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Wirbel um Wohnungsverkäufe

Mieten Wirbel um Wohnungsverkäufe

Auf der Homepage der Gewobau stehen einige Wohnungen, einige davon in Top-Lagen wie dem Südviertel, zum Verkauf. Kritiker: Die Wohnungsbaugesellschaft verscherbelt Teile des Bestands, um mehr Gewinn zu erzielen.

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Wohnungen in Top-Lagen wie der Streesemannstraße im Südviertel stehen derzeit zum Verkauf. Die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (Gewobau) will Geld einnehmen um andere Immobilien zu modernisieren. 

Marburg. Basar der Bauten im Südviertel und in Ockershausen: Die Verkaufsliste der Gewobau umfasst 40 Eigentumswohnungen. Alle Immobilien sind zwischen 50 und 70 Quadratmetern groß. Alleine im Südviertel stehen mehr als ein Dutzend Wohnungen in der Stresemannstraße und im Haus Friedrichsplatz 13 zum Verkauf. In Ockershausen sind 13 Wohnungen in der Karl-Doerbecker-Straße 2, 4 und 6 sowie drei Wohnungen in der Ziegelstraße 10 zu haben. Dazu kommen acht Eigentumswohnungen in der Cappeler Heinrich-Schütz-Straße 12 bis 16 und drei Wohnungen in der Andréstraße am Ortenberg. Top-Gegenden, sagen Kommunalpolitiker der Marburger Linken und fordern einen Stopp der Verkäufe.

„Diese Wohnungen aus dem Bestand zu nehmen um das Eigenkapital des Betriebs zu erhöhen, geht gar nicht“, sagt Jan Schalauske (Linke). Öffentliches Eigentum - und darum handele es sich bei den Gewobau-Immobilien - diene einem Zweck: der Allgemeinheit „Und diesen Einfluss auf die Mietpreisgestaltung geben wir durch vermehrte Verkäufe her“, ergänzt er. Und das, obwohl gerade in der Kernstadt „ohnehin ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum herrscht“. Es sei ein Fehler, die Wohnungsbestände abzuschmelzen und das kommunale Eigentum auf bestimmte Gegenden und Innenstadtlagen zu konzentrieren.

Mit ihrer Forderung, das Verkaufsvorhaben zu unterbinden stößt die Marburger Linke auf Unverständnis in der Kommunalpolitik.

 „Auf den freien Markt geworfen wird da überhaupt nichts“, sagt Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD). Bei jeder einzelnen Adresse handele es sich um Angebote an die aktuellen Mieter. Ihnen solle die Chance gegeben werden, Eigentum zu erwerben. „Entscheiden sich die Bewohner gegen einen Kauf, wird die Objekte solange niemand anderes erhalten, wie die Mieter darin wohnen“, sagt Vaupel. Da die Bewohner der Gewobau ein Dauerwohnrecht genießen, stehen die Verkaufsobjekte nur nach deren Auszug zum Verkauf.

„Aber offenbar will oder kann die ja niemand kaufen, sonst würden sie nicht im Internet öffentlich angeboten werden“, kontert Schalauske. Stadtoberhaupt Vaupel wehrt sich gegen Ausverkaufs-Vorwürfe. „Es handelt sich um in der Stadt verstreute, vereinzelte Wohnungen. Das ist kein unsozialer Vorgang“, sagt er. Ein Verkauf diene ohnehin nur der Re- und Vor-Finanzierung von nötigen Renovierungen an und in den verbliebenen Gewobau-Häusern. Den Wert mancher Marburger Straßenzüge oder Häuser-Reihen, die in Besitz der Gewobau sind, könne man gar nicht ermessen. Als Beispiel nannte er die Johannes-Müller-Straße. „Ginge es uns in dieser Stadt ums Geldverdienen, würden wir das alles auf einen Schlag zum Verkauf anbieten. Das würde uns sehr viele Millionen Euro einbringen“, sagt er. Das gelte für viel städtischen Besitz, gerade in Innenstadtlagen.

Überhaupt habe speziell das Gewobau-Eigentum durch die Sanierungsoffensive der vergangenen zehn, 15 Jahre sichtbar an Wert und Lebensqualität gewonnen. Zuvor habe das kommunale Unternehmen noch unter einem Sanierungsstau gelitten. Rund 2500 Immobilien befinden sich derzeit noch in Gewobau-Eigentum.

„Solange nichts an andere Wohnungsbaugesellschaften und Investoren verscherbelt wird, darf man so einen Schritt nicht kategorisch ablehnen“, sagt Roger Pfalz (CDU). Das Modell, Mietern ihre Heimat zum Kauf anzubieten, halte er sogar für sozial. So könne jeder in einen bleibenden Wert investieren. „Gerade im Alter, um Mietkosten zu sparen“, sagt er.

von Björn Wisker

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