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Wohnheim-Brand: Politik attackiert Versicherung

Immobilien Wohnheim-Brand: Politik attackiert Versicherung

Der Verfall des bei einem Brand vor zwei Jahren beschädigten Studentenwohnheims "Am Richtsberg 88" beschäftigt die Kommunalpolitik. Im Zentrum der Kritik: der Immobilien-Versicherer.

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Das ehemalige Studentenwohnheim „Am Richtsberg 88“ steht leer und verfällt. Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. In einem Antrag an das Stadtparlament kritisieren SPD und Piratenpartei, dass es bis heute „keine erkennbaren Aktivitäten“ seitens der Versicherung gegeben habe, die „Hoffnung auf eine erneute Nutzung der dringend benötigten Räume hätte wecken können“. Auch nach zwei Jahren seien weder eine Sanierung noch ein Neubau in Aussicht. „Für einen Skandal halte ich das. Von dieser Hinhalterei haben wir nichts, hier geht es um 110 fehlende Wohnungen! Jede Lücke wird zugebaut, bis zur Grenze der Verträglichkeit wie etwa am Unteren Richtsberg. Wenn man sieht, welcher Wirbel sonst in der Stadt um nur 30 Wohnungen gemacht wird, erkennt man, wie wichtig dieses Haus für die Wohnsituation in ganz Marburg ist“, sagt Erika Lotz-Halilovic (SPD), Ortsvorsteherin.

Auch für die Kommune seien im Laufe der Zeit „erhebliche Kosten entstanden“, die nicht kompensiert worden seien, heißt es in dem Antrag: Durch die Bereitstellung von Not- und Ausweichunterkünften, der Verpflegung der Brandstiftungs-Opfer sowie durch Investitionen in Alternativ-Wohnungen.

Man habe sich in „vorbildlicher Geduld“ geübt, das Geschehene als „Unglück weggesteckt“, sagt Dr. Michael Weber (Piraten). Doch mittlerweile gibt es nach OP-Informationen vermehrt Vandalismus am und im Haus, Unbekannte brechen ein, feiern dort Partys. „Wir sind nicht gewillt, uns an der Nase herumführen zu lassen“, sagt Weber. Sollte die Allianz-Versicherung auch weiterhin nichts im Sinne der Schadensregulierung unternehmen, sollen laut Antrag Gerichte eingeschaltet werden - eine Entscheidung zur Reaktivierung oder Neubau solle noch im Laufe des Jahres gefällt werden. „Niemand kann uns weismachen, es sei in einem Zeitrahmen von zwei Jahren nicht möglich zu entscheiden, welcher Schritt günstiger ist“, sagt Weber.

„Das Hochhaus verfällt, weit mehr als 200 Menschen könnten in den Wohnungen leben, es tut sich aber nichts“, sagt auch Bernd Hannemann (Linke) aus dem Ortsbeirat Richtsberg. Die Opfer der Brandstiftung - Ex-Bewohner, versichertes Studentenwerk, aber auch alle Wohnungssuchenden - würden „im Regen stehen gelassen“ und angesichts der Verdichtung beispielsweise durch die im Bau befindlichen GWH-Apartments sei die Sanierungs-Verzögerung nun für den ganzen Stadtteil ein „Missstand“. Anlässlich des zweiten Jahrestages des Hochhausbrands organisiert er mit seiner Gremiumskollegin Christel Gabrian-Zimmermann eine Mahnwache vor dem ehemaligen Studentenwohnheim. „Wir fordern, endlich darauf hinzuwirken, die dringend benötigten Wohnungen schnellstmöglich wieder ausländischen oder Studierenden mit Familie zur Verfügung zu stellen.“

In den vergangenen Tagen kamen vielen Richtberg-Bewohnern die Erinnerungen an das Feuer-Drama im Studentenwohnheim zurück, weil es - wie vor zwei Jahren Am Richtsberg - einen Kellerbrand in der nahegelegenen Sudetenstraße gab.

Der Brand 2014, bei dem 280 Bewohner ihre Wohnungen verloren, verursachte den größten Rettungseinsatz in der Geschichte der Universitätsstadt. Bis heute wurde der Brandstifter nicht gefasst - und das ist offenbar ein Grund für die Versicherung, den Schaden für das Studentenwerk nicht zu regulieren.

Die Hoffnung der Richtsberger ruht nun auch auf den heimischen Landtagsabgeordneten, die zwar von Lotz-Halilovic informiert wurden, bisher aber zum Thema schweigen.

Termin: Mahnwache: Samstag, 25. Juni, (12 Uhr) vor dem Haus „Am Richtsberg 88“

von Björn Wisker

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