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„Wissenschaft lebt von Kritik, nicht von Ignoranz“

Gender-Streit an Philipps-Univeristät „Wissenschaft lebt von Kritik, nicht von Ignoranz“

Die Kritik an der Philipps-Universität und den Geschlechterforschern reißt nicht ab und beschäftigt nun auch die Kommunalpolitik. Es gibt aber auch Unterstützer des Anti-
Kutschera-Kurses.

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Stürmische Zeiten an der Philipps-Universität, die sich seit Wochen in einer Wissenschaftsdebatte befindet.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Der Kreisverband der Piratenpartei Marburg-Biedenkopf fordert das Uni-Präsidium zur Rücknahme der Kutschera-Ausladung, zur Einladung zu einer Diskussionsveranstaltung und öffentlichen Entschuldigung bei dem Evolutionsbiologen auf.

„Wissenschaft lebt wie Politik auch von Auseinandersetzung und Kritik, nicht von Ignoranz und trotzigen Angriffen“, heißt es von der Piratenpartei.

Die Eskalation der Kontroverse sei bedauerlich, „die Hysterie“ einer Pro-Gender-Zunft und des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses 
(Asta) gehörten nicht mehr in diese Zeit. „Die Vehemenz ist irritierend, mit der über ein doch relativ randständiges Thema, in einer Tonlage, die uns grotesk übertrieben erscheint, debattiert wird.“

Elisabeth Kula, Stadtverordnete der Linken, hält die Äußerungen Kutscheras für „absolut inakzeptabel“. In ihrer Funktion als Asta-Hochschulreferentin bezeichnete­ sie den Professor Ulrich Kutschera kürzlich als „knallharten Frauenfeind“ und als Vertreter 
„einer neurechten Kampagne gegen Gleichstellung, Diversität und alternative Lebensent-
würfe“.

„Andeutungen von 
feministischer Verschwörung“

Diese Beschreibung entspricht auch dem Eindruck, den der 
Asta hat. Die Organisation bezeichnet Aussagen des Naturwissenschaftlers als „menschenverachtend“ und „diskriminierend“. „Es ist unerheblich, ob sein Studium-generale-Vortrag zur Evolutionsbiologie wirklich frei von der Debatte über Geschlechterforschung und seinen Ansichten zu Geschlechterkonstrukten bleibt“, sagt Maria Hagen, Referentin für Hochschulpolitik.

Jemandem, der „andere Menschengruppen zu tiefst diffamiert“, dürfte keine Plattform gegeben werden, weshalb die Ausladung durch die Uni-Leitung richtig gewesen sei. Für viele Vorwürfe gegenüber Kutschera gebe es in dessen Veröffentlichungen aber gar keine Belege, entgegnete Wissenschaftsphilosoph Professor Peter Janich im OP-Interview hier . Vielmehr müssten die Vertreter und Anhänger der ­Geschlechterforschung „etwas Fundiertes zu den Vorwürfen sagen, ob die Genderstudies auf falschen Prämissen beruhen“.

Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema Evolutionsbiologie lehnen jedenfalls die Studenten ab. „Wie soll so eine Auseinandersetzung aber stattfinden, wenn feministische Gender-Forscherinnen immer wieder beleidigt, lächerlich gemacht und als ideologisch verblendet diffamiert werden?“


„Gender-Studies sind offen
für sachliche Kritik“

Eine Debatte könne gern scharf geführt werden, aber eben über das scharfe Argument und nicht über Diffamierung, das Aufbauen von Scheinargumenten „und das Andeuten einer feministischen Verschwörung“, sagt ­Moan Zimmermann, Vize­präsident des Studierendenparlaments. Linken-Kommunalpolitikerin Kula vermisst bei Kutschera Grundsätzliches: „Das faire Miteinander“.

Christa Winter, Frauenbeauftragte der Stadt, unterstützt die Haltung der Marburger Politikprofessorin Annette Henniger, die Kutschera neben „hahnebüchenen Thesen“ in Bezug auf die Geschlechterforschung und das Gendermainstreaming auch „wüste Beschimpfungen“ und „gravierende Verstöße gegen die Spielregeln der Wissenschaft“ vorwirft.

Christa Winter sagt auf OP-Anfrage: „Das Streitgespräch zwischen Gender-Vertretern und Biologen im Wintersemester zeigt die Offenheit des Zentrums für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung , wenn es um sachliche Kritik geht.“

Die anhaltende Debatte in der Universitätsstadt ist auch dadurch geprägt, dass Kritiker den Kasseler Forscher vor allem durch dessen neues Buch „Das Gender-Paradoxon“ wahrnehmen, die Grundlage für den abgesagten Vortrag im Studium generale allerdings das Buch 
„Evolutionsbiologie“ gewesen wäre (die OP veröffentliche Kernaussagen hier ).

von Björn Wisker

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