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"Wir lachen viel zusammen"

Eiserne Hochzeit "Wir lachen viel zusammen"

Wenn eine Ehe 65 Jahre lang hält, dann ist sie im wahrsten Sinne des Wortes eisern. Zwei, die das beweisen können, sind Brigitta und Johannes Katzer. Am Donnerstag feiern die 88-Jährigen ihr Jubiläum.

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„Jeden Tag mindestens einmal gemeinsam lachen“, ist das Motto von Brigitta und Johannes Katzer.

Quelle: Suria Reiche

Michelbach. Dass Johannes Katzer mal seine Frau Brigitta heiraten würde, wusste er schon sehr früh: Gerade einmal neun Jahre alt war er, als er auf der Kirchweih in seiner Heimatstadt eröffnete: „Ich heirate mal die Brigitta!“

„Das erzählt er mir immer wieder“, entgegnet besagte Brigitta heute, 79 Jahre später, in ihrem Wohnzimmer in Michelbach das Foto-Album mit Hochzeitsbildern in der Hand. „Knapp 20 Leute sind damals zu unserer Hochzeit gekommen“, sagt sie, als sie fertig damit ist, die Menschen auf den Fotos zu zählen. Eine Hochzeit auszurichten, erinnert sich die 88-Jährige, war damals nicht einfach. „Die Lebensmittelmarken waren beschränkt“, fügt ihr Mann hinzu. Die Eheringe ließen die beiden aus dem Gold des Eherings seiner Mutter anfertigen: „Sie hat ihn für uns geopfert.“ Und die Feier fand in Brigittas elterlicher Wohnung in Ost-Sachsen statt.

In dem kleinen Ort Wilthen, südlich von Bautzen, sind Johannes und Brigitta aufgewachsen, haben die Schulbank gedrückt und sich kennengelernt. „Wir sind gerade mal einen Monat auseinander“, sagt Johannes. „Deswegen haben wir auch so viele gemeinsame Kindheitserinnerungen“, ergänzt seine Frau Brigitta. Gelebt haben sie in der gleichen Straße, haben sogar manchmal zusammen gespielt. Und als Johannes am 11. November 1945 aus der Gefangenschaft entlassen wurde, war es Brigitta, die ihn auf die Idee brachte, an einem Neulehrer-Lehrgang teilzunehmen. Diese wurden damals gegeben, um der Lehrer-Not entgegenzuwirken. Nach dem achtmonatigen Lehrgang, den beide absolvierten, entschied sich Johannes, in Leipzig Pädagogik zu studieren. Noch während des Studiums verlobten sich die beiden. Weil Johannes in Sachsen nach dem Studium keine Anstellung mehr bekam, zogen sie gemeinsam nach Kamsdorf. Doch auch dort wurden sie nicht glücklich: „Als Lehrer sollte ich bei Familien für die Jugendweihe werben.“ Johannes weigerte sich. Er sei in der Kirche, sagte er.

Flucht in den Westen

Die beiden entschieden sich, mit ihren zwei inzwischen geborenen Töchtern in den Westen zu fliehen. Mit der Bahn reisten sie nach Westberlin. „Während der Grenzkontrolle haben wir gezittert“, erinnern sie sich. Schlussendlich landeten sie in Hessen, erst in Niederasphe, dann in Michelbach, wo sie bis heute leben und sich sehr gut aufgehoben fühlen. Er arbeitete bis 1989 als Rektor in Goßfelden, sie unter anderem an der Michelbacher Grundschule.

„Die Flucht war eine der Entscheidungen, die wir gemeinsam fällen mussten“, sagen sie heute. Wahrscheinlich die größte. Aber darum gehe es in einer funktionierenden Ehe: sich zusammenzuraufen. Und manchmal müsse einer von beiden zurückstecken. Aber was tut man nicht alles für den Menschen, den man liebt? Vor allem dann, wenn man etwas hat, was verbindet. Bei Johannes und Brigitta ist das das gemeinsame Lachen. „Wir lachen viel zusammen. Jeden Tag mindestens einmal!“ Ihre eiserne Hochzeit feiern die beiden am Samstag im Beisein ihrer verbliebenen Tochter und den beiden Enkelkindern.

von Suria Reiche

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