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Zeugin: „Wir haben einen Knall gehört“

Aus dem Amtsgericht Zeugin: „Wir haben einen Knall gehört“

Weil sie beim Einparken ein Auto beschädigt und sich unerlaubt vom Unfallort entfernt hatte, musste sich eine Autofahrerin vor Gericht verantworten. Das Verfahren wurde gegen Zahlung eine Geldstrafe vorläufig eingestellt.

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Wer ein anderes Auto beschädigt hat und dessen Besitzer nicht ermitteln kann, sollte einen Zettel mit Name und Anschrift gut sichtbar an der Windschutzscheibe befestigen, gleichzeitig aber auch die Polizei informieren.

Quelle: Ruth Korte

Marburg. Ende September dieses Jahres rammte die Frau aus Marburg ein anderes Fahrzeug auf dem Alkoni-Parkplatz in Wehrda. Die Prozessbeteiligten einigten sich auf eine vorläufige Verfahrenseinstellung. Als Auflage hat die Angeklagte 600 Euro Geldstrafe zu zahlen.

Den Unfall habe sie nicht bemerkt, beteuerte die Angeklagte vor dem Amtsgericht. „Ich habe keinen Knall gehört“, betonte die Frau. In eine enge Lücke zwischen dem Unfallwagen und einem Begrenzungsstein parkte sie ein, rangierte mehrmals hin und her, „es war schon eng,  aber es ging“, erklärte die Unfallverursacherin. Sie kaufte ein und verließ den Parkplatz, kurze Zeit später meldete sich die Polizei, teilte ihr den Sachverhalt mit. Erst im Anschluss habe sie die Kratzer an ihrem eigenen Wagen bemerkt.

Im Gegensatz zu ihr hatten mehrere Zeugen den Zusammenprall gehört, den geprellten Fahrzeugbesitzer verständigt, der die Polizei informierte. „Wir haben einen Knall gehört“, teilte eine Zeugin mit. Der Aufprall sei eindeutig gewesen. An dem beschädigten Auto entstand ein Schaden in Höhe von 2 000 Euro.

Ob die Beschuldigte die Kollision mitbekam, sich damit unerlaubt vom Unfallort entfernt hatte, wurde vor Gericht diskutiert. In diesem Fall wäre sie ihren Pflichten nicht nachgekommen, nämlich der Feststellung ihrer Person, ihres Fahrzeugs sowie der Art ihrer Beteiligung oder zumindest eine „nach den Umständen angemessene Zeit“ zu warten, ­ohne dass eine entsprechende Feststellung zu treffen war, so sieht es Paragraf 142 des Strafgesetzbuches vor.

„Es ist ein Streifschaden, das hört man nicht“, erklärte Verteidigerin Nadine Eschen den scheinbaren Irrtum ihrer Mandantin. Vor der Versicherung ­habe die Unfallverursacherin ihre Schuld zugegeben, das Versicherungsverfahren laufe.
Die Angeklagte sei zu einer Zahlung einer Geldstrafe bereit, ihr ginge es hauptsächlich darum, aus beruflichen Gründen ihren Führerschein zurückzuerhalten.

Überzeugt war Oberamtsanwalt Peter Heinisch nicht von den Beteuerungen der Angeklagten. „Das rummst einfach, es gibt deutliche Geräusche“, sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft. Er war sich sicher, dass die Frau „zwar kein Rambo sei“, den Aufprall jedoch deutlich wahrgenommen hatte. „Aber ich mache das mal mit“, erklärte sich der Anklagevertreter zu einer Verfahrenseinstellung bereit.

Als vorzeitiges Weihnachtsgeschenk erhielt die sichtlich erleichterte Frau noch im Gerichtssaal ihren Führerschein zurück.

von Ina Tannert

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