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Zoff um Ziegelei in Ockershausen

Denkmalschutz Zoff um Ziegelei in Ockershausen

Dutzende Wohnungen werden in Ockershausen entstehen. Auf dem Gelände der Firma Sprengstoff und Kunststoff-Vertrieb (SKV) entlang der Ockershäuser Allee plant der Grundstückseigentümer bis zu 70 Apartments.

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Auf dem SKV-Gelände entlang der Ockershäuser Allee droht eine alte Ziegelei (Hintergrund) zum Streitpunkt vor dem Baustart eines neuen Wohngebiets zu werden. Fotos: Thorsten Richter / Michel Simon

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. In einem neuen Wohngebiet sollen künftig Familien und Studenten zur Miete einziehen können. Ein Architekturbüro in Ockershausen hat bereits erste Pläne für die Häuser entwickelt. Das geht aus einer aktuellen Beschlussvorlage im Bau- und Planungsausschuss hervor. Debatten ranken sich im Stadtteil vor allem um die Zukunft einer alten Ziegelei, die auf dem rund 9000 Quadratmeter großen Grundstück steht.

„Das ist eines der letzten Industrie-Zeugnisse in ganz Marburg. Das Bauwerk ist so geschichtsträchtig, es muss unbedingt erhalten werden“, fordert Renate Bastian (Linke), Mitglied im Ockershäuser Ortsbeirat. Es müsse verhindert werden, dass nur noch der kleine industrielle Rest der Marburger Brauerei als Symbol der städtischen Gewerbegeschichte übrigbleibt. „Wo einst das alte Handwerk lebte, das könnten viele bald nur dort, oder aber eben noch in Ockershausen sehen“, sagt sie. Zustimmung von Gremiumskollegen: „Die Ziegelei in das Baukonzept zu integrieren, ist ein mitentscheidender Punkt“, bestätigt Swen Falke (CDU). Denkbar seien etwa die Nutzung als ein Café oder Kulturtreffpunkt.

Die Stadtverwaltung arbeitet derzeit an der Aufstellung eines Bebauungsplans. Auch sie plädiert für einen Erhalt des sogenannten Ringofengebäudes. Nach OP-Informationen hat ein heimischer Kulturverein bereits Interesse daran bekundet, die Ziegelei in einer Form zu nutzen. Allerdings steht das Bauwerk nicht unter Denkmalschutz. Deshalb ist auch ein Abriss nicht ausgeschlossen. „Mit aller Gewalt werden wir die Ziegelei nämlich nicht erhalten“, sagt Jürgen Otte, Geschäftsführer des Grundstückeigners Sprengstoff und Kunststoff GmbH. Sofern sich die Ziegelei wirtschaftliche nutzen lasse, Geld bringe, werde man das Gebäude jedoch in die Gestaltung des Wohngebiets einbinden. Die Ziegelei blickt auch auf eine Geschichte als Lager für Kriegsgefangene im zweiten Weltkrieg zurück. Arbeitskommandos, vor allem mit französischen Soldaten, waren dort ab 1941 untergebracht.

Ein Verkauf des Grundstücks, ein Häuserbau durch einen Investor, kommt Otte zufolge nicht infrage. Vielmehr sollen die Mietwohnungen als konstante, dauerhafte Einnahmequelle dienen. „Dass innerhalb der Häuser einzelne Immobilien verkauft werden, kann aber durchaus sein“, sagt Otte. Ortsbeirätin Bastian fordert bereits vor dem Baustart, dass 20 Prozent der Immobilien für sozialen Wohnungsbau bereitgestellt werden, mindestens aber sollten die Mieten für Geringverdiener bezahlbar sein. „Das ist für die Durchmischung in diesem beliebten Stadtteil wichtig. Natürlich wollen die Eigentümer Geld sehen, aber wir dürfen nicht zulassen, dass nur noch teure Angebote entstehen“, sagt sie. Falke teilt die Befürchtung: „Für fünf Euro wird es den Quadratmeter sicher nicht geben, das ist bei so hochwertigen Objekten nicht drin.“

Jürgen Otte beschwichtigt: Noch befinde sich das ganze Unternehmen „in der Findungsphase“. Es sei nicht mal klar, ob es tatsächlich 70 oder doch eher weniger, offenbar dreigeschossige, Wohnungen werden. Geschweige denn sei die Preisgestaltung klar. Der Ortsbeirat sprach sich zuletzt für eine sogenannte lockere Bebauung aus. Das entspräche einem Modell mit mehreren quadratischen Häusern, keine langgezogenen Blocks. „Das passt vom Aussehen her besser in die Gegend“, sagt Bastian.

Die Firma SKV investierte zuletzt 3,2 Millionen in den neuen Standort in Cappel, gelegen zwischen Umgehungsstraße und Stadtautobahn.

von Björn Wisker

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