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Zu Besuch bei Asterix, Hulk und Co.

Faszination Comicladen Zu Besuch bei Asterix, Hulk und Co.

Friedrich Bode betreibt seit 1999 einen Comicladen. Er kennt das Geschäft, die Helden und seine Kunden. Bei ihm geht eine bunte Mischung ein und aus, darunter auch mancher Nerd.

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Seit 1999 betreibt Friedrich Bode seinen Comicladen "Comics, Kitsch und Kunst" in der Marburger Oberstadt. Er gibt einen Einblick in die Comic-Szene.

Quelle: Philipp Lauer

Marburg. „Die Batman-Keksdose war jahrelang der absolute Ladenhüter. Eines Tages habe ich sie verkauft, das war aber noch vor Start der US-Serie ‚Big Bang Theory‘“, erzählt Friedrich Bode (großes Foto), der Inhaber des Marburger Comicbuchladens Comics, Kitsch und Kunst. Nachdem es sich in einer Folge der Comedy-Serie um die Keksdose drehte, habe es etliche Nachfragen gegeben: „Das Produkt war aber streng limitiert und nicht mehr zu kriegen.“

Auswirkungen von TV-Serien

Die große Nachfrage nach dem ehemaligen Ladenhüter blieb nicht die einzige Auswirkung der Serie um die verschrobenen Wissenschaftler, die allesamt große Comic-Fans sind. „Plötzlich wollten Kunden, die mit Comics bis dahin nichts am Hut hatten, Green Lantern-Shirts kaufen, obwohl sie den Superhelden gar nicht kannten. Es reichte, dass der Star der Serie solche Shirts trug“, erzählt Bode, der vielen als Fiddy bekannt ist. Die Protagonisten der Sendung bezeichnen sich selbst als Nerds und würden sich in Bodes Laden wahrscheinlich in guter Gesellschaft fühlen.

„Die Nerd-Dichte ist hoch“

„Hier ist die Nerd-Dichte schon höher als anderswo“, freut sich Bode über seine bunte Kundschaft. Er schiebt gleich hinterher: „Nerd ist in diesem Zusammenhang auch absolut keine Beleidigung.“ Die Serie erreiche eine großes Publikum, das dadurch auch mehr über Comics und das Hobby des Comicbuchsammelns lerne.
Während Fiddy Bode erzählt, betreten zwei junge Frauen den Laden und steuern zielstrebig in die Manga-Ecke. Kurz darauf geht es mit einem T-Shirt im Gepäck weiter. „Das ist von Game of Thrones. Ich bin ein Riesenfan der Serie“, erklärt Nina Morgenstern. Die 24-jährige Studentin der Kunstgeschichte hat ihre Kommilitonin Saskia Kamm dabei. Die beiden vertreiben sich eine Pause zwischen zwei Vorlesungen mit einem Einkaufsbummel im Comicladen. „Ich habe zuerst die Bücher gelesen und dann nach und nach die Serie online geschaut. Ich interessiere mich aber auch für Anime, deshalb haben wir uns zuerst in der Abteilung umgeschaut“, berichtet Morgenstern.

Nina Morgenstern kauft ein T-Shirt ihrer Lieblingsserie Game of Thrones. Mit dabei ist ihre Kommilitonin Saskia Kamm.

Nina Morgenstern kauft ein T-Shirt ihrer Lieblingsserie Game of Thrones. Mit dabei ist ihre Kommilitonin Saskia Kamm. Foto: Philipp Lauer

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Begeisterung für Japan

Da hakt Bode wieder ein und weist auf eine Veranstaltung hin, die ein Japanistik-Student zu den japanischen Comics anbietet. Das wäre wohl etwas für die 19-jährige Saskia Kamm: „Über Anime bin ich zu meiner Begeisterung für die japanische Rockmusikrichtung namens ‚Visual Kei‘ und den damit verbundenen Kleidungsstil gekommen. Da starren einen die Leute schon mal komisch an, aber ich versuche, da drüber zu stehen.“ Dann müssen die beiden weiter in die nächste Vorlesung.
Bei einer kurzen Führung durch den Laden erläutert Bode die Sortierung anhand der unterschiedlichen Genres. In der frankobelgischen Ecke finden sich die Klassiker mit den Duos Tim und Struppi, Asterix und Obelix oder Spirou und Fantasio.

Überall winken Helden

Zwischen den Comicbüchern  füllen Fanartikel wie Asterix-Actionfiguren, Superman-Kaffeetassen, Iron-Man-Mützen oder eben Keksdosen jeden freien Zentimeter Ablagefläche oder Platz an der Wand.
Die US-Comics um die Superhelden wie Batman sind wohl den meisten bekannt. „Die erleben besonders in den vergangenen zwei Jahren durch die vielen Verfilmungen einen unglaublichen Boom“, so Bode, während schon der nächste Kunde den Laden betritt.

Vom Film zum Comic

Chris Barth aus Kirchhain ist auf der Suche nach der sechsten Ausgabe des Comics Sin City. „Genau die ist gerade ausverkauft, da muss ich nächste Woche noch mal reinschauen“, verspricht der 30-Jährige. „Auf die Sin-City-Reihe bin ich durch die Filme gestoßen, die fand ich gut. Jetzt brauche ich aber noch etwas zum Lesen für die Nachtschicht, vielleicht den neu aufgelegten He-Man.“
Klassiker wie den angesprochenen findet man im Comicladen viele, sowohl im Original als auch in Neuauflage. „Da gibt es auch viele Kunden, die in jungen Jahren selbst die Hefte gelesen haben und nun ihre Kinder mit in den Laden bringen, um ihnen die Comics ans Herz zu legen“, erklärt Bode, warum die Besucher so viele der alten Helden wiedererkennen.

Das von Chris Barth gesuchte Comicbuch war leider bereits vergriffen. Foto: Philipp Lauer

Das von Chris Barth gesuchte Comicbuch war leider bereits vergriffen. Foto: Philipp Lauer

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Jeder hat einen Kindheitstick

Für Kinder müssen Comicläden ein Paradies sein, meint auch Chris Barth: „Als Kind hätte ich gerne ein paar mehr Figuren gehabt, in Deutschland kam man aber schwer ran. Zum Glück hat mir meine Oma aus den USA ab und zu welche mitgebracht.“ Er hat auch eine Erklärung dafür, warum die Faszination bei ihm bis ins Erwachsenenalter anhält. „Ich glaube, jeder hat so einen Kindheitstick. Bei dem einen sind es Eisenbahnen – bei mir die Comics.“
Zum Abschluss des Besuchs bei Asterix, Hulk und Co. erklärt Verkäuferin Gabi Hilberg, warum ihr die Arbeit im Comicladen großen Spaß bereitet: „Es ist hier wie in einer anderen Welt, mit vielen verschiedenen, bunt gemischten Charakteren.“ Und damit meint sie sicher nicht nur die gezeichneten.

von Philipp Lauer

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