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Zahl der Fälle steigt auf elf an

Masern an der Waldorfschule Zahl der Fälle steigt auf elf an

Knapp drei Wochen ist es her, dass ein Elftklässler der Waldorfschule an Masern erkrankt war. Inzwischen haben sich die Masern über mehrere Klassen und Jahrgangsstufen ausgebreitet, so dass aktuell elf Schüler betroffen sind. Dies teilten der Landkreis Marburg-Biedenkopf als zuständige Gesundheitsbehörde und die Marburger Waldorfschule am Montag mit.

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Für alle Schüler und Lehrer, bei denen es so im Impfpass aussieht, ist seit Montag ist ein striktes Betretungsverbot der Waldorfschule in Kraft. Ab Dienstag gilt dies auch für Kinder und Erzieher des Waldorfkindergartens.

Quelle: Lukas Schulze/dpa

Marburg. Unter den neuen bestätigten Fällen sei auch ein Schüler der zweiten Klasse. Somit sind nicht mehr länger nur die Oberstufe (Klasse 9 bis 13) und die Mittelstufe (Klassen 5 bis 8), sondern auch die Unterstufe der Waldorfschule betroffen.

Der Zustand der Erkrankten sei stabil, teilte Dr. Martin Just vom Gesundheitsamt des Landkreises Marburg-Biedenkopf mit. In einem Fall sei eine stationäre Behandlung im Krankenhaus erforderlich gewesen.

„Wir werden die Ausbreitung nicht stoppen können“, so Just weiter. Die getroffenen Maßnahmen können nur auf mögliche Infektionskontakte innerhalb der Schule und des Schulalltags zielen. „Wir haben jedoch keinen Einfluss darauf, was die Betroffenen in ihrem privaten und persönlichen Umfeld tun.“

Just (Foto: Andreas Schmidt) und seine Kollegin Dr. Birgit Wollenberger gehen davon aus, dass es in den nächsten Wochen auch außerhalb der Waldorfschule zu Masernfällen kommen werde. Wollenberger appelliert an die Vernunft und Einsicht der Schüler und Eltern, die Empfehlungen des Gesundheitsamtes zu beachten.

Doch reicht das aus, um weiteren Maserninfektionen entgegenzuwirken? Erst im Februar wurde in Mengsberg-Momberg eine Grundschule aus ganz anderen Gründen vorübergehend geschlossen, nämlich nachdem es dort drei Fälle vom sogenannten „Katzenpilz“ gegeben hatte (die OP berichtete).

Sind die hochansteckenden und unter Umständen lebensgefährlich werdenden Masern nicht auch ein Grund, die Waldorfschule vorübergehend zu schließen? „Nein“, sagt Wollenberger und erklärt, dass es an der Waldorfschule im Gegensatz zu der Grundschule in Mengsberg geimpfte Schüler gebe, für die keinerlei Gefahr bestehe.

Das Gesundheitsamt habe stets die Verhältnismäßigkeit abgewogen und entschieden, was im einzelnen Fall die beste Maßnahme sei, um die Schulgemeinschaft zu schützen. „Als klar war, dass die Masern sich auf die Oberstufe der Waldorfschule ausweiten, haben wir den Oberstufenschülern, die nicht geimpft waren, sofort Betretungsverbot erteilt. Nun sind auch Mittel- und Unterstufe davon betroffen.“

Betretungsverbot gilt ab Dienstag auch im Kindergarten

Seit Montag gilt das Betretungsverbot für alle Schüler, Lehrer und Bedienstete der Schule, die nicht sicher gegen Masern geschützt sind (siehe Hintergrund). Das Verbot beschränkte sich bisher nur auf die betroffenen Stufen und wurde für alle anderen Schüler als Empfehlung ausgesprochen.

Martin Jennemann (Foto: Korte), Mitglied der Schulleitung der Marburger Waldorfschule erklärte, dass das gleiche Verbot ab Dienstag auch für die Kinder und Mitarbeiter des angrenzenden Kindergartens gelte. Er betonte noch einmal, dass Impfschutz „keine pädagogische Sache“ sei, sondern die Eltern individuell zu entscheiden haben, ob sie ihre Kinder impfen lassen oder nicht.

Die Immunitätsrate der Schüler wird derzeit noch ausgewertet. Die bisherigen Auswertungen der Klassen 10 bis 12 ergeben aber jetzt schon, dass im Durchschnitt 27 Prozent der Schüler nicht ausreichend geimpft sind.

„Wann der aktuelle Ausbruch zum Stillstand kommt, können wir nicht voraussagen“, so Just weiter. Aus medizinischer Sicht gilt ein Masern-Ausbruch erst dann als beendet, wenn nach einer Frist von 28 Tagen kein weiterer Erkrankungsfall auftritt.

Sollte die Zahl der Masern-Fälle weiter steigen, werde das Gesundheitsamt weiterhin alle möglichen Kontaktpersonen von Erkrankten ermitteln und weitere Schutzmaßnahmen anordnen.

von Ruth Korte

 
Hintergrund
Immun gegen Masern ist, wer eine zweifache Schutzimpfung erhalten oder in der Vergangenheit bereits eine Masernerkrankung durchgemacht hat. Bei Kontakt mit einer infizierten Person sollte man sich innerhalb von drei Tagen impfen lassen. Schwangeren und Kindern, die unter einem Jahr alt und noch nicht ausreichend immunisiert sind, rät das Gesundheitsamt, sich, falls sie Kontakt zu einer an Masern erkrankten Person gehabt haben sollen, an ihren Arzt zu wenden.
 
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Die Zahl der Masernerkrankungen an der Waldorfschule hat sich von vier auf acht verdoppelt. Dies bestätigte Kreissprecher Stephan Schienbein am Freitagvormittag gegenüber der OP.

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