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„Wir müssen nicht zurück in die Höhlen“

Klimaschutz „Wir müssen nicht zurück in die Höhlen“

Eher langatmige Reden und Vorträge ist man aus dem Kreistagssitzungssaal gewohnt. Dass es auch unterhaltsam und anschaulich geht, zeigte die Vorstellung des Bürgerberichts „Klimaschutz gemeinsam“.

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Klimaschutzmanagerin Sonja Minke erklärte Jochen Schmidt, dass eine solche Heizungspumpe bis zu 80 Euro Stromkosten im Jahr einspart und sich in kurzer Zeit bezahlt macht.

Quelle: Landkreis

Marburg. Klimaschutz fast kinderleicht. Da rief Moderator und HR-Fernsehjournalist Jochen Schmidt vier Kinder aus dem etwa 100-köpfigen Publikum zu sich auf die Bühne, und trat bei zwei Fünfjährigen gleich ins Fettnäpfchen, weil er ihnen das Ablesen von Zahlen noch nicht zutraute.

Gemeinsam mit Thomas Madry, dem Umsetzungsmanager für den Masterplan Klimaschutz im Landkreis, lasen sie zwei Strommessgeräte ab. Diese waren an einen betagten, vielleicht 30 Jahre alten Kühlschrank sowie ein neues, energiesparendes Modell angeschlossen. Ergebnis: Der alte braucht für 163,90 Euro Strom im Jahr, der neue für 16,81 Euro.

Folgerung: wer noch einen alten Kühlschrank betreibt, sollte ganz schnell umsteigen. Selbst wenn er nicht Jahrzehnte auf dem Buckel hat, kann man den Kaufpreis in wenigen Jahren über die Stromeinsparung hereinholen. Und vermeidet, je nachdem wie der Strom erzeugt wird, noch einiges an CO2-Ausstoß. Wer selbst einmal seinen Kühlschrank und andere Geräte überprüfen möchte, kann beim Fachdienst Klimaschutz und Erneuerbare Energien des Landkreises ein

Strommessgerät für zwei Wochen kostenlos ausleihen.

Ein kleineres Gerät mit ebenso großem Einsparpotenzial stellte Klimaschutzmanagerin Sonja Minke vor. Sie erklärte, dass eine Hocheffizienz-Heizungspumpe bis zu 80 Euro Stromkosten im Jahr einspart und die Anschaffungskosten von 200 bis 250 Euro ebenfalls in kurzer Zeit wieder hereinholt.

Neben solchen Beispielen, bei denen Energieeinsparungen zugleich zu Kostensenkungen führen, wurden auch andere Themen angesprochen, die eher den persönlichen Lebensstil und das Einkaufsverhalten betreffen. Dr. Helmut Otto, Leiter des Fachbereichs Ländlicher Raum und Verbraucherschutz, wies auf die Vorteile regionaler Produkte, nicht nur für den Klimaschutz, hin.

Gern regional, abernicht um jeden Preis

Mit den guten Produkten von Direktvermarktern auf den Wochenmärkten beispielsweise verbessere man die eigene Lebensqualität und stütze man auch die regionale Wirtschaftsvielfalt. Er betonte aber, keinem den Genuss von Südfrüchten ausreden zu wollen. Und manchmal könne die CO2-Bilanz eines Apfels aus Südtirol günstiger sein als die eines deutschen, der lange im Kühlhaus gelagert wurde.

Andere Punkte waren das Mobilitätsverhalten im Alltag und im Urlaub: unnötige Fahrten vermeiden, Rad und öffentliche Verkehrsmittel nutzen, in heimischen Gefilden wandern statt in die Ferne zu fliegen.

Masterplanmanager Stefan Franke gab sich im Gespräch mit Jochen Schmidt optimistisch, dass der Landkreis die ehrgeizigen Ziele des „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“ erreichen könne, auch ohne dass wir wieder in Höhlen wohnen müssen: die hundertprozentige Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen in den Bereichen Strom, Wärme und Mobilität bis zum Jahr 2040 sowie die Senkung der Treibhausgase um 95 Prozent und die Halbierung des Energieverbrauchs bis zum Jahre 2050.

Ein Schubkarren voll von zerkleinertem „Straßenbegleitgrün“, das bisher meistens entsorgt wurde, stand symbolhaft für ungenutzte Möglichkeiten zur CO2-neutralen Wärmegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen. Wenn wir alles, was wir heute schon können, nutzen würden, könnte man den Energieverbrauch auf einen Schlag um 25 Prozent reduzieren, meinte Franke. Viele Dinge, wie Speichertechnologien, würden weiterentwickelt.

Nächste Veranstaltung findet am 4. Juni statt

Wichtig sei es, Mut zu fassen, sich auf den Weg zu machen und die Chancen, die die erneuerbaren Energien bieten, zu nutzen. Alle die kleinen, machbaren Schritte zu gehen, wäre schon ein großer Schritt nach vorne, sagte Franke.

Landrätin Kirsten Fründt hatte eingangs betont, dass der Masterplan zum Klimaschutz nur gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern zu verwirklichen sei. Alle seien aufgerufen, sich aktiv zu beteiligen und mitzugestalten, man wolle die Rahmenbedingungen gar nicht vorgeben. Sie kündigte an, am 4.Juni um 18 Uhr finde an gleicher Stelle die nächste Veranstaltung statt, um das Thema „mit Leben zu füllen“.

Anja Mager vom Bundesumweltministerium hatte unterstrichen, dass die Ziele der Nationalen Klimaschutzinitiative, in die seit 2008 422 Milionen Euro investiert wurden, nicht ohne die Unterstützung der Kommunen erreicht werden könnten. Mager betreut die bundesweit 19 Masterplan-Kommunen, darunter drei Landkreise. Sie betonte, dass es Marburg-Biedenkopf mit dem Klimaschutz ernst meine, schon früher etwas dafür getan habe und deshalb ins Masterplan-Programm aufgenommen wurde. Die Bundesregierung fördert über vier Jahre, bis Mitte 2016, das Projekt „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“, das ein Gesamtvolumen von rund 696000 Euro hat, zu 95 Prozent. Der Kreis muss selbst also knapp 35000 Euro aufbringen.

Der 90-seitige Bürgerbericht „Klimaschutz gemeinsam“, der neben Informationen zum Masterplan viele Anregungen enthält, was jeder Ein­-zelne beitragen kann, ist in gedruckter Form in der Kreisverwaltung erhältlich. Als PDF zum Herunterladen gibt es ihn sowie weitere Infos unter www.klimaschutz.marburg-biedenkopf.de

von Manfred Schubert

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