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Zentrum der Marburger Geschichte

Ausstellung "Stadt Land Schloss" Zentrum der Marburger Geschichte

Für die nächsten 18 Monate zumindest ist Leben eingezogen in das trutzige Landgrafenschloss: Die Ausstellung „Stadt Land Schloss“ wird zum ersten Mal seit langem für regelmäßigen Publikumsverkehr sorgen.

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Ein taktiles Modell des Schlosses steht seit Sonntag  vor dem Eingang zum Schlossinnenhof.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Am Tag nach der Ausstellungseröffnung war Richard Laufner, der Leiter des städtischen Kulturamts, richtig zufrieden: „Das war richtig in Ordnung“, sagt der Mann, der einer der Hauptinitiatoren für die Öffnung des Landgrafenschlosses für die Öffentlichkeit ist. Ausstellung und Schlossfest seien „ein Schritt in die richtige Richtung“ gewesen.

Der Sonntag habe gezeigt, dass man mit entsprechender Öffentlichkeitsarbeit Menschen auf den Schlossberg und ins Landgrafenschloss locken kann.

Die Sonderausstellung „Stadt Land Schloss“ zeigt die 1000-jährige Nutzungsgeschichte des Schlosses von der ersten Burg über den Herrschaftssitz hessischer Landgrafen und Nutzung als Gefängnis bis zur gegenwärtigen Nutzung als kulturgeschichtliches Museum. Das besondere: Reste der ersten Bebauung Ende des 9./Anfang des 10. Jahrhunderts bis zum Ende des 12. Jahrhunderts sind durch Bodenfenster im Westsaal einsehbar – dank des glücklichen Umstands, so Dr. Christoph Otterbeck, der Direktor des Universitätsmuseums für Kunst und Kulturgeschichte und somit „Hausherr“ des Schlosses, dass die „neuere“ Burg auf den Überresten der alten errichtet wurde.

Wie Laufner äußerte sich auch Otterbeck zufrieden über den Auftakt. Der sei „rundum gelungen“, die Geschichtsvermittlung durch die Ausstellung sei prima ergänzt worden durch sinnliche Erfahrungen von Gerüchen oder von Klängen rund ums Schloss.

Vor allem Dokumente und Schrifttafeln zeichnen die Geschichte des Marburger Schlosses nach, einzelne Ausstellungsstücke machen die unterschiedlichen Zeitabschnitte aber auch visuell  deutlich – etwa ein eiserner Kampfhandschuh aus der Zeit von Landgraf Philipp von Hessen, dem Gründer der Marburger Universität.

Besucher, die sich gern mit dem Alltag unserer Vorfahren beschäftigen, werden sicherlich am „Kleiekotzer“ im Südsaal hängenbleiben, in dem Geschichte der Stadt und des Lands dokumentiert ist. Der „Kleiekotzer“ ist ein eigentlich banales Stück Holz, nämlich am Auslauf am Mahlgang einer Getreidemühle, durch den Kleie, also die Schale der gemahlenen Frucht, abgesondert wird. Oft war er so einfallsreich geschnitzt wie in dem ausgestellten Stück aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Noch Reserven in der Ausstellung

Ebenso eindrücklich: Die Eindrücke, die die Besucher aus der finstersten Zeit des Marburger Schlosses, aus der Zeit der Verwendung als Gefängnis erhalten. Hier sagt ein Blick durch ein Gefängnisgitter auf die nachgebaute Zelle vielleicht mehr als 100 Dokumente.

Und genau hier liegen noch die Reserven in der Ausstellung: Die museumspädagogische Aufbereitung, die dazu beitragen könnte, dass die Ausstellung   tatsächlich  ein Publikumserfolg wird und der Auftakt ist zu einem ganz anderen Umgang mit dem Landgrafenschloss – dem Zentrum der Marburger Geschichte.

Die nächsten Schritte in dieser Richtung sind schon geplant: Neben verschiedenen Sonderführungen während der Ausstellungszeit plant das Universitätsmuseum schon jetzt eine Ausstellung im Rittersaal des Schlosses, das sich im Jahr 2016 mit „100 Jahren Deutsche Blindenstudienanstalt“ auseinandersetzt. Und im Jahr 2017, dem Jahr des 500. Reformationsjubiläums, soll, so berichtet Otterbeck, eine große Ausstellung zu „Reformation und Bildung“ im Landgrafenschloss stattfinden. Sie wird aus Mitteln des Lands und des Bundes gefördert, berichtet Otterbeck; eine Kuratorin für dieses Projekt ist bereits eingestellt.

„Wir gehen nach und nach kleine Schritte“, so der Museumsdirektor, der wie Laufner an dem Ziel festhält, das Landgrafenschloss zu einem echten, dauerhaften Anziehungspunkt in Marburg zu machen. Erste Gespräche mit dem Land, das bisher eher zurückhaltend auf den Wunsch nach Öffnung reagiert hat, seien vielversprechend verlaufen.

Zum 500. Universitätsjubiläum 2027 könnte ein neues, publikumsfreundliches Konzept umgesetzt sein, hoffen alle Beteiligten.

Die Ausstellung ist noch bis zum 15. Januar 2017 dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr (Oktober bis März: 10 bis 16 Uhr) geöffnet.

von TIll Conrad

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