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„Wollen erfolgreiche Koalition fortsetzen“

Interviews zur Stadtparlaments-Wahl (4) „Wollen erfolgreiche Koalition fortsetzen“

Die OP sprach vor der Kommunalwahl mit der Ärztin Dr. Elke Neuwohner, der Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen fürs Stadtparlament.

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Grünen-Spitzenkandidatin Dr. Elke Neuwohner im OP-Interview zur Seilbahn-Debatte: „Die beste Lösung muss her.“

Quelle: Ruth Korte

OP : Die Errichtung einer Windkraftanlage auf den Lahnbergen ist nicht nur gescheitert, sondern hat eine klare Ablehnung der Windkraft in der Bevölkerung zutage gebracht. Wie gehen Sie damit um?

Dr. Elke Neuwohner , Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen:. Die Windkraft war ursprünglich positiv besetzt und ist es noch. Die Zustimmung in der Bevölkerung zu dem Ziel, aus der Atomkraft in Deutschland auszusteigen, ist riesengroß und vielen ist klar, dass die Energiewende nur mit der Windkraft zu erreichen ist. Sie hat das größte Potenzial unter den regenerativen Energieformen.

Schwierig wird es dann, wenn die Windkraft in die Nähe rückt. Da müssen wir für Akzeptanz werben. Das Verfahren ist in Marburg nicht gut gelaufen. Es gab ein gefühltes Informationsdefizit nach den Informationsveranstaltungen, und in diesem Kontext ist es dann leicht, Stimmung gegen die Windkraft zu machen. Wir haben unterschätzt, wie schwierig es ist, eine allgemeine Stimmung pro Windkraft in das Vorhaben am Lichten Küppel umzusetzen. Wir wollten ja 12 Windräder installieren.

Bei der konkreten Umsetzung haben SPD und Linke vor der Diskussion mit den Bürgerinnen und Bürgern gekniffen. Der Konflikt bleibt aber: Wir wollen die Energiewende, und wir wollen den Naturschutz. Das ist ein urgrüner Zielkonflikt, aber wir wollen beides in Einklang bringen. Und mit dem Teilregionalplan Energie Mittelhessen gibt es ein solches Konzept, das beide Belange unter einen Hut bringt. Diese Flächen sind weiterhin vorhanden. Wenn eine Vereinbarung von Windkraft und Naturschutz an diesen Standorten möglich sein sollte, wollen wir unseren Beitrag zur Energiewende erfüllen.. Wir wollen Windkraft in öffentlicher Trägerschaft und mit möglichst großer Bürgerbeteiligung.

„Seilbahn ist kein Selbstzweck“

OP : Mindestens ebenso kontrovers wird die Seilbahn diskutiert. Die will außer Ihnen doch keiner ...

Neuwohner : Die Seilbahn ist das Mittel, Lahnberge und Lahntal zu verbinden und kein Selbstzweck. Alle anderen Fraktionen haben bisher gesagt, dass sie die Anbindung mit Schnellbussen schaffen wollen. Jetzt hat Norbert Schüren erstmals angedeutet, dass es doch schwierig sein könnte. Ich glaube, die Lösung für die Verbindung der beiden Standorte wird nicht auf der Straße liegen, sie hängt eher am Seil oder ist auf der Schiene.

Unser Vorschlag ist die Seilbahn, aber wir haben kein Problem, die Lösung Seilbahn und die Lösung Schiene miteinander zu vergleichen. Die beste Lösung muss her. Es macht keinen Sinn, eine Lösung durchzuboxen, die in der breiten Bevölkerung nicht gewollt wird. Aber wir brauchen eine Lösung für dieses Problem, und ich warte noch auf die Vorschläge der anderen Parteien.

OP : Wo sollen neue Wohnungen für Marburg entstehen?

Neuwohner : Die Innenstadtlage ist einfach total attraktiv, und das wird so bleiben. Aber es gibt eben nicht mehr viele Baulücken in der Innenstadt. Wir hatten lange die Devise: „Wir wollen Wohnbebauung verdichten.“ Dieser Gedanke stößt langsam an seine Grenze. Wir müssen auch in den Außenstadtteilen bauen. Dort muss es aber bei der Priorität „Innenentwicklung geht vor Außenentwicklung“ bleiben.

OP : Sie hatten vor fünf Jahren, unmittelbar nach Fukushima, starke Zugewinne, die sie nun verteidigen wollen. Was ist ihr Wahlziel?

Neuwohner : Ich würde das nicht in Zahlen bemessen. Tatsächlich ist es so, dass wir damals davon profitiert haben, dass wir Umweltthemen in den Mittelpunkt gerückt haben. Wir werden weiter für den Gedanken werben, dass wir unsere Erde nur geborgt haben und deswegen etwas unternehmen müssen, auch vor Ort. Wir haben uns dazu bekannt, dass wir unsere erfolgreiche Koalition fortsetzen. Teile der SPD kokettieren mit der CDU, weil es mit der einfacher wäre, bestimmte unbequeme Dinge nicht mit der Bevölkerung zu diskutieren, Verkehrsfragen zum Beispiel. Wer eine große Koalition nicht will, sollte deswegen Grün wählen.

von Till Conrad

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