Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
„Wir stehen für wirtschaftlichen Sachverstand“

Interviews zur Stadtparlamentswahl (2) „Wir stehen für wirtschaftlichen Sachverstand“

Anlässlich der Wahlen zum Marburger Stadt­parlament bei der Kommunalwahl am 6. März sprach die OP mit dem Marburger FDP-Parteichef Christoph Ditschler (32) über den Zustand der Marburger FDP.

Voriger Artikel
Verdächtige bleibt in Haft
Nächster Artikel
Einbau von Buchförderanlage startet

Christoph Ditschler im Interview.

Quelle: Manfred Hitzeroth

Marburg. Seit 2013 ist Christoph Ditschler Parteichef der Marburger FDP, für die der bisher nicht in der Stadtverordnetenversammlung vertretene Kommunalpolitiker auch auf Platz eins der Liste für die Wahlen zum Marburger Parlament kandidiert.

Oberhessische Presse: Bisher saß die FDP im Marburger Stadtparlament in der Opposition und verschwand mit zwei von 59 Abgeordneten nahezu in der Bedeutungslosigkeit. Sehen Sie kurzfristig bei dieser Wahl eine Chance, das zu ändern und an die Regierung zu kommen? Oder was ist sonst Ihr Wahlziel?

Christoph Ditschler: Unser Wahlziel ist es, unsere Anzahl von zwei Sitzen im Stadtparlament um mindestens ein Mandat zu erweitern. Schon im vergangenen Jahr haben wir begonnen, wesentlich aggressiver, progressiver und investigativer zu werden, um eine ­gute Oppositionsrolle zu erfüllen. Das gilt beispielsweise für Nachfragen zu den Standorten von Flüchtlingsheimen in der Stadt. Wir stehen aber natürlich nach der Wahl auch für alle Fragen von Regierung oder Koalitionen zur Verfügung. Aber ansonsten versprechen wir, dass wir eine nervige und unbequeme Opposition sein wollen, die keine Ruhe gibt.

OP: Die „bürgerliche Mitte“ ist in Marburg heiß umkämpft. Neben den „Bürgern für Marburg“ gibt es noch das sogenannte bürgerliche Lager: die CDU, die FDP und die MBL, die alle im Oberbürgermeister-Wahlkampf noch geschlossen für den CDU-Kandidaten Dirk Bamberger gekämpft haben. Wie schwer fällt es der FDP, jetzt wieder ihre Eigen­ständigkeit zu zeigen?

Ditschler: Es fällt uns nicht schwer, uns von den bürgerlichen Mitbewerbern abzugrenzen. Auch bei der OB-Wahl war die FDP schon mit eigenständigen Themen sichtbar. Das waren zum Beispiel das Verlangen nach mehr Transparenz in der Informationspolitik zum Thema Flüchtlinge und unsere Forderung nach der Sanierung von Schulen. Unser größter Gegner im Wahlkampf ist die rot-grüne Rathaus-Koalition. Natürlich hoffe ich auf viele Stimmen für unsere Partei, aber ich würde mich auch über jede weitere Stimme für das bürgerliche ­Lager freuen.

OP: Gegen Windkraft auf den Lahnbergen, gegen das Seilbahn-Projekt, gegen den Nordstadt-Verkehrsversuch: Viele der FDP-Positionen in Marburg sind explizit Anti-Haltungen. Aber gibt es umgekehrt auch Projekte, die Sie vorwärts bringen wollen?

Ditschler: Wir sind nicht nur Nein-Sager, sondern wir sagen auch bei mehreren Themen, wie es besser werden kann. So sind wir beispielsweise dafür, dass die Marburger Schulen saniert werden und dass es dazu ein echtes Sofortprogramm gibt. Dabei sollte vor allem auf die Basis-Standards in Sachen Sicherheit und Brandschutz ­geachtet werden. Ein anderes der von uns vorgeschlagenen Projekte betrifft den Einsatz von Doppeldecker-Bussen auf der Route zu den Lahnbergen. Das ist etwas ganz anderes als diese drollige Idee der Seilbahn auf die Lahnberge. Unsere Ideen sind pragmatisch, realisierbar und bezahlbar.

OP:  Die Marburger FDP hatte in den vergangenen Jahren in der Parteiarbeit und im Parlament viele Personal- und auch einen Generationswechsel. Wofür steht aktuell die FDP in der Stadt Marburg im Jahr 2016: eher für die wirtschaftsliberale Richtung oder die Verteidigung von Bürgerrechten?

Ditschler: Wir stehen für beides: Wir sind sicher klassisch eine Partei, die sich für die Wirtschaft interessiert. Wir stehen für wirtschaftlichen Sachverstand, ohne reiche Unternehmer zu sein. Wir vertreten aber auch alle, die für Eigenständigkeit und gegen staatliche Bevormundung sind. Außerdem legen wir unseren Fokus auf die Bildungspolitik und haben einen kritischen Blick auf die Finanzen. Wir sehen uns als eine kritische Partei mit offenen Diskussionen und ohne Diskussionsverbote.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr