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"Zucken Sie nicht zurück!"

Epilepsie-Ausstellung "Zucken Sie nicht zurück!"

Epilepsie-Patienten leiden nicht nur unter medizinischen, sondern vor allem auch sozialen und psychischen Problemen. Schüler haben Plakate geschaffen, um Vorurteilen entgegenzuwirken.

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Im Wartebereich der Klinik für Neurologie sind noch bis Mitte Januar die Bilder der Wanderausstellung zu sehen. Eines davon halten Professor Felix Rosenow, Leiter des Epilepsiezentrums Hessen und Vorsitzender des Stiftungsbeirates, und Dr. Annette Gümbel, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Bundestages und Botschafterin der EpilepSIE-Stiftung.Foto: Manfred Schubert

Marburg. 1997 wurde mit dem Aufbau des Epilepsiezentrums Hessen in Marburg begonnen. Damals kamen 81 Patienten in die Epilepsieambulanz, berichtete deren Leiter Professor Felix Rosenow, zugleich Vorsitzender des Beirates der EpilepSIE-Stiftung der Diakonie in Hessen, bei der Eröffnung der Wanderausstellung.

Heute seien es 2500 jährlich und es sei im Laufe der Jahre immer klarer geworden, dass diese Patienten nicht nur medizinische, sondern vor allem auch soziale Probleme hätten. Zum Beispiel dürfe ein Elektriker, der Satellitenschüsseln auf Dächern installiere, nach dem ersten Anfall mindestens sechs Monate kein Auto fahren und mindestens fünf Jahre, wahrscheinlich länger, auf kein Dach. Also ist der Arbeitsplatz sofort gefährdet. Oder bei Kindern mit wiederkehrenden Anfällen stelle sich die Frage, ob sie einen normalen Kindergarten oder eine normale Schule besuchen können.

Viele würden unter ihren Möglichkeiten beschult, weil in der Schule Angst vor Anfällen bestehe. Dr. Annette Gümbel, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Bundestages und Botschafterin der EpilepSIE-Stiftung, verdeutlichte das Problem mit einem weiteren Beispiel. Das Kind einer Freundin von ihr litt unter Epilepsie und diese habe ihr nichts davon erzählt. „Wir hoffen, es merkt keiner“, habe sie gesagt, als Gümbel ihr vorhielt, sie müsse doch wissen, was das Kind habe, wenn es bei ihr sei und einen Anfall bekomme. Dr. Thomas Spies, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag und ebenfalls Stiftungsbotschafter, sagte, er hoffe, dass die Ausstellung mit den sehr eindrucksvoll und klar in den Bildern ausgedrückten Botschaften, wie zum Beispiel „Zucken Sie nicht zurück!“, auch an viele Orte komme, die nichts mit Medizin zu tun hätten.

Bernhard Brunst, Epilepsie-Berater Diakonisches Werk Hochtaunus, erzählte, wie er die Kunstlehrerin Dr. Nevenka Kroschewski kennen gelernt habe und die Idee entstand, sich in zwei Kunstkursen der Oberstufe des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums aus Bad Homburg mit dem Thema Epilepsie und Gesellschaft zu beschäftigen. „Wir waren total begeistert vom Ergebnis“, sagte er. 40 Bilder entstanden, 20 wurden gedruckt. Die Ausstellung wurde im September im Bundesfamilienministerium in Berlin gezeigt. Bis Mitte Januar sind 15 Bilder im Wartebereich der Klinik für Neurologie in Marburg, Aufzug 18, Ebene +2, Flur 2, zu sehen. Dort liegen auch Info-Materialien der EpilepSIE-Stiftung aus.

In Hessen gibt es nur vier psychosoziale Epilepsie-Beratungsstellen, zwei davon an den Standorten des Uniklinikums Gießen und Marburg. Sprechzeiten in Marburg nach Vereinbarung unter Telefon 06421/5865438 am Montag, Dienstag und Donnerstag von 10.15 bis 14.30 Uhr, Freitag 10.15 bis 17.15 Uhr.

von Manfred Schubert

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