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Zu Fuß, per Rad, per Bus

RMV-Studie Zu Fuß, per Rad, per Bus

Marburg ist eine Studentenstadt – festzustellen ist dies auch am Verkehrsverhalten der Einwohner.

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Innenstadt bietet nicht genug Platz für den Verkehr

Auto, Bus, Fahrrad oder die eigenen Füße: Eine Studie des RMV untersucht, wie die Bewohner Marburgs sich in der Stadt fortbewegen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Nur zwei von drei Haushalten in Marburg haben einen Pkw zur Verfügung – niedriger ist der Anteil in keiner untersuchten Stadt im RMV-Gebiet.

Der Höchstwert liegt bei 97 Prozent. Auch bei der Anzahl der Personen mit Führerschein bildet Marburg (85 Prozent) das Schlusslicht unter den Städten des RMW; der Maximalwert liegt bei 95 Prozent. Umgekehrt stehen jedem Marburger Haushalt fast zwei Fahrräder zur Verfügung (durchschnittlich 1,8).

Diese und viele andere Kennzahlen zur Mobilität in Marburg stellt die Studie „SRV-Mobilität in Städten“ bereit, die Erhebung in 13 Städten des Rhein-Main-Verkehrsverbunds fand im Jahr 2013 statt und ist jetzt fertig ausgewertet. Sie soll den kommunalen Verkehrsplanern wichtige Fingerzeige geben.

Verkehrspolitik dominiert

Bisher ist die einzige umfassende Untersuchung eine Studie der Universität Marburg aus dem Jahr 2011. Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Geografie-Professorin Simone Strambach hatte räumliche Mobilität und Verkehrsmittelwahl von Universitätsangehörigen untersucht.

Es ist kein Zufall, dass die Verkehrspolitik in Marburg (wie auch andernorts) eine dominierende Rolle einnimmt: 86,6 Prozent der Marburger Bevölkerung sind mobil. Jede mobile Person legt knapp 4 (genau: 3,7) Wege pro Tag zurück – in Kita, Schule oder Universität, zur Arbeit, zum Einkaufen oder zu einer Freizeiteinrichtung. Dabei beträgt die durchschnittliche Entfernung eines Weges 7 Kilometer, im Durchschnitt legt jeder Marburger 21 Kilometer zurück. Damit liegt Marburg im unteren Mittelfeld im Vergleich mit den untersuchten RMV-Städten.

Kennzeichnend für den Verkehr in Marburg ist laut der Studie, dass die Wege, die per Bus, Fahrrad oder zu Fuß (dem sogenannten „Umweltverbund“) zurückgelegt werden, ein Niveau erreichen, das es sonst nur in Großstädten mit ihrer hohen Vernetzung ihrer Verkehrsträger gibt: 58 Prozent. 42 Prozent der Wege werden mit dem Auto zurückgelegt.

Stadt der kurzen Wege

Spannend ist auch, dass Öffentlicher Personenverkehr und der motorisierte Individualverkehr für unterschiedliche Zwecke genutzt werden: Nutzer der Busse nehmen diese am häufigsten, um zu Kita/Schule/Universität zu kommen (28 Prozent). Hier macht sich die hohe Zahl an Studierenden deutlich bemerkbar. An zweiter Stelle steht die Fahrt zum Arbeitsplatz (26 Prozent), an dritter Stelle folgt der Fahrtzweck Einkauf/Dienstleistungen (17) noch vor Freizeit (15).

Völlig anders sind die Nutzungszwecke bei jenen, die das Auto nehmen: 41 Prozent geben „Freizeit“ als Zweck der Fahrt an, 29 Prozent „Einkaufen/Dienstleistungen“, nur 19 Prozent fahren von oder zu der Arbeit, und nur 6 Prozent der Autofahrer wollen Kita, Schule oder Universität erreichen.

In Marburg dominieren die kurzen Wege unter 3 Kilometern Länge, sagte Philipp Schuchall, Leiter Marketingplanung und -monitoring beim RMV bei der Vorstellung der Studie. Mehr als die Hälfte aller Wege der Bewohner in Marburg sind kürzer als drei Kilometer. 16 Prozent aller Wege sind 10 Kilometer und länger. „Kitas und Schulen, Einkauf und Dienstleistung sind in Marburg in der Nähe“, schlussfolgert der RMV.

Keine Aussage zu Elektroautos

Die Fahrt zum Arbeitsplatz beträgt in Marburg durchschnittlich 16,5 Kilometer und ist damit deutlich länger als die Fahrten zu Kita, Schule oder Universität (3,4), zum Einkauf (3,5) oder zu Freizeitzwecken (7,1).
Dieser auf den ersten Blick überraschend hohe Wert erklärt sich zum Teil durch die hohe Zahl von Pendlern ins Rhein-Main-Gebiet.

Die Wahl des Verkehrsmittels ist laut Studie abhängig von der Länge des Weges: Bei einem Weg bis zu einem Kilometer dominieren, keine Überraschung, die Fußwege. Bei Entfernungen von mehr als zehn Kilometern nehmen acht von zehn Marburgern das Auto, aber immer noch 18 Prozent ein öffentliches Verkehrsmittel. Busse punkten vor allem bei einer Entfernung ab drei Kilometern und erreichen in Marburg Wegeanteile von mehr als 20 Prozent.

Keine Aussagen macht die Studie über die Verbreitung von Elektromobilität – eines der großen Zukunftsthemen in den verkehrspolitischen Debatten. Ein anderes Zukunftsthema ist in Marburg schon vergleichsweise weit: 7 Prozent der Marburger Bevölkerung hat schon einmal Carsharing genutzt. Dieser Wert liegt an der Spitze der Werte, die in den untersuchten RMV-Städten erreicht werden.

von Till Conrad

 
Mobil in Marburg
  • Pro Haushalt stehen 0,9 Privat- und Dienst-Pkw zur Verfügung
  • 1,8 Fahrräder pro Haushalt
  • Pkw in Marburg sind mit durchschnittlich 1,5 Personen besetzt
  • 60,7 Minuten durchschnittlich verbringen die Marburger täglich im Verkehr. Für einen Weg brauchen sie im Schnitt 19,8 Minuten.
 
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