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Zehn Tote bei zehn Verkehrsunfällen

Unfallstatistik 2012 Zehn Tote bei zehn Verkehrsunfällen

Im vergangenen Jahr starben zwei Fußgänger, zwei motorisierte Zweiradfahrer, vier Pkw- und zwei Lkw-Fahrer auf den Straßen im Kreis – in sieben Fällen soll zu hohe Geschwindigkeit der Grund gewesen sein.

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Bei diesem Unfall im Dezember 2012 auf der Bundesstraße 3 bei Josbach kam ein 56-jähriger Transporterfahrer aus Kassel ums Leben. Zudem wurde der Fahrer eines Lastwagens verletzt.

Quelle: Michael Rinde

Marburg. Sechs der tödlichen Verkehrsunfälle ereigneten sich außerhalb geschlossener Ortschaften. Drei Unfallopfer waren unter 24, zwei über 65 Jahre. Das teilt die Polizei Marburg-Biedenkopf in ihrer Unfallstatistik 2012 mit, die nun vorliegt.
4 224 polizeilich aufgenommene Verkehrsunfälle im Jahr 2012 bedeuten ein Unfallaufkommen, das sich knapp unter dem statistischen Mittelwert der letzten fünf Jahre (4 242) bewegt. Der geschätzte Sachschaden bewegt sich mit 11,2 Millionen Euro etwas unter dem Level des letzten Jahres.

Die Verkehrsunfallfluchten machen 26,4 Prozent aller Unfälle aus – mehr als jeder Vierte flüchtet also nach einem Unfall. Im Jahr 2012 gab es 1 114 Unfallfluchten. Bei 53 davon verunglückten Menschen, 66 insgesamt, von denen sieben schwerere und 59 leichtere Verletzungen erlitten. Die Aufklärungsquote lag bei insgesamt knapp unter 36 Prozent, bei den Unfällen mit schweren Folgen bei 43,39 Prozent.
Alle neun Stunden erlitt ein Mensch bei einem Unfall im Landkreis Verletzungen im zurückliegenden Jahr. 2012 ereigneten sich 730 Unfälle mit schweren Folgen, zehn davon endeten tödlich. Insgesamt erlitten 171 Menschen schwere und 804 leichtere Verletzungen.

Während sich die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle über die letzten Jahre gesehen relativ konstant verhielt, gingen die Zahlen für die Verkehrsunfälle mit Verletzten und auch die Anzahl der Verletzten kontinuierlich zurück. Gab es im Jahr 2001 noch 995 solcher Unfälle mit 1 401 Verletzten, so waren es 2012 noch 720 Unfälle mit 975 Verletzten.
Alle neun Stunden ereignete sich ein Wildunfall auf heimi­schen Straßen. Bei 968 Wildunfällen erlitten 15 Autofahrer
Verletzungen. Drei Menschen trugen schwere, 17 weitere leichte Verletzungen davon. Der Anteil der Wildunfälle an den Gesamtunfällen beträgt 22,9 Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2011 gab es eine Zunahme von 157 Wildunfällen. Diese Unfälle passieren vermehrt überall da, wo die Straßen durch den Wald führen. Die Unfallorte verteilen sich ohne erkennbaren Schwerpunkt über die gesamte Region.

Raser leben besonders gefährlich

Sechs Unfallursachen sind verantwortlich für 68,3 Prozent aller Unfälle, erklärt die Polizei in ihren Ausführungen zur Statistik. Herausragend sind dabei in der Reihenfolge Fehler beim
Abbiegen, Abstand und Geschwindigkeit, danach kommen Vorfahrt, Alkoholeinfluss und andere berauschende Mittel sowie Fehler beim Überholen.
Bei Unfällen mit Personenschäden steht die Ursache Geschwindigkeit deutlich vorne.
Es folgen der Abstand, Vorfahrt, Abbiegen und fast gleichauf das Überholen oder Fahren unter dem Einfluss berauschender Mittel.
Die Statistik führt deutlich vor Augen, dass die nicht an­gepasste Geschwindigkeit noch immer die Hauptunfallursache bei den schweren Verkehrsunfällen darstellt, stellt die Polizei heraus. Die Überwachung zulässiger Höchstgeschwindigkeiten insbesondere an Unfallhäufungsstellen und Gefahrenpunkten sei daher auch künftig ein Schwerpunkt in der Polizeiarbeit.

Der Bevölkerungsanteil der 18- bis 24-Jährigen liegt im Landkreis Marburg-Biedenkopf bei 10,3 Prozent. Diese 10,3 Prozent waren als Fahrer oder Mitfahrer an 28,15 Prozent und damit an 1 189 der 4 224 Unfälle beteiligt. (2011: 1 034 Beteiligte bei 4 205 Unfällen – 24,59 Prozent.) Damit verunglückte alle sieben Stunden ein 18- bis 24-Jähriger. Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass im Landkreis Marburg-Biedenkopf an mehr als jedem vierten Verkehrsunfall ein 18- bis 24-Jähriger als Fahrer oder Fahrzeuginsasse beteiligt war, teilt die Polizei mit. Dabei gab es bei einer gleich­bleibenden Zahl von 40 Schwerverletzten einen Toten weniger – und die Zahl der Leichtverletzten stieg von 188 auf 221.
Seit 2007 gibt es in Mittelhessen das Präventionsprogramm „Verkehrssicher in Mittelhessen“ mit seiner Aktion „Bob“. Die Polizei verweist auf eine Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen, die im vergangenen Jahr den Erfolg der Aktion wissenschaftlich bewiesen habe (Infos dazu unter www.aktion-bob.de in Internet). Der Erfolg von „Bob“ spiegelt sich der Polizei zufolge im Landkreis wider. Betrachtet man ausschließlich die Unfälle mit den 18- bis 24-Jährigen als Unfallverursacher und dabei deren Anteil der unter Alkohol- und/oder Drogeneinfluss stehenden Fahrer, dann sagt die Statistik: Während im Jahr 2006 noch 63 von insgesamt 774 Unfallverursachern im Alter zwischen 18 und 24 Jahren unter dem Einfluss von Alkohol und/oder Drogen standen, waren es im Jahr 2012 noch 22 von insgesamt 797.

„Rauschfahrer“: Anteil geht mit „Bob“-Aktion zurück

Die Beteiligung der 18- bis 24-Jährigen als tatsächliche Unfallverursacher bewegt sich im Landkreis seit Jahren mit leichten Schwankungen um den langjährigen Durchschnitt. Der Anteil der berauschten jungen Fahrer ging dabei seit der Einführung von „Bob“ ständig zurück. Auch die Gesamtzahl der auf Alkohol- oder Drogeneinfluss zurückzuführenden Unfälle ging insgesamt von 194 im Jahr 2006 auf 118 im Jahr 2012 zurück.
18,26 Prozent der Menschen im Landkreises Marburg-
Biedenkopf sind älter als 65 Jahre. Der Anteil der Senioren an den Gesamtunfällen beträgt 13,6 Prozent (Beteiligung an 575
Unfällen). Folgt man der demo­grafischen Entwicklung und aktuellen Prognosen, so erläutert die Polizei, werde die Zahl der über 65-Jährigen in den nächsten Jahren stetig ansteigen. Nach diesen Prognosen ist im Jahr 2050 in Hessen etwa
jeder Dritte älter als 65 Jahre. Wie in einer Unfallauswertung festgestellt wurde, stieg die Beteiligung der Senioren an Un­fällen bis heute in den letzten Jahren stetig an. Im Jahr 2012 erlitten 22 Senioren schwere und 66 leichte Verletzungen, zwei starben.

Ein Jahr zuvor starben vier Menschen. 20 erlitten schwere und 66 leichte Verletzungen bei 543 von 4 205 Unfällen. Die Beteiligung der über 65-Jährigen an den Gesamtunfällen stieg von 2011 nach 2012 von 12,9 auf 13,6 Prozent.
Setzt man die verursachten Verkehrsunfälle ins Verhältnis zu dem Fahrleistungsanteil der Senioren, ergibt sich, dass insbesondere die über 75-Jährigen die am zweitstärksten unfallbelastete Altersgruppe nach den 18- bis 24-Jährigen ist. Die Ursachen für die Unfälle waren vielfältig. Grund genug für die Polizei, ihre Verkehrspräventionsarbeit zur Verhinderung von Unfällen mit schweren Folgen zukünftig mit Angeboten zum Erhalt der größtmöglichen Mobilität auf die Generation 65 plus auszudehnen.
Daher gibt es beim Polizeipräsidium Mittelhessen seit Mai die Aktion „Max“, ein Verkehrspräventionsprogramm für Senioren. „Max“ steht für den Slogan der Kampagne, „Maximal mobil bleiben – mit Verantwortung“.

  • Nähere Informationen zu den Programmen gibt es im Internet unter www.verkehrssicher-in-mittelhessen.de
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