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Zensus: „Graf Zahl“ hat neu gerechnet

Bevölkerungszahlen Zensus: „Graf Zahl“ hat neu gerechnet

Marburgs Oberbürgermeister regiert über weniger Bürger als gedacht. Und die größte Stadt gibt damit auch dem Trend im Landkreis eine andere,negative Richtung.

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Gut 241 000 Menschen leben im Landkreis · Marburg ist der große Verlierer, Biedenkopf legt am stärksten zu.

Quelle: Vera Lehmann

Marburg. Großer Verlierer der neuen Zählung ist die Universitätsstadt, für die 8957 Einwohner weniger (minus 11 Prozent) errechnet wurden. Zum Vergleich: Das Minus des gesamten Landkreises beträgt 9287 Einwohner, das sind 3,7 Prozent weniger als zum Vergleichsstichtag 1987.

In der Stadt leben weniger Menschen als gedacht

Überhaupt gibt es nur wenige klare „Gewinner“ des Zensus‘, etwa Biedenkopf mit einem Plus von 479 Bürgern (+3,6 Prozent) oder Breidenbach und Fronhausen mit jeweils etwas mehr als zwei Prozent Plus. Im Kreisschnitt liegt Cölbe (-3,5 Prozent), etwas über zwei Prozent „Verlust“ schlagen nur bei Angelburg, Lahntal, Neustadt und Stadtallendorf zu Buche. Ohne die Stadt Marburg, rechnet der Landkreis vor, läge die Abweichung nur bei 0,2 Prozent. In Marburg ist die Veränderung jedoch am auffälligsten. Am 9. Mai 2011 hatte Marburg nach den Ergebnissen des Zensus‘ 71683 Einwohner (nach Hauptwohnung), heißt es in einer Erklärung der Stadt. „Die auf dieser Basis fortgeschriebene Entwicklung ergab für den Stichtag 31. Dezember 2011 eine Bevölkerungszahl von 72190 gegenüber 79603 in der bisherigen Fortschreibung der Stadt und 81147 Einwohner in der bisherigen Fortschreibung des Hessischen Statistischen Landesamtes.“ Das bedeutet gegenüber der auf der Basis der Volkszählung 1987 fortgeschriebenen Bevölkerungszahl Ende 2011 eine Abweichung von -9,3 Prozent (Zahlen der Stadt) und 11 Prozent weniger als das Hessische Statistische Landesamtes errechnet hatte.

Kein Grund zur Sorge

Grund zur Sorge bieten die Zahlen gleichwohl nicht. Schon bei der Volkszählung 1987 wurde laut Angaben der Stadt die damals seit 1970 fortgeschriebenen Marburger Einwohnerzahl in gleicher Größenordnung, damals um 10,7 Prozent, reduziert. Ein Grund, so die Auskunft aus der Stadtverwaltung: Die bisherige Einwohnerfortschreibung wurde seit 1987 Jahr für Jahr um Geburten und Zuzüge ergänzt sowie um Fortzüge und Sterbefälle vermindert. „Jedes Jahr galt es allein in Marburg durchschnittlich 6000 Zuzüge, 6000 Fortzüge, 600 Geburten und 600 Sterbefälle zu bearbeiten. Hinzu kommen Wohnungsstatuswechsel von Neben- zu Hauptwohnungen und von Haupt- zu Nebenwohnungen sowie jährlich rund 5000 Umzüge innerhalb der Stadt. Infolge dieser großen Menge an zu bearbeitenden Meldevorgängen addieren sich im Laufe der Jahre Ungenauigkeiten, die zu den durch den Zensus 2011 bekannt gewordenen Abweichungen führen.“ Nicht immer form- und fristgerechte Meldevorgänge von Personen hätten zu zusätzlichen Verzerrungen geführt.

Ausgewählte Kennzahlen des Kreises

Frauen (Angaben in %): 51,27
Männer: 48,73
Ausländer: 7,0
Migrationshintergrund: 18,2

evangelisch: 55,2
katholisch: 18,9
Sonstige/ keine Angabe: 25,9

Alter
unter 18 Jahre:16,8
18 bis 29 Jahre:17,8
30 bis 49 Jahre:27,5
50 bis 64 Jahre:19,4
über 65 Jahre:18,4

Schulabschluss
Abitur (oder gleichwertig):31,4
Realschule (o. gleichw.):27,4
Hauptschule (o. gleichw.):35,6
Ohne Abschluss:5,6     

Hintergrund:

Im Rahmen des zum Stichtag 9. Mai 2011 durchgeführten Zensus‘ wurden in Hessen die Daten der kommunalen Einwohnermelderegister dem Hessischen Statistischen Landesamt (HSL) zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung gestellt. Diese wurden anschließend durch weitere Erhebungen, insbesondere durch die Befragung von rund 735 000 Personen im Rahmen der Haushaltestichprobe, aber auch durch weitere Erhebungen teilweise korrigiert.

Detaillierte Informationen gibt es beim Statistischen Landesamt unter www.statistik-hessen.de oder auf der Seite  www.zensus2011.de

von Michael Agricola

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