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Zeit, dass sich was dreht

Uhren werden umgestellt Zeit, dass sich was dreht

Alles fing am 6. April 1916 mit der folgenden Mitteilung an, veröffentlicht im deutschen Reichsgesetzblatt: „Der 1. Mai 1916 beginnt am 30. April 1916 nachmittags elf Uhr nach der gegenwärtigen Zeitrechnung.“  Dieser Satz markiert die Geburtsstunde der Sommerzeit.

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Quelle: Sebastian Willnow

Marburg. Ziel war es, wertvolle Ressourcen wie Öl, Petroleum und Kohle gespart werden, welche während dem ersten Weltkrieg knapp wurden. Diese Mittel waren jedoch nötig, um die dunklen Sommermorgen zu erhellen. Das Konzept von 1916 hielt nur drei Jahre an. Während dem dritten Reich und der Teilung des Landes kam es immer wieder zu Änderungen und Ausfällen der Sommerzeit. Erst seit 1996 gibt es Dank einer einheitlichen Regelung der Europäischen Union unsere heutige Norm: Am letzten Sonntag im März wird die Uhr um eine Stunde vorgestellt.

Deutschland hatte also ganze 20 Jahre lang Zeit um sich an das Zeiger-Drehen zu gewöhnen. Trotzdem wird dessen Sinn immer wieder angezweifelt. Viele haben sogar mit einem  kleinen Jetlag von der „Reise“ in die Sommerzeit zu kämpfen. Durch das Zusammenfallen mit den Osterfeiertagen gibt es in diesem Jahr aber mehr Zeit, sich an den neuen Rhythmus zu gewöhnen.

Frauen anfälliger für Schlafstörungen

Laut einer Datenerhebung der Kaufmännischen Krankenkasse Marburg (KKH) leiden sowieso immer mehr Menschen an Schlafstörungen. Seit 2010 ist die Anzahl der Betroffenen unter den Versicherten um 27 Prozent gestiegen. Frauen sind sogar anfälliger als Männer. Besonders hart  trifft es die Generation der 15- bis 29-Jährigen. 2016 litten noch 39 Prozent weniger Menschen unter Problemen mit dem Ein- und Durchschlafen.
„Wer häufiger Einschlafprobleme hat oder nachts öfters aufwacht, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen, um die Ursachen dafür abzuklären“ rät Heiko Langer vom KKH-Servicezentrum in Marburg. Gängige Folgen seien eine Schwächung des Immunsystems, erhöhtes Krebsrisiko sowie Herz-Kreislauf-Beschwerden.

Um gesund und ausgeschlafen durch die Zeitumstellung zu kommen, gibt es ein paar Tricks:

  • Damit der Körper sich langsam an den neuen Rhythmus  gewöhnen kann, sollte man heute bereits alles eine halbe Stunde vorverlegen. Heißt: Früher aufstehen, früher Essen und früher wieder ins Bett gehen. Wer den Ostersonntag nochmal 30 Minuten früher beginnt, hat die „verlorene Stunde“ damit ausgeglichen.
  • Auch wenn es schwer fällt ist es ratsam, am Sonntag oder Montag auf einen Mittagsschlaf zu verzichten. Nur so kann sich die biologische Uhr wieder einpendeln. Besser ist ein kleiner Spaziergang, um wach zu bleiben.
  • An den ersten Abenden in der neuen Zeit gilt: Finger weg von Wachmachern wie Energy-drinks, Alkohol, Kaffee und Schwarz- oder Grüntee.
  • Eine beruhigende Wirkung haben altbewährte Hausmittel: Heiße Milch mit Honig, Baldrian- Hopfen- oder Melissentee, ein schönes Bad mit Lavendel-Zusatz. Die natürlichen Helfer sind gesünder und wirkungsvoller als chemische Schlafmittel.
  • Ebenfalls vermieden werden sollte ein schweres Abendessen. Wer mit vollem Magen zu Bett geht, erhöht sein Risiko auf Einschlaf-Schwierigkeiten. Lieber am Abend einen Griff in die Obstschale tätigen.
  • Raus an die frische Luft! Ein morgendlicher Spaziergang oder eine Runde Joggen bringt sofort den Kreislauf in Schwung. Wenn die Überwindung doch zu groß ist, reicht auch eine Wechseldusche mit heißem und kaltem Wasser.

Nicht alle Europäer müssen den Ostermontag dieses Jahr auf 23 Stunden reduzieren. Die Isländer zum Beispiel stellen nie ihre Uhren um. Das ganze Jahr über ticken ihre Zeiger nach der Koordinierten Weltzeit. Diese befindet sich eine Stunde hinter unserer Zeitzone. Weil Island kein Mitgliedsstaat der Europäischen Union ist, sind sie auch nicht zur Umstellung gezwungen.

Da es auf dem Inselstaat im Sommer nie richtig dunkel wird, würde sich diese Energiesparmaßnahme sowieso nicht lohnen. Dasselbe wünschen sich viele Deutsche auch. Es gibt bereits einige Gegenbewegungen, wie zum Beispiel die „Initiative zur Abschaffung der Sommerzeit“. Auf deren Internetseite werden Argumente und Negativfolgen gesammelt, die für eine Beendigung sprechen. Genannt werden unter anderem eine erhöhte Unfall-Statistik, Erschöpfung und Burnout bei Müttern und Abhängigkeit von Schlaf- und Beruhigungsmitteln.

Lange Abende im Biergarten

Das ursprüngliche Ziel, mit der Zeitumstellung Energie zu sparen, ist übrigens kaum spürbar erreicht worden. Denn Beleuchtung macht nur einen kleinen Teil unseres Stromverbrauchs aus. Durch die Einführung von energiesparenden Techniken wie LED-Lampen ist der Anteil sogar noch kleiner geworden.

Trotzdem gibt es auch Vorteile. Viele begrüßen die Gelegenheit, die warmen, hellen Sommerabende vollständig auszunutzen.

Bis spät abends im Biergarten oder auf der heimischen Terrasse sitzen, ein Besuch am nächstgelegenen See nach Feierabend. Wenn im Oktober dann auf die Winterzeit zurückgedreht wird, stellen wir uns automatisch auf den Herbst und die nahende Weihnachtszeit ein.

von Sofiya-Lisann Velte

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