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Ockershausen: Ein Dorf mit Zuwachs

Marburgs Stadtteile (Sonderseite) Ockershausen: Ein Dorf mit Zuwachs

Ockershausen ist ein lebendiger Stadtteil mitten in Marburg, der gleichzeitig auch noch eine dörfliche Struktur aufweist.

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Ein Dorf mit malerischen Fachwerkhäusern, ehemaligen Bauernhöfen und pittoresken Gassen und gleichzeitig ein Neubau-Viertel auf dem Berg: Ortsvorsteher Matthias Simon (SPD) ist zuständig für rund 6 000 Einwohner.  Zwei Drittel wohnen im alten Ockershausen, dem „Dorf in der Kernstadt“, nur zwei Kilometer von der Marburger Stadtmitte entfernt. Aber der Ortsbeirat betreut gleichzeitig auch das Stadtwaldviertel. Oberhalb von Ockers­hausen hat sich rund um das Gebiet der früheren Tannenbergkaserne ein völlig neues Stadtviertel entwickelt. Nach anfänglichem Fremdeln gibt es jetzt ein immer besseres Miteinander, erläutert Simon im Gespräch mit der OP. So kooperiere beispielsweise der Sportverein TSV ­Ockershausen mit der im Stadtwald-Viertel angesiedelten Initiative Kinder- und Jugendgemeinwesen (IKJG). Die Sozialbauten an der Hedwig-Jahnow-Straße waren aus der heutigen Sicht des Ortsvorstehers in diesem Umfang eine Fehlplanung. Der „Stadtwald“ habe in der Folge einen schlechten Ruf bekommen. „Wir brauchen jetzt schon Jahrzehnte, um den wieder los zu bekommen“, meint Simon.

Vereine stärken Zusammenhalt

Auch deshalb solle die Infrastruktur kontinuierlich verbessert werden: die Einrichtung eines Lebensmittel-Ladens sowie eines zentralen Treffpunktes sollen die nächsten Schritte sein, erläuterte Simon.
So einen Treffpunkt gibt es bereits im alten Dorfkern von ­Ockershausen. Dabei handelt es sich um die „Alte Schule“, einen Ort, an dem „einige Ockershäuser sogar noch zur Schule gegangen sind“, wie Simon berichtet. Das Ockershäuser Vereinsleben ist lebendig und vielfältig: Es reicht von dem großen Sportverein TSV über den Fußballverein Blau-Gelb/Sportfreunde Marburg bis hin zu mehreren Chören und dem Burschenverein. „Wir machen hier in ­Ockershausen viele Dinge zusammen“, berichtet Simon, der bei der letzten Kommunalwahl im Jahr 2011 seinen Vorgänger Ludwig Schneider ablöste, der seit der Einrichtung des Ortsbeirats im Jahr 2001 amtiert hatte. „Dass es so viele Vereine gibt, war und bleibt eine Ockers­häuser Tradition“, berichtet Schneider. So habe der Geselligkeitsverein, der den Grenzgang veranstaltet, sogar Zulauf an Mitgliedern bekommen. Im Jahr 2009 wurde bei „775 Jahre ­Ockershausen“ groß gefeiert.

Ersterwähnung 1234

Im Jahr 1234 wurde Ockershausen erstmals urkundlich erwähnt. Im Januar  1931 und damit früher als die anderen meist 1974 eingemeindeten Außen- und Innenstadtteile wurde
Ockers­hausen nach Marburg eingemeindet. Dabei leistete der als „Nicolaus der Letzte“ in die ­ Ortsgeschichte eingegangene letzte Bürgermeister des Ortes, Nicolaus Schneider, noch hartnäckigen Widerstand. Seine Botschaft aus Berlin, wo er vergeblich dagegen protestierte, lautete „Es ist alles verloren, Euer Nicolaus“: Diese Anekdote schilderte Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) in der Festschrift im Jahr 2009. Für den Hobby-Historiker Reinhold Drusel hatte Ockershausen im Lauf der Jahrhunderte mehrere „merkwürdige Auffälligkeiten“ zu bieten. So seien dort sehr früh Menschen sesshaft geworden, die sich nicht von der Landwirtschaft auf dem eigenen Besitz ernähren konnten, aber auch kein Wohnrecht innerhalb der Marburger Stadtmauern besessen hätten.

Im Vergleich zur Gemarkungsgröße hätten sich in Ockershausen deutlich höhere Einwohnerzahlen entwickelt als in anderen Orten rund um Marburg. Außergewöhnlich waren auch die Wahlergebnisse bei den Reichstagswahlen, bei denen die Sozialdemokraten und später die Kommunisten im Vergleich mit anderen Orten in der Region besonders hohe Wahlergebnisse erzielten, was ­Ockershausen auch den Beinamen „Rotes Dorf“ eintrug.
Ziel der verstärkten Seniorenarbeit ist es, die älteren Bürger in Ockershausen zu aktivieren.  So bietet beim Projekt „Gut Älter werden in Ockershausen“ das Ortbeiratsmitglied Renate Bastian (Marburger Linke) einen Spaziergang auf den Spuren der Schäfer und Förster aus ­Ockershausen, (19. April ab 15 Uhr, Treffpunkt: Parkplatz Sparkasse). Gleichzeitig bleibt Ockers­hausen jung, allein wegen der Vielzahl an Schulen rund um die Leopold-Lucas-Straße. Es sind drei Gymnasien sowie eine Mittelschule. Rund 5 500 Schüler und 500 Lehrer besuchen diese Schulen und prägen das Bild Ockershausens an der Grenze zum Südviertel.

Eine Auswahl der Veranstaltungen in Ockershausen und dem Stadtwald-Viertel

  •   4. März (15 Uhr bis 17.30 Uhr): Kinderkarneval, Pavillon der IKJG.
  • Erzählcafé: Fastnachtsdienstag – Karneval: was wird da gefeiert? Mit Beiträgen von Inge Sauer und Reinhard Landau (Dr. Wolff‘sche Stiftung, Bachweg 15).
  • 7. März (8.30 Uhr): Senioren-Tanz-Tee, Bistro A Capella, Hannah-Arendt-Straße 2a.
  • 6. April (ab 15 Uhr): 10. Geburtstag der Maulorgelspieler mit Konzert in der Turnhalle Zwetschenweg. Zu Gast ist unter anderem das international bekannte „Duo Senil“ (Eintritt frei).
  • 11. April (15 Uhr): Frühlingsfest für alle Kinder, Familien und Nachbarn, Abenteuergarten, Georg-Elser-Straße (IKJG).
  • 19. Oktober: Konzert des Männerchors (Matthäuskirche)
  • 14. Dezember: Nikolausturnen des TSV in der Großsporthalle.

von Manfred Hitzeroth

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