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Wünsche und Sehnsucht unterm Kreuz

Tabor Wünsche und Sehnsucht unterm Kreuz

In einer Feierstunde hat die Studien- und Lebensgemeinschaft Tabor gestern an die Kreuzigung Jesu erinnert. Rund 1 000 Besucher haben sich auf eine gedankliche Reise in das römische Jerusalem eingelassen.

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Rund 1.000 menschen kamen am Karfreitag zur Feierstunde in die Stadthalle.

Quelle: Foto: Nadine Weigel

Marburg. Bereits seit 1923 laden die Mitglieder von Tabor zu der öffentlichen Feierstunde an Karfreitag ein. Was vor fast 90 Jahren bereits mit rund 800 Besuchern in den damaligen Stadtsälen begann, zieht heute alljährlich etwa 1 000 Gäste in die Stadthalle, wo gemeinsam gesungen und gebetet wird. „Heute ist diese Veranstaltung ein Markenzeichen Tabors“, sagte Jens Frisch von der Studien- und Lebensgemeinschaft, die am Ortenberg ihren Sitz hat.

Harry Wollmann, Direktor von Tabor, ging bei der Begrüßung auf die Diskussion um Karfreitag ein: „Es war interessant, die Argumentationen zu verfolgen, was man an so einem Tag alles machen könnte.“ Daher freue er sich über diejenigen, die ihre Zeit bei der Feier verbringen. Das Programm der Feierstunde stehe im Zeichen der Evangelien: „Gott hat mit den Evangelien nicht nur Geschichte geschrieben, er schreibt heute noch mit ihnen Geschichte in unserem Leben.“
Die Lesungen, die Jens Frisch vortrug, stammten aus dem Evangelium des Johannes und schilderten, wie die jüdischen Priester die Kreuzigung von Jesus verlangten, wie die römischen Soldaten die Kleider von Gottes Sohn aufteilten und wie Jesus Essig aus einem Schwamm trank und schließlich am Kreuz starb. Martin Kliem am Flügel und Katharina Haselhorst mit Violine rahmten die Lesungen unter anderem mit dem melancholischen Kol Nidrei Opus 47 von Max Bruch ein.

Schauspielerisch setzten Sabine Zöllner und Georg Grohmann Aspekte der Geschehnisse an Karfreitag als Monolog unter dem Kreuz um. Während die Frau durch Jesus vor dem Tod bewahrt wurde, verlachte der Soldat den Glauben an einen liebenden Gott und betonte, dass er bei der Kreuzigung nur seinen Befehlen gefolgt sei. „Vielleicht haben Sie in einem dieser beiden verschiedenen Menschen sich selbst gesehen“, sagte Pfarrerin Steffi Baltes zu den Besuchern. Auf der einen Seite eine Frau mit Wünschen, Sehnsüchten und Fehlern, die ihr durch Jesus verziehen wurden.

Auf der anderen Seite ein starker, kampferprobter Soldat, der nicht an einen liebenden Gott glauben kann, weil er sich seine eigene Schwäche nicht eingestehen will. „Es ist schwer, das Opfer Jesu anzunehmen, denn dazu müssen wir zugeben, dass wir Vergebung brauchen und unsere Schwächen und inneren Abgründe eingestehen.“

von Patricia Kutsch

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