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Wirbel um Netflix-Abend im Schlosspark

Freizeit Wirbel um Netflix-Abend im Schlosspark

Vorsicht vor Schummel-Fest: Auf Facebook wird das "Netflix and Chill Open Air" im Schlosspark beworben. Viele Marburger haben bereits ihre Teilnahme zugesagt - doch angemeldet ist die Veranstaltung nicht.

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Das ist die Facebookseite, die für das vermeintliche Kino-Festival wirbt. Screenshot: Björn Wisker

Marburg. Die Party ist für den 8. Juli - den Auftakt des Stadtfests 3-Tage-Marburg - angekündigt. 1900 Menschen sind laut Facebookseite an einem besuch interessiert, 200 haben ihr Kommen schon zugesagt. Das Kino-Festival wird vom Unternehmen Spotted.de präsentiert. Doch hinter der Freiluft-Veranstaltung stecken wohl andere Ziele: Likes anhäufen, Werbung machen, Daten sammeln.

So wirbt der Veranstalter im Internet: „Wir feiern den Launch der neuen Spotted-App (mit der du Leute wiederfinden kannst, denen du im echten Leben begegnet bist) und verwandeln den Schlossgarten zum größten Open-Air-Kino, welches die Stadt je gesehen hat! Komm zusammen mit deinem Partner und deinen Freunden zum gemeinsamen Netflix-Filme und Serien schauen unter Sternenhimmel.“ Es folgt ein Down-load-Link zur Smartphone-App der Mannheimer Firma.

In der Stadtverwaltung weiß man von dem Fest nichts, eine Anmeldung liegt nicht vor - zumal der 8. Juli der Auftakt des Stadtfests „3 Tage Marburg“, der Schlosspark belegt ist. Und zeitgleich würde das Ordnungsamt keine Genehmigungen für Paralell-Großveranstaltungen erteilten. OP-Recherchen legen nahe, dass es sich bei fast allen Open-Airs um eine dubiose Masche handelt, die seit einigen Tagen in ganz Deutschland - bisweilen wortgleich - praktiziert wird. Neben mehreren von Spotted.de beworbenen, gibt es die gleichen Kino-Festivals, die etwa auf Gewinnspielseiten verlinken. Oft sind die Facebook-Profile erst vor wenigen Tagen erstellt worden, ein Impressum fehlt fast immer.

"Definitiv ein Fake"

Grundsätzlich: Netflix selbst hat die Veranstaltungen nicht ins Leben gerufen. Ein Sprecher von Spotted.de betont auf OP-Anfrage aber sowohl mit Netflix als auch der Marburger Stadtverwaltung in Verhandlung zu sein. Die Agentur „MSL Group“, die in Deutschland die Pressearbeit für Netflix übernimmt, erklärt auf OP-Anfrage: „Wir wissen um diese Veranstaltungen, kommentieren das aber nicht“, sagt eine Sprecherin.

Das Festival ist laut Spotted-Sprecher „definitiv kein Fake“. Dass es noch einige Unklarheiten gibt, liege daran, dass das Interesse an den Festivals „riesengroß“ sei, die IT-Firma „die schnelle Verbreitung und einige Planungsschritte unterschätzt“ habe. Datum und Uhrzeit in Marburg seien ohnehin „nur Platzhalter, man muss bei Facebook ja irgendetwas eintragen“. Er distanziere sich aber von „denen, die das mit Gewinnspielen verknüpfen. Wir wollen nur und auf jeden Fall ein cooles Event für junge Leute machen“. Die Idee: Auf einer sechs mal zwölf Meter großen Leinwand sollen Filme via Online-Streaming gezeigt werden. Welche, das soll eine Abstimmung der Spotted-App-Benutzer festlegen.

Die Bezeichnung „Netflix and Chill“ ist jedoch nicht nur als Kinoveranstaltung zu verstehen. Unter Jugendlichen gilt dies als Umschreibung für eine Verabredung zum Sex. Auf Festival-Facebookseiten, die der Marburger ähneln, fragen interessierte Gäste explizit nach der Bereitstellung von Kondomen und Gleitgel für den Abend.

Bereits 2015 kursierten in sozialen Netzwerken Partyankündigungen - nur ein Bruchteil hat jemals stattgefunden. Die vermeintlichen Organisatoren, oft sind es Marketingspezialisten und Leute aus dem IT-Bereich, kassieren Provisionen, indem sie etwa Internetlinks zu anderen Unternehmen streuen.

von Björn Wisker

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