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„Wo sich andere abkühlen, arbeite ich“

Marburgs heißeste Orte (1) „Wo sich andere abkühlen, arbeite ich“

Heiß, heißer, Freibad: Während sich die Badegäste bei Temperaturen von mehr als 30 Grad unbekümmert im Wasser abkühlen, sorgen David Spieker und seine Kollegen am Beckenrand für ihre Sicherheit.

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Mehr als cool: David Spieker und Dennis Höhenwarter (von links) tragen ihre Sonnenbrillen nicht nur aus modischen Gründen, sondern auch, um sich vor den Sonnenstrahlen zu schützen, denen sie als Bademeister den ganzen Tag ausgesetzt sind.

Quelle: Ruth Korte

Marburg. „Da, wo sich andere Leute entspannen und abkühlen, arbeite ich“, sagt David Spieker und wirft einen Blick auf das Wasserbecken, in dem die  ersten Frühschwimmer  an diesem Sommermorgen schon ihre Bahnen ziehen. In wenigen Stunden wird sich das Becken mit weiteren Badegästen gefüllt haben, die alle auf der Suche nach einer Erfrischung sind. Ob er da nicht manchmal neidisch werde? Er lacht und auf seinem sonnengegerbten Gesicht breiten sich viele kleine Falten aus. Zum Schwimmen komme er nur in seiner Freizeit hierher. Während seiner Arbeitszeit muss er fokussiert bleiben.

Doch Bademeister sein ist noch viel mehr. Sie sorgen nicht nur für die Sicherheit und Ordnung, sondern auch für die Sauberkeit im Bad, überwachen die Wasserqualität und die Wartung der Wasseraufbereitungsanlagen. Nichts also mit dem Klischee, dass Bademeister den ganzen Tag gemütlich auf einem Hochstuhl in der Sonne sitzen, hin und wieder Badegäste ermahnen, nicht vom Beckenrand ins Wasser zu springen, und ansonsten schönen Menschen hinterhergucken.  „Es gibt immer etwas zu tun, auch wenn noch keine Gäste da sind“, sagt der 51-Jährige. Er ist seit 6.30 Uhr hier, hat die Beckenböden gesaugt, den ph-Wert und den Chlorgehalt des Wassers überprüft, hier und da mit Badegästen geplaudert und Müll entsorgt, der am Vortag liegen gelassen wurde. Auf dem Schreibtisch in dem Postenhäuschen liegt eine Gartenschere, mit der er später die Rosenbüsche  und Hecken beschneiden will – wenn die Zeit es zulässt. Auch das gehört zu seinem Job.

Spieker ist Gärtner, Biologe, Techniker, Pädagoge, manchmal Psychologe und nicht zuletzt Lebensretter.

Alle zwei Jahre müssen er und seine Kollegen ihren Erste-Hilfe-Schein aktualisieren, sich für den Notfall vorbereiten.  „Das ist belastend. Man weiß nie, wann das nächste Mal etwas passiert.“ Mit dieser Spannung zu leben und in den entscheidenden Momenten mit der nötigen Ruhe zu reagieren, das gehört auch zu seinem Job. Priorität habe aber, dass gar nichts erst passiert.

Zu  dramatischen Rettungsaktionen kommt es tatsächlich selten. Häufiger seien Kreislaufprobleme und Sonnenstiche ein Problem, gerade jetzt in der heißen Sommerzeit.

„Viel trinken und immer wieder eincremen“

Es ereignen sich aber auch viele lustige Geschichten zwischen Beckenrand und Liegewiese. Spieker könnte ganze Bücher mit Anekdoten aus dem Schwimmbad füllen. Zum Beispiel von der Frau, die meinte, ihren Schlüsselbund verloren zu haben. Eine halbe Stunde lang suchten Spieker und ein paar hilfsbereite Kinder mit Taucherbrillen das Becken ab, bis die Frau beschloss, noch einmal in ihrem Spind nachzusehen. Just in dem Moment, als sie sich umdrehte, bemerkte Spieker den Bund, den sie am Träger ihres Badeanzugs festgemacht hatte. „Tja, aus den Augen, aus dem Sinn“ , sagt er und lacht.

Bleibt nur noch die Frage: Wie halten es Bademeister eigentlich den ganzen Tag bei der Hitze aus? „Viel trinken und immer wieder eincremen“, verrät Spieker. Wenn es ganz heiß sei, stelle er sich auch mal kurz unter die kalte Dusche.
Ansonsten schützt die Kleidung vor der UV-Strahlung. Das Cappy und die Sonnenbrille trage er schließlich nicht, weil es cool aussieht, meint er und zwinkert.

von Ruth Korte

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