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„Wir sind alle fassungslos“

Einsatz für die Flüchtlinge „Wir sind alle fassungslos“

Seit Freitag befinden sich viele der verbliebenen 160 Flüchtlinge im Cappeler Camp im Hungerstreik. Sie wollen in Marburg bleiben. Dafür setzen sich auch die Freiwilligen ein.

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Freiwillige verteilen am Samstag Blumen an die Kinder und bringen Rosen am Zaun des Cappeler Camps an. Sie wollen, dass die Geflüchteten in Marburg bleiben. Auch am Sonntagabend gab es eine Protestaktion: Gemeinsam mit den Geflüchteten schrieben rund 50 Unterstützer Wünsche an den Zaun.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Es gießt in Strömen. Die Kinder frieren, strahlen aber übers ganze Gesicht, als sie die Rosen in die Hand gedrückt bekommen. Diese hatten zahlreiche freiwillige Helfer am Samstagnachmittag mitgebracht.

Unter dem Motto „Rosenburg statt Rotenburg“ schmückten die Unterstützer den Zaun des Cappeler Flüchtlingscamps, um dagegen zu protestieren, dass die Geflüchteten Anfang dieser Woche nach Rotenburg gebracht werden sollen.

„Wir sind fassungslos und schockiert und können die Entscheidung, das Camp zu schließen, nicht nachvollziehen“, sagt Gabriele Borgemeister, die sich als Multiplikatorin im Camp engagiert. „In dieser Situation wollen wir zeigen, dass wir mit den Flüchtlingen fühlen und nicht aufgeben. Wir hoffen, dass sich diese nicht transparente Entscheidung des RPs noch einmal revidieren lässt.“ Das Camp sei ein Leuchtturm für Integration und Sozialen Frieden, sei hervorragend in Marburg etabliert, das Netzwerk aus Unterstützern einzigartig. „Es ist ein Jammer, wenn man diese Arbeit nun zunichte macht.“

Zahlreiche Menschen zeigten am Wochenende ihre Solidarität mit den Geflüchteten im Cappeler Camp. Unter dem Motto „Rosenburg statt Rotenburg“ schmückten die Unterstützer den Zaun des Cappeler Flüchtlingscamps, um dagegen zu protestieren, dass die Geflüchteten Anfang dieser Woche nach Rotenburg gebracht werden sollen. 

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Genauso sieht es Barbara Reißland. Sie engagiert sich ehrenamtlich als Deutschlehrerin und Multiplikatorin und empfindet die Arbeit als sehr positiv. „Ich habe noch nie Menschen getroffen, die trotz ihrer schrecklichen Erfahrungen so freundlich, dankbar und bescheiden sind“, betont Reißland. Gemeinsam mit anderen Helfern hat sie eine Petition an den Hessischen Landtag geschickt, in der sie fordern, die Schließung zu überdenken. Schließlich sei das Camp auch aufgrund seiner zentralen Lage und der guten Infrastruktur beispielhaft.

Hungerstreik wird fortgesetzt

Derweil setzen, bis auf die vielen Kinder im Cappeler Camp, zahlreiche Flüchtlinge ihren Hungerstreik fort. Aufgeben wollen sie nicht. „Wir haben auf der Flucht unser Leben riskiert und jetzt werden wir behandelt wie Vieh und von einem Lager ins nächste geschoben. Marburg und seine Menschen sind uns sehr ans Herz gewachsen, wir sind hier wie eine Familie und möchten deshalb bitte hierbleiben“, erklärt der 27-Jährige Ali Abdi Abdurehid aus Äthiopien.

Die Solidarität mit ihm und den anderen Geflüchteten ist groß. Am Sonntagabend versammelten sich spontan rund 50 Unterstützer am Zaun des Camps und protestierten mit einer Kunstaktion. Zusammen mit dem Künstler Richard Stumm beschrifteten Helfer und Geflüchtete bunte Aufkleber mit ihren Wünschen und brachten diese am Zaun an. „Gönnt den Menschen endlich Ruhe“, lautete zum Beispiel eine Forderung. Bereits Anfang dieser Woche sollen die ersten Flüchtlinge per Bus nach Rotenburg gebracht werden. „Wir werden nicht einsteigen“, kündigten einige an.

von Nadine Weigel

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Von Redakteur Anna Ntemiris

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