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Zahl der Exoten im Tierheim wächst

Tierheim-Mitarbeiter Zahl der Exoten im Tierheim wächst

Ein bisschen ist sie eine Art „Hundeflüsterin“ - Stefanie Hecklinger ist im Marburger Tierheim für die Hunde zuständig und weiß genau, wie sie mit den teilweise aggressiven oder ängstlichen Tieren umgehen muss.

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Die Bartagame Frieda gehört zu den Kleintieren, um die sich Stefanie Hecklinger im Tierheim Cappel kümmert. Foto: Heike Döhn

Cappel. Eigentlich ist die 26-Jährige gelernte Tierarzthelferin, aber diese Ausbildung war nur zweite Wahl - sie wollte immer ins Tierheim. Seit zwei Jahren ist sie nun da, wo sie immer hinwollte und hat sich intensiv in das Thema Verhaltenstherapie eingearbeitet.

Das ist auch notwendig, denn viele Hunde, die im Tierheim landen, haben einiges hinter sich oder sind nie wirklich erzogen worden. Deshalb unternimmt sie die ersten Gassi-Gänge persönlich mit den Tieren, um sie einschätzen zu können. Mancher Hund ist nicht vermittelbar, bis er die Grundzüge des Umgangs mit dem Menschen und anderen Hunden gelernt hat. Dabei helfen auch die ehrenamtlichen „Gassigeher“, die mit den Tieren spazierengehen und sich mit ihnen beschäftigen.

Von Sorgenkindern und Problemfällen

„Wenn so ein Tier, dass vielleicht aggressiv oder total ängstlich war, vermittelt werden kann, dann freut man sich ganz besonders“, sagt die junge Frau. Zwei Sorgenkinder hat sie selbst aufgenommen: Die Border-Collie-Hündin Lise, die wegen Überforderung abgegeben wurde, die immer wieder zubiss und mehrfach von neuen Besitzern zurückgebracht wurde, weil keiner mit ihr zurechtkam. Lise lebt jetzt bei Stefanie Hecklinger und wenn man sieht, wie sie ihrem Frauchen aufs Wort gehorcht, kann man ihre Vorgeschichte kaum glauben.

Auch Schäferhund-Husky-Mix Sam ist ein Problemfall. Der zehnjährige Rüde hat auch schon einmal zugebissen, ist seither als „gefährlicher Hund“ eingestuft und kostet deshalb 800 Euro Steuern im Jahr - für viele ein Grund, ihn nicht zu wollen. Der auf einem Auge blinde Hund darf jeden Abend mit zu Stefanie Hecklinger nach Hause, um dem Tierheim-Stress mal eine Zeit lang zu entgehen. Doch auch wenn sie an ihm hängt, würde sie sich trotzdem über eine Vermittlung freuen: „Die Tage im Tierheim sind für Sam einfach zu anstrengend, er bräuchte ein ruhiges Zuhause.“

Manche Geschichten lassen die Tierfreundin nur schwer wieder los, wie die des Schäferhunds, der mit einem handballgroßen Tumor abgegeben wurde. „Da fragt man sich, wie es ein Mensch bei einem Tier so weit kommen lassen kann.“

„Vor Weihnachten vermitteln wir nicht“

Doch auch wenn die Tierheim-Mitarbeiterin sich über jeden Hund freut, der vermittelt wird, so gibt sie doch keinen spontan mit: „Ich muss jeden Interessenten selber testen.“ Wenn sie den Eindruck gewinne, dass es im Grunde egal ist, welchen Hund man mitnimmt, dann vermittelt sie lieber nicht. „Man sagt das dann durch die Blume, dass gerade kein passendes Tier da ist zum Beispiel.“

Auf der anderen Seite freut sie sich sehr, wenn die neuen Herrchen und Frauchen ihr Fotos vom neuen Zuhause ihrer ehemaligen Schützlinge schicken. Und sie macht sich auch schon mal an Ort und Stelle ein Bild von den neuen Lebensumständen der Vierbeiner.

Auch für die Kleintiere ist Stefanie Hecklinger zuständig, und auch die gibt sie nicht immer heraus: „Vor Weihnachten vermitteln wir grundsätzlich nicht“ - damit der Hase, der unter dem Weihnachtsbaum sitzt, nicht drei Wochen später zurückgebracht wird. „Die Menschen unterschätzen den Pflegeaufwand bei Kleintieren, informieren sich nicht richtig“, sagt Hecklinger. Und so landen Kaninchen, Meerschweinchen, Mäuse und zunehmend auch Exoten wie Schildkröten oder Echsen im Tierheim. Und einmal sogar ein Königspython, der im Wald gefunden wurde und den die Polizei vorbeibrachte. Der lebt jetzt beim Bruder einer anderen Tierpflegerin.

Viel Zeit neben dem Job hat Stefanie Hecklinger nicht, „das hier ist Hobby und Berufung zugleich“. Aber etwas anderes zu machen, das kann sie sich nicht vorstellen.

von Heike Döhn

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