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Zu viel Essen, zu wenig Bewegung

Thema Übergewicht Zu viel Essen, zu wenig Bewegung

Starkes Übergewicht ist ein Problem unter dem zunehmend mehr Menschen leiden. Wer abnehmen möchte, findet im Adipositas-Zentrum des Universitätsklinikums Hilfe.

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Die Zahl der stark übergewichtigen Menschen nimmt immer weiter zu.Archivfoto

Quelle: Waltraud Grubitzsch

Marburg. „40 Kilo habe ich abgenommen“, erzählt Michael Barg. Im Sommer vergangenen Jahres brachte er noch 124,7 Kilo auf die Waage. Und das bei einer Größe von 1,79 Meter.

Gelungen ist dem Marburger das erfolgreiche Abnehmen mit dem Programm des AdipositasZentrums, mit dem er kurz vor den Sommerferien begann.

51 Prozent der Menschen in Deutschland sind übergewichtig, so die Ernährungswissenschaftlerin Jutta Schick. Tendenz steigend. „Alarmierend ist, nicht das leichte Übergwicht von drei oder vier Kilo, sondern das starke von 20 bis 30 Kilo“, sagt Jutta Schick. Die Ernährungswissenschaftlerin ist Ansprechpartnerin für stark Übergewichtige im Adipositas-Zentrum des Universitätsklinikums auf den Lahnbergen.

Laut der DAK Gesundheit wurden im Jahr 2012 79 Patienten im Landkreis Marburg-Biedenkopf wegen Adipositas oder Übernährung vollstationär behandelt. Das entspricht einem Anstieg von 295 Prozent gegenüber 2005.

Von Adipositas, was nichts anderes heißt als Fettleibigkeit, spricht man ab einem Body-Maß-Index (BMI) ab 30. Er berechnet sich aus dem Körpergewicht [kg] dividiert durch das Quadrat der Körpergröße.

Ursache für Adipositas ist meist der Lebensstil. „Zu viel Essen, zu fettes Essen und zu wenig Bewegung“, sagt Jutta Schick. „Viele essen auch unkontrolliert, das heißt ohne, dass sie hunger haben.“ So ging es auch Tanja Rausch. Da gab es ein Belohnungsessen nach der Arbeit, „oder ich habe einfach aus Langeweile gegessen“, erzählt die Marburgerin. Abnehmen wollte sie zunächst nicht. „Das ist ja auch mit Arbeit verbunden. Kochen statt Fertigprodukte.“ Und so redete sie sich ein, dass sie sich mit ihrem Gewicht wohl fühle. Doch dabei war sie nicht ehrlich zu sich selbst. Mit Hilfe des AdipositasProgramms nahm Tanja Rausch 33 Kilo ab. Und sie fühlt sich wesentlich besser, macht sogar im Gegensatz zu früher Sport.

Bewegung ist auch fester Bestandteil des Programms. „Wir haben eine Gruppe von zehn Adipositas-Patienten, die sich jeden Mittwoch hier trifft und das über ein Jahr“, berichtet Jutta Schick. Bewegungs- und Physiotherapeuten begleiten die Patienten beim Sport. Danach ist Wiegen und Blutdruckmessen angesagt. „Auch müssen sie mir ihren Essensplan der vergangenen Woche vorlegen“, so Jutta Schick.

Schließlich steht die ärztliche Betreuung an. „Manchmal bereiten Diäten Probleme wie Schwindel oder Haarausfall.“

Sind der Bewegungs- und medizinische Teil beendet, geht es in den Seminarraum. Dort referiert entweder eine Psychologin oder eine Ernährungsberaterin.

„Ihr Ziel für das Jahr legen diePatienten selbst fest“, erkärt Jutta Schick. Manche sind motiviert, andere verlieren die Motivation. „Die derzeitige Gruppe ist sehr erfolgreich.“ Und die Chemie untereinander stimmt.

Auch außerhalb des wöchentlichen Treffens im Uni-Klinikum treffen sich einige zum gemeinsamen Sport.

„Ich habe immer gern Sport gemacht“, erzählt Heike Theiß. Doch dann bekam sie Gelenkprobleme. Bis zur Operation verging einige Zeit. Eine Zeit „in der ich ohne Bewegung mehr gegessen habe“, sagt sie. Das hatte fatale Folgen.

„Als ich vom Adipositas-Zentrum gehört habe, stand ich sofort in den Startlöchern“, erzählt die Marburgerin. „In den ersten drei Monaten gab es nur Fastenpulver zum Trinken, aber es enthielt alle Nährstoffe und ich fühlte mich gut damit.“ 33 Kilo hat sie abgenommen. „Mir geht es einfach nur gut“, erzählt sie strahlend.

Auch bei Ruth Schmidt aus Dautphetal purzelten die Pfunde. Mit 110 Kilo begann sie das Programm. Heute wiegt sie 85 Kilo. Sie nahm Medikamente, die sich auf die Gewichtszunahme auswirkten, „aber ich habe auch aus Stress oder Langeweile gegessen“, sagt sie. Hinzu kam, dass ihr Blutdruck grenzwertig war. Als sie vom Angebot des Adipositas-Zentrums erfuhr, meldete sie sich an. „Ich kann es nur jeden weiter empfehlen.“

Im Juli möchte Jutta Schick mit einer neuen Gruppe beginnen. Ein Informationsabend zu dem Programm findet an jedem zweiten Donnerstag eines Monats statt. Beginn ist um 17 Uhr im Seminarraum 2149 des Univeritäts-Klinikums auf den Lahnbergen.

Anfragen zu den Kosten und dem Ablauf können Interessierte auch direkt an Jutta Schick stellen unter Telefon 06421/58-64945.

von Heike Horst

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