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Ziel ist die unbegrenzte soziale Teilhabe

Behinderte Ziel ist die unbegrenzte soziale Teilhabe

Jeder siebte Mensch in Marburg ist ein Mensch mit Behinderung - insgesamt sind es 12000 Männer, Frauen und Kinder.

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Barrieren für Behinderte in Marburg: Ein Gehbehinderter quält sich mit Rollator über Kopfsteinpflaster.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das geht aus dem Sozialbericht der Stadt Marburg hervor, der heute im Sozialausschuss (ab 17 Uhr, Sitzungssaal Hohe Kante, Eingang Hofstatt) vorgestellt wird.

Zwei Drittel der Behinderten, nämlich gut 8350, gelten als schwerbehindert, weil ihnen eine Minderung der Erwerbstätigkeit von 50 Prozent und mehr bestätigt wird.

Die weitaus größte Gruppe der behinderten Menschen in Marburg, nämlich fast ein Viertel, leidet unter einer, wie es im Amtsdeutsch heißt, „erheblichen Gehbehinderung“. Hinzu kommen noch einmal 749 Menschen mit einer „außergewöhnlichen Gehbehinderung“ - das sind Rollstuhlfahrer.

Auf den ersten Blick überraschend in einer Stadt, die als traditionell blindenfreundlich gilt und nicht zuletzt aufgrund der Deutschen Blindenstudienanstalt viele blinde und Sehbehinderte Menschen in ihren Mauern beherbergt, ist die deutlich geringere Zahl an Marburgern und Marburgerinnen, die blind sind: Sie wird mit 339 angegeben.

„Behindert ist man nicht, behindert wird man“: Dieser von der „Aktion Mensch“ geprägte Ausspruch gilt auch in Marburg. Sozialplanerin Monique Meier, die Autorin des Sozialberichts, stellt klar, dass das Ziel jeder Politik die umfassende soziale Teilhabe auch von Behinderten sein muss. Eine entscheidende Voraussetzung ist dafür Barrierefreiheit - in öffentlichen Gebäuden, im Straßenverkehr, aber auch in der eigenen Wohnung.

Dieser Aspekt wird umso wichtiger, wenn man sich eine andere Zahl vor Augen hält: 10899 Marburgerinnen und Marburger, jeder Siebte, sind 65 Jahre und älter. Sie sind nur zum Teil identisch mit der Gruppe der Menschen mit Behinderungen, aber die meisten von ihnen werden früher oder später Schwierigkeiten haben, Treppen zu steigen, sich im Straßenverkehr sicher fortzubewegen - ganz zu schweigen von körperlichen Gebrechen, die es unmöglich machen, alleine und selbstständig zu leben.

Erstes Gebot:Barrierefreiheit

Für Oberbürgermeister Egon Vaupel ergeben sich aus diesen Zahlen wichtige Hinweise für die Anlage der Sozialpolitik in der Stadt: Er pocht auf Barrierefreiheit oder zumindest Barrierearmut bei Neubauten oder Renovierungen von Häusern und Wohnungen; die Stadt habe ein Pflegekonzept zu entwickeln - auch in der Bauplanung - das den Ausbau von ambulanten Hilfen ermöglicht, und schließlich: Verkehrsräume für die unterschiedlichsten Gruppen von Verkehrsteilnehmern sind so abzusichern, dass die gefahrlose Teilnahme am Straßenverkehr für alle möglich ist.

Oft steckt der Teufel im Detail, wie das Stadtoberhaupt klarmacht: Rollstuhlfahrer beispielsweise brauchen abgesenkte Bürgersteigkanten, um an der Ampel vom Bürgersteig auf die fahrbahn zu kommen und umgekehrt; Blinde und Sehbehinderte wiederum, die sich mit ihrem Langstock orientieren, geraten bei einer Absenkung möglicherweise ungewollt auf die Fahrbahn. Die Lösung sind im Moment deutlich erhöhte Noppen an den Absenkungen. Diese Beispiele ließen sich beliebig ergänzen.

Eine Reihe von Organisationen sind in der Behindertenhilfe aktiv; „Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung“, „Mobilo“, ein Betreuungsverein für Menschen mit psychischer Berhinderung, der „Verein zur Förderung der Inklusion Behinderter“ und viele andere arbeiten in der Behindertenhilfe zusammen.

von Till Conrad

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