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Zeugen: Liebes-Aus zehrt Angeklagte auf

Prozess gegen Messerstecherin Zeugen: Liebes-Aus zehrt Angeklagte auf

Im Prozess gegen eine 27-Jährige, die die Tötung von Laura S. (29) gestanden hat, geben Zeugen Einblicke in das Leben der Angeklagten und die Beziehung zum Ex-Freund.

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Die Angeklagte versteckt sich beim Prozessauftakt hinter einem Ordner, vertreten wird sie von Anwalt Sascha Marks.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die Trennung als Knackpunkt? Die Jurastudentin soll nach Aussagen von Freunden, Bekannten und der Schwester „lebensfroh und kontaktfreudig“ sowie „glücklich in ihrer Beziehung“ gewesen sein, wie etwa eine 26-jährige Jura-Doktorandin sagte.

Dann, ab Oktober 2012 – dem Monat des Liebes-Aus – sei ihr emotionaler und körperlicher Zustand immer schlechter geworden. „Sie hat ihren Freund und Laura damals nach einer Party in flagranti im Bett erwischt. Das machte sie fertig“, sagt die langjährige Studienfreundin. In den Monaten nach dem Beziehungs-Aus, ab Anfang 2013, habe sich die Angeklagte „stark verändert, sie wirkte ausgezehrt, körperlich zerbrechlich“.

Der Kontakt zu Freunden flachte ab, sie zog sich zurück, ergänzte eine 25-jährige Rechtsreferendarin, Freundin seit 2009. In Beziehungsfragen sei die Jurastudentin „unsicher, hat oft Rat gesucht, weil sie nicht wusste, wie sie Situationen bewältigen soll“. Die Beziehung zu dem Wirtschafts- studenten, dem ersten festen Freund im Leben der 27-Jährigen, beschreibt die Zeugin als „einseitig und distanziert“.

Sie ergänzt: „Er hat sie extrem ausgenutzt. Für ihn kochen, waschen und einkaufen sollte sie, zu ihm kommen, wenn er ihr SMS schrieb, und dann durfte sie wieder heimfahren.“ Für die Angeklagte habe „sich das nach einer normalen Beziehung angefühlt. Und es stand für sie fest, dass sie ihn zurückbekommt, wenn sie sich nur genug anstrengt. Ihr Leben gehe ohne ihn nicht weiter, zumal ihr Vater verlangte, dass sie den Mann, der sie entjungferte, heiraten soll“, sagte die 25-Jährige.

„Emotional zerbrechlich“ und „übertrieben eifersüchtig“

Angst vor der Reaktion der Eltern, die von dem Freund nichts wussten? Nach Aussagen der Schwester (19) stimme es zwar, dass diese Sex erst nach der Hochzeit tolerieren. Aber so eine Furcht sei unbegründet gewesen. Die 19-Jährige beobachtete in den Monaten vor dem tödlichen Angriff starke Veränderungen an ihrer älteren Schwester. „Sie wurde aggressiv, regte sich über Kleinigkeiten auf. Ihr ging es immer schlechter.“

Eine Bekannte (24) beschreibt die Angeklagte als „gefühlsmäßig labil“, „emotional zerbrechlich“ und „übertrieben eifersüchtig“. Die Nebenklage bezweifelt indes viele Aussagen der Messerstecherin, die diese gegenüber ihren Freunden oder dem psychiatrischen Gutachter Dr. Wolfgang Kloß gemacht hat. Grund: Neben dem Angriff selbst, den Zeitabläufen, dem Ja oder Nein eines Streits oder vorherigen Drohungen gegen Laura sowie Beziehungs-Inhalten geht es vor allem um die Glaubwürdigkeit der Angeklagten.

So wird vor Gericht etwa das Gerücht einer von der 27-Jährigen behaupteten Schwangerschaft diskutiert – für die es bislang keine Beweise, etwa ärztliche Befunde oder positive Tests gibt. Ebenso unklar sind noch Aussagen zu misslungenen Zwischenprüfungen, einer zwischenzeitlichen Abmeldung von der Universität, einem Studiengangwechsel und Arbeitstätigkeiten als studentische Hilfskraft am Fachbereich Rechtswissenschaft.

„Wer schon bei solchen Kleinigkeiten lügt, bei dem muss man an Richtigkeit und Nachvollziehbarkeit der Angaben etwa gegenüber dem Sachverständigen zweifeln“, sagt Elke Edelmann, Rechts-Vertreterin der Nebenklage. Heute sollen vor allem Facebook-Nachrichten, von denen die gebürtige Stuttgarterin nach der Trennung Hunderte an ihren Ex-Freund geschrieben haben soll, als Beweismittel eingeführt werden.

  • Fortsetzung: Freitag, 9.30 Uhr, Saal 101

von Björn Wisker

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Prozess gegen Messerstecherin
Die Mutter der getöteten Laura S. trägt ein Shirt mit dem Foto ihrer Tochter. Foto: Nadine Weigel

Die Richter am Landgericht interessieren sich bei der Verhandlung gegen eine Jurastudentin (27), die die Tötung von Laura S. (29) gestanden hat, ob es vor dem Überfall Drohungen gegen das Opfer gab, oder ob die Getötete bei einem Streit unmittelbar vor dem Angriff provozierte.

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