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Ärztlicher Notdienst Zentrale für den ganzen Kreis

Krank im Feierabend oder am Wochenende? Ab heute ist der Hebronberg in Wehrda zentrale Anlaufstelle für Patienten aus dem Landkreis, die außerhalb der Sprechstunden hausärztliche Versorgung brauchen.

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Die Hausärzte Dr. Barbara Froehlich und Dr. Hans-Helmut Meiss haben als Obleute für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst im Landkreis die Zentralisierung des Notdienstes am Standort Wehrda organisiert und versorgen dort die Patienten gemeinsam mit vielen weiteren Ärzten aus der Region.

Quelle: Nadine Weigel

Wehrda. Gestern waren die Ärztlichen Bereitschaftsdienste in den Zentralen in Biedenkopf und Stadtallendorf zum letzten Mal geöffnet. In Gladenbach endete die dezentrale Versorgung bereits im Oktober 2013. Und mit dem heutigen 1. April beginnt für alle Ärzte und Patienten ein neues Kapitel in der ärztlichen Versorgung für Marburg-Biedenkopf. Geschuldet ist die Neuorganisation einer Reform des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes, den die Kassenärztliche Vereinigung für ganz Hessen bis März 2015 abschließen will. Folge für den heimischen Landkreis: aus einst vier Bereitschafts-Zentralen wird eine.

Patienten, die außerhalb der Praxissprechzeiten einen Hausarzt benötigen, finden Hilfe in Wehrda beim ärztlichen Notdienst in seiner Zentrale am Diakonie-Krankenhaus. Von dort aus wird der Notdienst für Marburg und Umgebung schon seit Jahren organisiert. „Es war viel Vorbereitungsarbeit“, berichtet Dr. Barbara Froehlich, Obfrau für den ärztlichen Notdienst im Landkreis, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr. Hans-Helmut Meiss im Vorfeld viel für die Umstellung in die Wege geleitet hat.

In der Notdienstzentrale in Wehrda gibt es fortan drei statt zwei Arztzimmer, fürs Personal sind weitere Schlafgelegenheiten entstanden und an den Wochenenden werden Ärzte und Helferinnen künftig in Doppelbesetzung vertreten sein, um der größeren Anzahl von Patienten gerecht zu werden, erläutert Dr. Hans-Helmut Meiss. Bei großem Andrang müssten die Patienten mit einer durchschnittlichen Wartezeit von einer Stunde rechnen.

Die alten Öffnungszeiten, die im Ärztlichen Bereitschaftsdienst im Landkreis laut Meiss seit 25 Jahren gelten, mussten die heimischen Ärzte gegen die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hart verteidigen. „Unsere Paxisöffnungszeiten sind auf die Notdienstzeiten abgestimmt - wir sind darauf eingestellt, unsere Patienten sind darauf eingestellt“, erklärt Dr. Barbara Froehlich. Der Ärztliche Notdienst sei nun weiterhin wochentags von „acht bis acht“ für die Patienten da - statt von „sieben bis sieben“, wie die KV bevorzugt hätte. „Wir hätten sonst alle unsere Praxiszeiten ändern müssen“, ergänzt Froehlich.

Ein täglicher Fahrdienst für die Hausbesuche

Patienten, die mobil und in der Lage sind, nach Wehrda zu fahren, sollten sich auf den Weg machen, wenn sie ärztliche Hilfe brauchen. Wenn ein Hausbesuch erforderlich ist, rücken die Ärzte zu ihren Patienten aus. Es ist immer ein Arzt erreichbar, der Anrufe beantwortet und Hausbesuche fährt.

Dafür gibt es einen eigens eingerichteten Fahrdienst, täglich besetzt mit vier Ärzten von 18 bis 8 Uhr, jeweils ein Arzt für vier Regionen im Landkreis. „Da durch die Zusammenlegung doch weite Strecken zu fahren sind, haben wir in Kirchhain und Dautphetal jeweils einen Bereitschaftsdienst-Raum angemietet, der es erlaubt, von dort aus schnell am Einsatzort im Osten oder im Westen zu sein. Für Nord und Süd befinden sich die Räume im Krankenhaus Wehrda“, sagt Meiss und geht davon aus, dass die Kapazitäten ausreichend sein werden, um die Versorgung der Menschen aufrechtzuerhalten.

Neben den Fahrdiensten besteht in Wehrda ein gesonderter „Sitzdienst“ - das ist der Arzt, der die Patienten in der Zentrale versorgt. Neu für alle Bewohner im Landkreis ist die Rufnummer für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst - die 116 117. Die bisherige Rufnummer 19292 ist so geschaltet, dass sie zur neuen Rufnummer weitergeleitet wird. „Diese neue Rufnummer ist rund um die Uhr erreichbar, für uns Nordhessen in Kassel, für Südhessen in Frankfurt“, erläutert Meiss. Eine direkte telefonische Kontaktaufnahme mit dem Notdienst in Wehra ist nicht mehr möglich. „Patienten sollen einfach herkommen oder den Fahrdienst über die neue Nummer anfordern“, erklärt Froehlich. In Kassel werden die Anrufer von einem Arzt oder einen medizinisch geschulten Disponenten beraten - dann gilt: Ist ein Hausbesuch zu fahren oder ist der Einsatz eines Notarzt-Wagens erforderlich. Denn der Ärztliche Bereitschaftsdienst grenzt sich von der notärztlichen Versorgung, erreichbar über Telefon 112, ab: Bei starken Herzbeschwerden, Bewusstlosigkeit, schweren Verbrennungen oder anderen akut lebensbedrohlichen Symptomen müssen Patienten sofort den Rettungsdienst anfordern - nur so kann Hilfe innerhalb kürzester Zeit garantiert werden.

Die Notdienstzentrale in Wehrda führen die Mediziner wie eine allgemeinärztliche Praxis. Ein EKG und Defibrillator stehen zur Verfügung, Urinuntersuchungen und primäre Wundversorgung sind möglich. Bei Notfällen arbeiten die Ärzte in der Zentrale mit den Krankenhausärzten an der Diakonie-Klinik zusammen. Erkrankte können kurzfristig an die Innere Medizin, Chirurgie, Anästhesie und Gynäkologie überwiesen werden.

104 Hausärzte wirken selbst im Bereitschaftsdienst mit

Nach vielen Diskussionen über die Umstrukturierung des Notdienstes im vergangenen Jahr gehen Meiss und Froehlich davon aus, dass die Ärzte von Wehrda aus eine gute Versorgung der Patienten gewährleisten können - auch, wenn die Anfahrtswege für viele Menschen nun etwas weiter werden. Versorgt werden die Patienten von 380 niedergelassenen Ärzten im Landkreis, wobei nur 104 Hausärzte selbst im Notdienst aktiv sind. Die anderen lassen sich gegen Bezahlung vertreten. Meiss und Froehlich sind gern in der Zentrale im Bereitschaftsdienst. „Für mich gehört das zum Arzt-Sein dazu“, sagt sie.

von Carina Becker

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