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"Wollen nicht, dass Feier überschattet wird"

Kritik an Imam-Einladung "Wollen nicht, dass Feier überschattet wird"

Fast 300 Besucher feierten am Samstag mit der Islamischen Gemeinde Marburg „60 Jahre Muslime in Marburg und 30 Jahre Moschee“. Wer nicht kam, war der angekündigte Redner Sheikh Taha Amer.

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Der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Dr. Bilal El-Zayat (links) begrüßte Uni-Kanzler Dr. Friedrich Nonne.Foto: Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Zahlreiche Ehrengäste begrüßte der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Marburg, Dr. Bilal El-Zayat, im Audimax der Uni. Die Begrüßungen und Rückblicke waren länger als geplant, sodass der eigentliche Gastredner, der Journalist Ulrich Kienzle, später als angekündigt sprach.

Jubiläumsfeier 60 Jahre Marburger Muslime und 30 Jahre Marburger Moschee im Audimax. Foto: Thorsten Richter (thr)

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Das Programm war ohnehin geändert worden, weil Sheikh Taha Amer, vom Rat der islamischen Gelehrten in Deutschland, sein Kommen abgesagt hatte. Er sollte zur „Rolle der Moschee in der deutschen Gesellschaft“ sprechen. El-Zayat erklärte am Samstag im OP-Gespräch, dass die Universität als Hausherr Nachfragen gestellt habe. Denn der hessische Verfassungsschutz ordnet den Rat der extremistischen Muslimbrüderschaft zu. „Wir wussten nicht, dass er vom Verfassungsschutz erwähnt wird“, so El-Zayat. Aufgrund der Nachfragen habe Sheikh Taha Amer von sich aus sein Kommen abgesagt. „Wir hätten ihn nicht ausgeladen. Er ist anerkannt, wir haben ihn schön öfter gehört. Aber er und wir wollen nicht, dass die Feier überschattet wird von einem anderen Thema“, so El-Zayat. Man wolle ungetrübt feiern. „Die Uni hat das Recht, uns zu leiten“, ergänzte er. Zuvor hatte die Universität sich distanziert von der Aussage der Islamischen Gemeinde, Unterstützer des Festes zu sein. Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne habe mit der Gemeinde gesprochen, das Ganze sei ausgeräumt worden. Nonne vertrat als Ehrengast die Universität.

Bundesinnenministerium stellt Förderung klar da

Die Veranstalter hatten das Logo der Uni auf der Einladung abgedruckt und auch das Bundesinnenministerium als Unterstützer der Veranstaltung aufgeführt. Das Ministerium gebe Fördermittel über das Projekt Mosaik-Steine an die Gemeinde, damit sei der Druck der Flyer mitfinanziert worden, erklärte El-Zayat auf Anfrage der OP.

Die OP fragte beim Bundesinnenministerium (BMI) nach. Ministeriumssprecher Dr. Johannes Dimroth erklärte am Sonntag: „Die Islamische Gemeinschaft Marburg wurde über die Stadt Marburg als Zuwendungsempfänger von Projektmitteln des Bundesinnenministeriums in Höhe von 150 bis 180 Euro für den Druck des Flyers gefördert.“ Der Zuwendungsempfänger habe eine Erlaubnis zur Druckfreigabe des Flyers mit Förderlogo des BMI vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) eingeholt und diese auch erhalten. „Erkenntnisse zu einem extremistischen Hintergrund bei der IG-Marburg als dem Veranstalter der Jubiläumsfeier waren dem BAMF nicht bekannt.“

Die Initiative zur Förderung gehe auf einen Antrag der Stadt Marburg zurück, die im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens für das Projekt „Mosaiksteine“ Projektförderung erhielt. Dabei „war das Gesamtprojekt Gegenstand der Förderung/Förderentscheidung, nicht solche Einzelmaßnahmen wie die jetzt in Rede stehende Unterstützung des Druckes der Flyer für die Veranstaltung der IG-Marburg in Höhe von maximal 180 Euro durch den Projektträger (die Stadt Marburg) im Rahmen des Projekts.“

Die Kritik an dem ursprünglichen Programm konnte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) nicht teilen. Er erklärte: „In dieser Stadt werden Menschen nicht an Spekulationen, Verdächtigungen und Verschwörungstheorien, sondern an ihren Worten und Taten gemessen.“ Weiter sagte er: „Wir in Marburg kennen unsere islamische Gemeinde.“ Man wisse von der fundamentalen Bedeutung, die die Gemeinde für das friedliche und respektvolle Zusammenleben leiste. „Wir verwahren uns gegen Unterstellungen gegenüber unseren Bürgern“, sagte Spies.

„Alle Deutschen sind Angehörige unserer Gesellschaft, ganz egal, an was sie glauben oder nicht“, sagte er und bekam dafür Applaus. „Ich persönlich mag das Wort Integration nicht. Es wird verstanden als Anpassung.“ Man müsse stattdessen „gemeinsam weitergehen“. „Kulturelle Anpassung kann nicht erwünscht sein. Sie ist eher störend.“

von Anna Ntemiris

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