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Zoff um Museums-Standort

Schloss-Studie Zoff um Museums-Standort

Schlagabtausch um die Schloss-Studie: Nach der Vorstellung der Experten-Untersuchung zur Einrichtung eines Stadtmuseums im Landgrafenschloss entbrennt eine Debatte um den Zeitplan - und alternative Standorte.

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Touristisches Top-Ziel Mittelhessens, aber bislang mangelhaft genutzt und beworben: Das ist der Tenor der Schloss-Studie, die derzeit debattiert wird. Die Untersuchung weist den Standort als den idealen für ein Stadtmuseum aus.

Quelle: Arnulf Stoffel

Marburg. Das ist das Ergebnis der Sitzung des Schul- und Kulturausschusses von Donnerstagabend. „Die Studie legt die Hände in große Wunden“, sagt Hans-Werner Seitz (Grüne). Die Parole „Weiter so“ dürfe nicht mehr gelten, „es müssen kleine Schritte zu etwas Großem führen“, sagt er. Im Magistrat bremst man die Erwartungen. „Vorsicht ist bei so einer Idee geboten“, sagt Kerstin Weinbach (SPD), zuständige Dezernentin. „Viel Geld steckt hinter der Umsetzung.“

Neben dem noch nicht errechneten finanziellen Aufwand gebe es ein grundsätzliches Problem zu lösen: Da Marburg nicht Eigentümer des Schlosses sei, sondern das Land Hessen, und die Philipps-Universität für das Bauwerk verantwortlich seien, könne die Stadt dort ohne deren Zustimmung - und ohne deren finanzielle Zuschüsse - kein Museum installieren. „Sobald sich die Uni mit der Studie und den Plänen auseinandergesetzt hat, beginnen wir mit ihnen Gespräche. An die Landesregierung werden wir dann auch vorsichtig herantreten“, sagt Weinbach.

Während der Sitzung erklärten die Autoren der Schlossstudie, die Kritik am bisherigen Umgang mit der Top-Attraktion: „Touristen wollen das Schloss, sie bekommen es aber nicht“, sagt Michael Volkwein, Geograf und Tourismusberater. Für Besucher sei das Gebäude der Anziehungspunkt, sie kehren enttäuscht vom Ausflug auf den Berg zurück. „Dabei ist es ein Gesetz, dass man die Erwartungen von Gästen übertreffen, nicht nur erfüllen muss.“ Die Verweildauer der Touristen in Marburg zu verlängern, was die Gastronomie und den Einzelhandel stärken würde, könne mit einem Stadtmuseum im Schloss gelingen.

Wettstreit um die Inhalte der Ausstellungen

Die Linke sieht den Standort skeptisch. „Das Schloss riecht nach Adel, Uni und Oberschicht. Ein anderer, zentraler Ort wäre sinnvoller, denn Marburg war und ist mehr als das, hat sich davon emanzipiert“, sagt Henning Köster-Sollwedel. Lieber soll an die einfachen Leute erinnert werden. „An die Färber und Gerber an der Lahn, die Entwicklungsgeschichte, die Bausünden nach dem Krieg und die gelungene Oberstadt-Sanierung“, sagt er. Und zwar nicht „im Haus des Herrn Landgrafen“.

Veto der Tourismus-Experten: Nirgendwo, schon gar nicht in der Altstadt oder dem Zentrum gebe es Räume mit einer geeigneten Raumgröße. „Auf 200 Quadratmetern Ausstellungsfläche wird man der überregional bedeutsamen Geschichte und der Gegenwart nicht gerecht“, sagt Elke Hartkopf, ConCultura-Geschäftsführerin. Und was die Inhalte der Ausstellungen angeht, sei nichts entschieden. „Dafür braucht es einen Masterplan.“ Sie werbe sogar für thematische Brüche. „Die Geschichte armer Menschen in einem Haus reicher Leute zu erzählen, klingt spannend.“ Die Linke zeigt sich daher kompromissbereit: „Der Museums-Inhalt ist erstmal wichtiger als der Ort“, sagt Köster-Sollwedel.

Ein Streitpunkt droht der Zeitplan zu werden. Während die Autoren 2022 als möglichen Eröffnungstermin nennen, hält Richard Laufner, Chef des Fachdiensts Kultur, 2027 für ein realistisches Datum, sollte die Stadt sich für ein Stadtmuseum im Schloss entscheiden, die Partner überzeugen und das Geld besitzen.

Die CDU wittert angesichts des langen Planungs- und Verhandlungszeitraums eine Hinhaltetaktik. „Auf das Land zu schielen klingt uns zu einfach. Wir wollen wissen, wann was geplant ist, wann welche Schritte unternommen werden“, sagt Mathias Range (CDU). Die Konservativen fordern zügige Aussagen zu angepeilten Umsetzungs-Zeitpunkten und Vermarktungsstrategien. Denn die bisherige Werbung für das Schloss als Touristenmagnet Mittelhessens sowie für die Vielfalt der anderen Ausstellungsräume bezeichnen auch die Studien-Autoren als Schwachpunkt. Die Stadt biete, vor allem aufgrund der Uni eine enorme Menge an Sammlungen. Doch deren Betreuung sei stiefmütterlich, überall gebe es unregelmäßige und nicht nachvollziehbare Öffnungszeiten. Hartkopfs Vorschlag: Ein hauptamtlicher Museumskoordinator, bezahlt von Stadt und Uni.

v on Björn Wisker

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