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Zu laut für angenehmen Aufenthalt

Serie "Achtung laut" Zu laut für angenehmen Aufenthalt

Mit der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes sollte dieser aufgewertet werden. Optisch ist das gelungen, doch wie sieht es mit der Aufenthaltsqualität bezüglich der Geräuschkulisse aus? Die OP hat gemessen.

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Auf dem Bahnhofsvorplatz herrscht reges Treiben.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. In der Mittagszeit herrscht vor dem Bahnhof reges Treiben. Die einen sind auf dem Weg zu ihrem Zug, andere sind gerade angekommen und steuern die Bushaltestellen auf der Mittelinsel an. Kleinere Gruppen unterhalten sich auch einfach vor dem Gebäude. Vermutlich lässt ihre nächste Verbindung noch auf sich warten.

Busse aller Linien befahren den Platz oder verlassen ihn. Neben dem Bahnhof befindet sich eine Baustelle.

80 Dezibel ergibt die Messung des Lärmpegels. Zumindest wenn die Baustellenfahrzeuge im Einsatz sind und zeitgleich Busse den Platz umrunden. Zum Vergleich: Ein Drucklufthammer hat einen Schalldruckpegel von etwa 100 Dezibel, ein Fernseher in Zimmerlautstärke etwa 60 Dezibel.

Ein Gastronomiebetrieb hat draußen bestuhlt. Auf einem Schild wirbt er mit Bratwurst, Glühwein und Glühwein mit Schuss. Etwas ungewöhnlich für März, aber Temperaturen von gerade mal sechs Grad - gefühlt zwei Grad wegen des eisigen Windes - rechtfertigen das Angebot. Niederlassen mag sich dennoch niemand. Die Menschen zieht es weiter.

Ruhe - aber nicht lange

Wenn die Baustellenfahrzeuge kurz ihren Betrieb einstellen und gerade mal kein Bus den Platz durchfährt, wird es dort ruhiger. Dann zeigt das vom Tüv zugelassene Messgerät gerade noch 66 Dezibel an.

Doch die vermeintliche Ruhe währt nicht lang. Auf der Stadtautobahn hupt lautstark ein Lkw. Im Bahnhofsgebäude hallen die Gespräche der Reisenden nach. Und auch die Koffer, die sie auf kleinen Rädern durch die Halle ziehen, sind nicht gerade lautlos. Lauter als draußen ist es dort aber auch nicht: Wieder werden 66 Dezibel gemessen. Und auf dem Bahnsteig? Der Zug nach Treysa steht kurz vor der Abfahrt. Steigt jemand ein, piepsen die Türen beim Öffnen und Schließen. 62 Dezibel zeigt das Messgerät. Erst als der Zug abfährt, erhöht sich die Zahl kurzzeitig auf 78 Dezibel.

Hupkonzert auf dem Bahnhofsvorplatzt

Beim Gang durch die Bahnhofstraße wird die Lärmbelästigung noch einmal heftiger: Und zwar an der Fußgängerampel unter der Stadtautobahnbrücke. Mit dem Verkehrslärm von oben und den anfahrenden Fahrzeugen vor der Ampel steigt die Dezibelzahl auf 74.

Auf der Elisabethbrücke ist es gefühlt wesentlich ruhiger. Doch das täuscht. Auch dort schlägt das Messgerät wieder weit über 60 Dezibel aus.

Das ändert sich auch nicht bis zur Kreuzung Rosenstraße/Robert-Koch-Straße und Bahnhofstraße.

Zurück führt der Weg wieder über den Bahnhofsvorplatz. Dort startet ein wildes Hupkonzert, weil ein Autofahrer mit ortsfremden Kennzeichen offensichtlich nicht weiß, in welche Richtung er den neugestalteten Bahnhofsvorplatz verlassen soll und deshalb schlicht und ergreifend gar nicht fährt - sehr zum Ärger der hinter ihm wartenden Busfahrer.

43 Dezibel am Ende des Ortenbergsteges

Beim Verlassen des Bahnhofsvorplatzes über den Ortenbergsteg wird es angenehm ruhig. 43 Dezibel zeigt das Messgerät am Ende des Stegs.

Ein paar Meter weiter steht an der Straße eine Litfaßsäule. Auf ihr prangt das Werbeplakat eines Radiosenders: „Gott sprach, es werde laut“ ist da in Großbuchstaben zu lesen. Doch das trifft zum Glück nicht ein. Den Lärm haben wir am Bahnhof zurückgelassen.

von Heike Horst

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