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Wohlfühlen im Bikini ohne Magerwahn

OP-Serie: „Körperkulte“ Wohlfühlen im Bikini ohne Magerwahn

Spätestens wenn das Thermometer über 30 Grad klettert, wird Haut 
gezeigt. Und nach den 
Regeln des angesagten Schönheitsideals hat die, samt Körper, einige optische Ansprüche zu erfüllen – vor allem bei Frauen.

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Den immer mehr zunehmenden Körperwahn können Linda Hoven 
(von links), Johanna 
Noll und Mareike Lanz nicht nachvollziehen.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Schlank, straff, jugendlich und auffallend proportioniert sind nur einige Ideale, nach denen gerade junge Frauen streben – erst recht im Sommer, der Zeit von Bikini, Strandausflug und nackter Haut. Denn dort wird die harte 
Arbeit rund um den gestählten Körper präsentiert, ist den kritischen Augen der Allgemeinheit ausgesetzt. Für eine positive Wahrnehmung von außen, das beste Porträt im Netz, die perfekte Bikinifigur des neuen Vorbilds gehen so einige Menschen aufs Ganze, bis hin zum gesundheitsschädlichen Verlust der Realität.

Den schon fast an die Grenzen des Machbaren gehenden Körperwahn, wie er sich vornehmlich im Internet gerne äußert, können Linda Hoven, Johanna 
Noll und Mareike Lanz nicht nachvollziehen. Die drei langjährigen Freundinnen aus Rosenthal aalen sich gerne am See in Niederweimar in der Sonne – dort liegen sie entspannt im Bikini, fast so entspannt ist die Einstellung der drei 20-Jährigen zu ihrem Körper. Auch ihnen ist ihr Aussehen wichtig, wie wohl jeder jungen Frau. Dem Wahn rund um Idealmaß und vermeintlicher Perfektion um jeden Preis verfallen – darüber können sie nur herzhaft 
lachen.

„Körper ist immer Thema bei uns, doch ich werde sicher nicht auf alles verzichten, da habe ich lieber Spaß am 


Leben“, erklärt Linda. Kleinere 
Makel oder ein paar Gramm mehr auf der Hüfte sind ihnen halbwegs schnuppe, „jeder hat seine eigenen Idealvorstellungen, seine eigenen Problemzonen, ich muss nicht aussehen wie in den Magazinen“, sagt Linda selbstbewusst.

Schlankheits-Wett­kämpfe im Internet

Jede noch so attraktive Frau hat wohl irgendetwas an ihrem Körper zu kritisieren, ist nicht gänzlich mit sich zufrieden – 
wichtig dabei ist dem Trio 
jedoch eine realistische Eigenwahrnehmung, kein 
exorbitanter Magerwahn, der für die Mädels eher als Ausdruck von fremdbestimmter Unsicherheit 
daherkommt. „Fitness und 
gesunde Ernährung sind ein Riesenhype geworden und total übertrieben – die Leute machen mit, aber nur für andere, nicht für sich selbst“, findet Mareike.

Besonders krasse Begleiterscheinungen eines extremen Schönheitswahns unter jungen 
 Menschen lassen die selbstbewussten jungen Frauen kalt, stoßen sie eher ab. Stete Internet-Trends rund um den Körperbau wie „Thigh Gap“, „Paper Waist Challenge“ oder diverse 
andere Schlankheits-Wett­kämpfe kennen auch die drei Freundinnen aus dem Netz. Als angesagte Bühne der neuen Schönheitstrends beginnen dort viele Menschen, 
ihrem Ideal nachzueifern – und das auf Kosten der Gesundheit.

Dies wird den 
eigenen Bemühungen gerne als Grund vorgeschoben. „Das ist schon krankhaft, viele 
werden ganz fanatisch, sehen 
die Fotos und nehmen sie sich als Vorbilder – es entsteht schnell ein Zwang, ebenso aussehen zu wollen“, sagt Johanna. Sie kennt selber Fitnessjunkies, die plötzlich nur noch Sport, Ernährung, Umfang und Körpermaße als Gesprächsthema kannten. „Das ist extrem, da lasse ich mich nicht mit reinziehen“, entschied sie.

So mancher Wahn lässt die selbstbewussten Mädels dabei kalt, ihnen geht es um ein gesundes Maß an Körperbewusstsein, sich wohlzufühlen, auch im Bikini und ganz ohne Hype und Fremdbestätigung. „Sport ist ideal als Ausgleich, aber man muss es nicht übertreiben – ich achte auf meinen Körper, um mich wohlzufühlen, nicht für andere“, betont Mareike. Sie fasst den ungeliebten Magertrend so mancher Altersgenossinnen kurzerhand so zusammen: „Besser was dran als ein Stock zu sein, denn das gefällt auch den Männern nicht“.

von Ina Tannert

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