Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
„Wir müssen Angebote schaffen“

Ortsbeirat Bauerbach „Wir müssen Angebote schaffen“

Vor allem eines interessiert die Bürger derzeit: Wo, was und vor allem wie groß könnte in Zukunft im Ort neu gebaut werden.

Voriger Artikel
Vermissten Menschen auf der Spur
Nächster Artikel
Dagobertshausen erhält einen neuen Spielplatz

Stadtplaner Reinhold Kulle (links) stellte die derzeitige Planungsphase für ein mögliches Neubaugebiet in Bauerbach vor.

Quelle: Ina Tannert

Bauerbach. Nicht ganz unumstritten ist das Zukunftsthema Neubaugebiet, das der Ortsbeirat auf die Tagesordnung ganz nach oben setzte. Zahlreiche Bürger nutzten die Chance und brachten ihre Fragen und Sorgen vor. Für die Stadt sprach Reinhold Kulle vom Fachdienst Stadtplanung und Denkmalschutz. Er stellte sich der Diskussion mit rund 30 Bauerbachern und dem vorbereiteten Fragenkatalog des Ortsbeirates. Neben der eigenen Beteiligung an dem Projekt wollte dieser so einige rechtliche Grundlagen, die Vorgaben des Bebauungsplanes sowie die Auswahl möglicher Investoren geklärt sehen.

Zwei potenzielle Flächen im Ort stehen derzeit im Mittelpunkt: einmal die Fläche unterhalb des Kindergartens, an der Straße Zum Lahnberg. Der zweite Bereich liegt unterhalb vom „Heideweg“.

Dreh- und Angelpunkt der Fragerunde war die Art und Weise möglicher neuer Bauten, damit einhergehend die Sorge einiger Bewohner, dass Investoren von außerhalb neue und üppige Spekulationsobjekte im Ort aufbauen. Man wolle keine weiteren „großen Blöcke“ von einem einzigen Investor, „die Angst besteht im Ort“, fasste Sabine Jennemann die Befürchtungen zusammen.

Dazu bezog der Ortsvorsteher Stellung: „Es wird keine Spekulationsbebauung und keine Wohnblöcke geben“, betonte Lothar Böttner. In einem möglichen Neubaugebiet sollten ausschließlich Bauherren zum Zuge kommen, die den Bauplatz auch selbst nutzen, „es ist für junge Familien gedacht“.

Kulle nutzte andere Begriffe, sprach sich dennoch dafür aus, gerade jungen Menschen einen baulichen Anreiz zu geben, „wir müssen Angebote schaffen“. Dennoch lebe ein Stadtteil nicht nur durch eine Handvoll Einfamilienhäuser am Ortsrand, gab Kulle zu bedenken.

Auch das Feld der Interessenten müsse grundsätzlich erweitert werden: Nach seiner Erfahrung funktioniere die Beschränkung auf Bewohner wie den örtlichen Nachwuchs als künftige Eigentümer nicht mehr. Auch müsse sich die Stadt an den Vorgaben orientieren: Die Planungen für ein potenzielles neues Baugebiet in Bauerbach richten sich generell nach der Regional- und Landesplanung im Sinne des integrierten kommunalen Entwicklungskonzeptes (IKEK).

Entgegen einiger Gerüchte sei die Planung noch nicht allzu weit fortgeschritten. „Eine Diskussion darüber ist zu früh, aber es wird nie einen Schnellschuss geben“, versuchte der Stadtplaner zu beruhigen.

Wunsch nach Ehrlichkeit, Transparenz und Offenheit

Aktuell werden Vorschläge, Ideen und Argumente gesammelt. Generell gehe es um „relativ kleine Flächen“ - etwa zehn bis zwölf Bauplätze, wie sie im Durchschnitt in anderen Dörfern der gleichen Größenordnung entstehen, seien realistisch, erforderten aber noch einiges an Planung. Eine grundsätzliche Bedingung steht indes fest: Ohne eine entsprechende Verfügbarkeit an Fläche, den Verkauf durch die Grundeigentümer und deren klare Verpflichtung gebe es keine Zukunft für ein neues Baugebiet. Jetzt liege es an den Bewohnern, die Eigentümer mit ins Boot zu holen.

Viele Bewohner befürworteten neues Bauland im Ort, brachten aber auch ihren Wunsch zum Ausdruck, das Thema mit Vorsicht anzugehen, dabei mit starker Bürgerbeteiligung und gemeinsam mit dem Ortsbeirat, einfach „ehrlich, transparent und offen“, so ein Bewohner.

Dies erst recht mit Blick auf einen kurzen Zwischenfall zu Beginn der Versammlung. Dort herrschte kurze Zeit Unruhe, nachdem sich nicht alle Ortsvertreter mit dem vergangenen Sitzungsprotokoll einverstanden zeigten. Der Stein des Anstoßes: Gewisse Formulierungen und Anmerkungen im Text, die etwa Beate Abé als unprofessionelle „Animositäten und Diffamierungen“ betitelte, die in einem offiziellen Protokoll nichts zu suchen hätten. Neben Bezeichnungen für einige Bauerbacher als „Steinacker-Bewohner“ werden unter anderem die Kritiker von neuem Bauland als „die Verhinderer“ benannt. „Das kann ich nicht verantworten, da ziehe ich die Notbremse“, sagte Abé. Nach breiter Zustimmung der Mitglieder ließ das Gremium daraufhin einige umstrittene Ausdrücke streichen.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr