Jahren wurde mit den Kindern kaum noch „Platt“ gesprochen. Frau Staubitz jedoch begegnete ihrem Umfeld mit offenen Augen und verarbeitete so manch alte Tradition in ihren Mundartgedichten.

Erinnerungen an die Kindheit findet man ebenso wie Abhandlungen über die Schönheit unserer Heimat und der dazugehörigen Natur. Aufmerksam beobachtet sie diese und verarbeitet ihre Erlebnisse und Gedanken in Heimatgedichten. So konnte im Jahr 1985 auch ihr erstes Büchlein unter dem Titel „Mundart aus em Grond“ herausgegeben werden. Weitere Veröffentlichungen erfolgen sporadisch bis zur Gegenwart in der Oberhessischen Presse und im Grundblick. Ihr zweites Buch erschien 1991 mit dem Titel „Heimat zwischen Wiesen und Wäldern“.

Regionalmuseum in Weidenhausen

Für den Heimatverein Weidenhausen nahm die Erste Vorsitzende Anneliese Müller Siegel und Urkunde entgegen. Der Verein wurde für seine außergewöhnlichen Leistungen im Bereich der Kultur, Volkskunst und Brauchtumspflege geehrt. Jürgen Homberger würdigt die Gruppe so: In Gladenbachs größtem Stadtteil Weidenhausen trafen sich im Jahre 1986 einige Bürger im Vorfeld zur 650-Jahrfeier und gründeten den Heimatverein Weidenhausen 1986. Alle zwei Jahre richtete der Verein das „Sauplasterfest“ im Ortskern aus, welches immer unter einem neuen Motto stand.

Über Jahrzehnte wurden Exponate aus der Region gesammelt und zusammengetragen, welche im Regionalmuseum „Hinz Hoob“ einen würdigen Rahmen zur Präsentation gefunden haben. Ein weiter bedeutsamer Schritt zur Entwicklung des Regionalmuseums war die Eröffnung der neuen Ausstellungsräume in diesem Jahr. Der bekannte Maler Karl Lenz hat in den neu gestalteten Räumen ein geeignetes Umfeld zur Ausstellung seiner Kunstwerke gefunden. Für ihre langjährige aktive Mitgliedschaft wurden Margit Hausrath (20 Jahre) und Wilfried Orth (10 Jahre) ausgezeichnet.

von Bernhard Hermann

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