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"Wir lassen die nicht alleine"

Schulbeginn "Wir lassen die nicht alleine"

Der gesamte Landkreis Marburg-Biedenkopf hat dem Projekt G8 den Rücken gekehrt - vorläufig. Wichtige Themen sind der Rückgang der Lehrereinstellungen, die Ganztagsbetreuung und der Umgang mit Flüchtlingen.

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Marburg. Ja, es gibt einen Rückgang der Schülerzahlen, aber dieser ist „nicht besonders besorgniserregend“, sagt Burkhard Schuldt Personalrat am Marburger Schulamt. Für das kommende Schuljahr rechnet das Amt mit 732 weniger Schülern in den Klassenzimmern des Landkreises. Ein zu verschmerzender Rückgang. Denn dieser sei längst kein solcher Einbruch, wie er noch vor fünf oder zehn Jahren zu spüren gewesen sei, meint Schuldt. Grund zum Optimismus liefert dabei auch die leicht steigende Zahl an Grundschülern. Nach Angaben des Amtes sollen es im kommenden Schuljahr 129 mehr sein als noch im Vorjahr.

Der allgemeine Rückgang der Schülerzahlen stehe auch im Zusammenhang mit dem Ausscheiden der G8-Jahrgänge, erklärt Schulamtsdirektor Bernhard Drude (Foto unten, Dennis Siepmann). Der Doppeljahrgang sorge nun dafür, dass Universitäten mit Rekordzahlen bei der Einschreibung rechnen müssten. Alle neun Gymnasien im Landkreis haben sich derweil dazu entschlossen, das Projekt G8 auslaufen zu lassen und zu G9 zurückzukehren.

Die hessische Regierung aus CDU und Grünen hält weiterhin an der Lehrerversorgung von rechnerisch 105 Prozent fest. Stellenstreichungen bei Lehrern aufgrund der sinkenden Schülerzahlen schließt der Koalitionsvertrag aus, sagte der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) in einer Presseerklärung am Freitag. „Wir haben unser Wort gegeben, dass wir die demografische Rendite im System lassen“, erklärte Lorz weiter. Selbst wenn der Landesrechnungshof das kritisch sehe - die Regierung setze diese Priorität. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf gibt es zum folgenden Schuljahr gerade einmal 15 Neueinstellungen, beziehungsweise Einversetzungen von Lehrern. „Die Stellenzahl ist deutlich zurückgegangen“, sagt Burkhard Schuldt. In 2013/14 waren es immerhin noch 63 Stellen, die vergeben wurden.

Ein Problem für fertige Lehrer, die zum Beispiel Gymnasiallehramt studiert haben. In diesem Schulzweig wird im kommenden Schuljahr gerade einmal eine neue Stelle zugewiesen. Gleichzeitig werden andere Lehrkräfte dringend gesucht, wie Drude berichtet. Etwa an der Berufsschule in Biedenkopf. Dort fehlt Ausbildungspersonal sowohl im Bereich Metall, als auch in der Elektronik.

Ein weiteres Thema im Landkreis ist der Ausbau der Ganztagsbetreuung. Der hessenweite „Pakt für den Nachmittag“ soll aber erst im übernächsten Schuljahr 2015/16 umgesetzt werden. Dann sollen sechs Pilotregionen mit 145 Stellen gefördert werden. Schwarz-Grün will bis 2019 erreichen, dass ­alle Grundschulkinder von 7.30 bis 17 Uhr betreut werden können. Die Lehrerstellen für Schulen in sozial benachteiligten Gegenden werden dann von 300 auf 360 aufgestockt. Für Deutsch-Intensivkurse gibt es 350 statt bislang 300 Stellen. Für die Inklusion behinderter Kinder werden zusätzliche 30 Förderschullehrer an die Regelschulen entsandt, es sind dann mehr als 1700.

Weiterhin bereiten sich nicht nur die Mitarbeiter des Schulamts auf die Ankunft von Flüchtlingen vor. Dazu werden nun zentrale Standorte auserkoren, in denen die Flüchtlingskinder in einer Intensivklasse unterrichtet werden sollen. Vorrangiges Ziel ist es, „dass die Kinder möglichst schnell Deutsch lernen“, sagt Drude. Das derzeitige Problem sei aber ein anderes: „Wir wissen einfach nicht, was da genau auf uns zu kommt“, sagt Schulamtsdirektorin Jutta Wagner (Foto oben: Siepmann). Und dabei geht es nicht nur um eine schulische Unterstützung. „Es sind Kinder mit Traumaerlebnissen, die auch eine psychologische Betreuung benötigen“, sagt Wagner. Auch Drude verspricht den Schulen seine Unterstützung: „Wir lassen die nicht alleine“.

von Dennis Siepmann

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