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Würge-Attacke auf Krankenschwester

Kriminalität Würge-Attacke auf Krankenschwester

Eine 24-jährige Marburgerin ist Opfer eines Gewaltverbrechens geworden: Sie wurde in einer Klinik gewürgt, entkam dem Tod offenbar nur knapp. Am Dienstag war Prozessauftakt gegen die 25-Jährige mutmaßliche Täterin.

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Marburg. Der Schal als Waffe: Eine 25-Jährige muss sich wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht verantworten. Im November 2012 soll sie versucht haben, eine 24-jährige Krankenschwester zu erwürgen. Das Opfer entkam dem Tod offenbar nur knapp.

Tatort Vitos-Klinik in der Cappeler Straße: In der Küche bereitet die 24-Jährige Ramona B. das Frühstück für die Patienten vor. Von hinten nähert sich nach Schilderung der Staatsanwältin die als psychisch instabil geltende Jessica F., zwirbelt ihren Schal zusammen, spannt diesen und legt der Krankenschwester das Tuch um den Hals. Reflexartig greift sich das Opfer an den Hals, versucht sich zu befreien, tritt mit dem Fuß aus, trifft nicht - 20, 30 Sekunden, bis ihr schwarz vor Augen und sie beinahe ohnmächtig wird. Ein Kollege, der nebenan im Speisesaal die Tische deckt, sieht eine halbe Minute später die Attacke, eilt zur Hilfe und rettet die junge Frau aus dem Würgegriff.

Mit aller Kraft gewehrt

„Ich musste alle meine Kraft aufbringen, um die Angreiferin von ihr zu reißen“, sagt der 37-Jährige Angestellte während des gestrigen Prozessauftakts. Er habe sekundenlang mit der Angreiferin gekämpft, bis diese vom Hals des Opfers abließ. Wie nah die 24-jährige Krankenschwester dem Tod war, realisierte sie vor Gericht abermals: Als sie die Tatwaffe, einen rot-schwarzen Schal sah, kamen ihr die Tränen. „Zu Frau F. hatte ich vorher kaum Kontakt. Als ich einmal mit Kollegen bei ihr im Zimmer war, beleidigte sie alle, mich etwa als blonde Nazibraut“, sagt die Geschädigte. Die Schimpf-Tiraden bestätigen andere Klinikangestellte: „Ihr alle müsst beseitigt werden, ihr werdet sterben. So etwas sagte sie immer wieder“, erinnert sich eine Vitos-Angestellte.

Die Beschuldigte gestand die Vorwürfe weitgehend, entschuldigte sich bei ihrem Opfer. Aber: „Ich erinnere mich nicht, sie gewürgt zu haben. Als ich den Schal in die Hand nahm, setzt bei mir alle Erinnerung aus“, sagt sie. Ein möglicher Auslöser: die dauerhafte Fixierung am Bett in der Klinik - wohl angeordnet, weil sie für sich und andere gefährlich wurde.

Die unter einer Art Autismus leidende Frau ist nach eigenen Angaben und von Aussagen ihrer Pflegefamilie sowie Betreuern in der Vergangenheit bereits häufiger gewalttätig geworden. Sie griff etwa Sanitäter und Mitbewohner an. Eine Psychologin bestätigt die psychische Krankheit: „Mal ist sie völlig klar, kann alles einschätzen. Dann setzt alles aus.“ Am 9. Juli um 9 Uhr wird der Prozess fortgesetzt.

von Björn Wisker

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