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Würdigung für einen streitbaren Ökonomen

Wilhelm Röpke Würdigung für einen streitbaren Ökonomen

Der 50. Todestag des Volkswirtschaftlers Wilhelm Röpke bietet den Anlass, an der Uni Marburg an den ehemaligen Marburger Professor zu ­ erinnern.

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Professor Eckart Conze präsentiert das Plakat zur Ausstellung mit dem doppelten Porträtbild von Wilhelm Röpke.

Quelle: Manfred Hitzeroth

Marburg. Wilhelm Röpke (1899-1966), Wirtschaftsprofessor an der Philipps-Universität Marburg, gehörte zu den einflussreichsten Ökonomen und Publizisten im Nachkriegsdeutschland. Als Berater von Konrad Adenauer und Ludwig Erhard flossen seine wirtschafts- und gesellschaftsliberalen Ideen auch in das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft ein. Am 12. Februar dieses Jahres jährt sich zum 50. Mal der Todestag des Ökonomen.

„Er war eng mit der Universität verbunden und ist eine wichtige Figur der Universitätsgeschichte“, erläutert der Marburger Historiker Professor Eckart Conze. Wilhelm Röpke studierte zwischen 1919 und 1921 an der Philipps-Universität Marburg. Dort wurde er promoviert und 1922 habilitiert. Nach Stationen in Jena, Graz und den USA folgte Röpke 1929 als 30-Jähriger einem Ruf auf den Lehrstuhl für Politische Ökonomie in Marburg.

„Bereits vor 1933 warnte er vor dem Nationalsozialismus und dem damit verbundenen Antisemitismus“, erläutert Professor Conze. Eine Rede Röpkes am Grab seines Förderers Professor Walter Troeltsch am 8. Februar 1933 – wenige Tage nach der nationalsozialistischen Machtergreifung – brachte dann das Faß zum Überlaufen. Darin bezog Röpke explizit Stellung gegen die neuen Machthaber in Deutschland.

Flucht nach Istanbul

„Seine Gegner in der Universität und in den nationalsozialistischen Organisationen haben schnell interveniert“, macht Conze deutlich. Wenige Wochen nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Röpke von seinem Amt als Professor beurlaubt. Zusammen mit ihm traf es nur wenige andere Wissenschaftler der Universität Marburg wie den Sprachwissenschaftler Hermann Jacobsohn, der zwei Tage danach Selbstmord beging.

Röpke aber floh mit seiner Familie kurze Zeit später ins Exil – zunächst nach Istanbul, später nach Genf. Wilhelm Röpke blieb auch nach dem Krieg und bis zu seinem Tod im Jahr 1966 in der Schweiz im Exil. „Der Ökonom und politische Mensch Röpke war in den Nachkriegsjahrzehnten ein international respektierter Wissenschaftler und politischer Berater“, berichtet der Marburger Historiker.

Im Jahr 1974 gab es übrigens eine späte Würdigung für den engagierten Wissenschaftler: Der Krummbogen wurde rund um die Ende der 60er Jahre fertiggestellten Uni-Hochhäuser in Wilhelm-Röpke-Straße umbenannt. Die Anregung dazu war aus der Hochschule gekommen, das Stadtparlament hatte dann die Entscheidung getroffen.

Aus Anlass des 50. Todestags von Röpke gibt es zwei Veranstaltungen der Marburger Universität: eine Ausstellung und eine Vortragsveranstaltung. Die Idee dazu hatten Conze und der Sozial- und Wirtschaftshistoriker Professor Ulrich Kleinschmidt.

 
  • Die von Studierenden des Marburger Fachbereichs Geschichte konzipierte Ausstellung „Wilhelm Röpke – Wissenschaftler und Homo politicus zwischen Marburg, Exil und Nachkriegszeit“ gibt dem wissenschaftlichen und intellektuellen Schaffen Röpkes Raum. Die Ausstellung wird am Donnerstag 19 Uhr, im Kanada-Saal der Zentralen Universitätsbibliothek, Wilhelm-Röpke-Straße 4, mit einem Vortrag von Professor Helge Peukert (Universität Erfurt) eröffnet. Sie wird bis zum 16. Mai jeweils von Montag bis Sonntag, 8 bis 24 Uhr zu sehen sein.
 
  • Das Marburger Centre for Institutional Economics (MACIE) des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften ehrt Röpke am Freitag, 12. Februar, ab 17 Uhr, im Kanada-Saal der Zentralen Universitätsbibliothek, Wilhelm-Röpke-Straße 4, mit einer Vortragsveranstaltung. Professor Nils Goldschmidt (Universität Siegen), Professor Wolfgang Kerber und Professorin Elisabeth Schulte (beide Philipps-Universität Marburg) würdigen vorwiegend Röpke als Wirtschaftswissenschaftler. Beide Veranstaltungen werden von der Doris-und-Dr.-Michael-Hagemann-Stiftung sowie der Marburger Gesellschaft für Ordnungsfragen der Wirtschaft unterstützt und vom Wilhelm-Röpke-Institut mitgestaltet.

von Manfred Hitzeroth

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