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Marbach war einst sogar ein Kurbad

Marburgs Stadtteile: Marbach (Teil 9 von 18) Marbach war einst sogar ein Kurbad

Der Marburger Stadtteil Marbach war im 19. Jahrhundert für einige Jahre ein Kurbad. Heutzutage gibt es nicht einmal mehr das Europabad.

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Marbach von oben betrachtet: In den vergangenen Jahren hat Marbach seinen dörflichen Charakter verloren. Fotos: Thorsten Richter

Marbach. „Schön liegst du in den Bergen/in abendlicher Ruh,/Schneewittchen bei den Zwergen/war schöner nicht als du“: Mit diesen poetischen Zeilen besang der 1798 geborene Dichter Dietrich Weintraut in seinem „Marbacher Heimatlied“ den heutigen Marburger Stadtteil. „Das Marbacher Orts-Jubiläum wirft seine Schatten voraus: Im Jahr 2022 soll die 750-Jahr-Feier Marbachs begangen werden. Eine Arbeitsgruppe hat sich aus diesem Anlass das Ziel gesetzt, die Chronik von Karl Anton Müller aus dem Jahr 1972 zu überarbeiten und weiterzuführen.

Die Ersterwähnung im Jahr 1272 erfolgte in einer Ziegenhainer Urkunde. „Marbach war wie Cappel, Wehrda und Ockershausen eines der ‚Hausdörfer‘, die dem Haus der Schlossherren in Marburg dienen mussten“, erläutert Dr. Hans-Peter Lachmann von der „Arbeitsgruppe Chronik“. Neben der bäuerlichen Bevölkerung wohnten dort im Laufe der Jahrhunderte auch Handwerker und Tagelöhner. Eine Besonderheit war, dass Marbach im 19. Jahrhundert für kurze Zeit zu einem anerkannten Badekurort wurde. „Das hängt mit der Vielzahl der Quellen in Marbach zusammen“, erklärt Lachmann. „Marbach war unter anderem der Wasserlieferant für Marburg und das Schloss“.

Europabad ist längst wieder Geschichte

Findige Köpfe kamen im Jahr 1840 darauf, die im frühen 19. Jahrhundert in Mode gekommenen Wasser­kuren auch in Marburg anzubieten. Die entscheidende Figur für die Gründung einer „Heilbadeanstalt“ war der damalige Kreisphysikus Justi. Unter anderem wurde damals extra ein Kurhaus gebaut. Kurgäste von außerhalb kamen nach Marbach und wohnten teilweise in Gästezimmern von Bauern und anderen Marbachern. Nach einigen Jahren schlief der Kurbetrieb ein.

Das 1972 eingeweihte Europabad ist mittlerweile schon wieder Geschichte: Den Badebetrieb wollte sich die Stadt Marburg nicht mehr leisten. Immerhin wurde das imposante Gebäude erhalten. Dort sind jetzt Wohnungen untergebracht. „Alle finden es gut, dass das Marbacher Schlössle erhalten bleibt“, sagt Ortsvorsteher Dr. Ulrich Rausch (SPD). Der am Berg liegende Marburger Stadtteil wurde im Jahr 1974 im Zuge der Gebietsreform eingemeindet, und zwar zwei Jahre nach der 700-Jahr-Feier. Immer noch zeugen einige Höfe von der auch bäuerlichen Vergangenheit Marbachs. „Heute gibt es hier keine Landwirte mehr“, erläutert Ortsvorsteher Rausch. Die „Ortslandwirtin“ Monika Kickartz hat immerhin noch einen Ponyhof mit einer Reithalle und kümmert sich laut Rausch noch um die Pflege von Feld und Wald.

Auch ansonsten erinnert nicht mehr viel an die dörfliche Vergangenheit des Marburger Stadtteils. „Es gibt den alten Ortskern rund um die Kirche und dann die drei Neubaugebiete Höhenweg, Kreutzacker und am ehemaligen Europabad“, beschreibt Rausch die Struktur Marbachs.

Bis zur Gebietsreform im Jahr 1974 war Marbach eine der reichsten Gemeinden Hessens. Das lag vor allem daran, dass die von dem ersten Medizin-Nobelpreisträger Emil von Behring gegründeten Behringwerke in Marbach ihren Hauptsitz hatten und ein großer Arbeitgeber und Steuerzahler waren. Auch heute wohnen noch viele Mitarbeiter der Behring-Nachfolgefirmen in Marbach.

Großer Saal könnte erweitert werden

Auch wenn Marbach nicht mehr eigenständig ist und er nur noch über eine „Freud-und-Leid-Kasse“ im dreistelligen Euro-Bereich verfügt, ist das für Ortsvorsteher Rausch kein Grund zum Klagen. „Das Bürgerhaus gehört zu den in Marburg am besten ausgestatteten Bürgerhäusern“, freut sich der Ortsvorsteher. Und es ist mit Leben gefüllt: die Kinder der benachbarten Grundschule treiben im großen Saal wie die Sportler des Tischtennisvereins Sport, und in dem als Bibliothek eingerichteten Raum neben dem Ortsvorsteherbüro gibt es einen Mittagstisch für Marburger Senioren.

Der große Saal ist jedenfalls so beliebt, dass der Ortsbeirat jetzt die Stadt gebeten hat, die Möglichkeit einer Erweiterung zu prüfen. Ein weiterer Marbacher Zukunftsplan betrifft wie in anderen Stadtteilen die Breitband-Versorgung für ein schnelleres Internet, auf das Ortsvorsteher Rausch ab 2015 hofft.

Ein weiterer Wunsch des Ortsbeirats betrifft eine Verbesserung des Fußwegs über den Sellhof nach Wehrshausen am Rand der Straße. „Der Weg ist nicht begehbar“, meint Rausch und fordert eine Verbreiterung und Befestigung des Weges.

Der Straßenverkehr in Marbach stellt auch in anderer Hinsicht aus Rauschs Sicht noch ein Problem dar: Weil der Marbacher Weg nach der Straßensanierung so gut ausgebaut ist, fahren dort oft 40-Tonner in Richtung der Behring-Nachfolgefirmen hoch. Die Schulkinder hätten wegen der Autos oft Angst, auf dem nur einen Meter breiten Gehweg zu laufen. Weil baulich nichts verändert werden kann, setzt der Ortsvorsteher dort potenziell auf Tempo 30 sowie auf Einsicht, dass die beliefernden Lastwagen Umwege fahren.

von Manfred Hitzeroth

Jubiläen und Dämmerschoppen: So Feiern die Marbacher 2014

2014 werden unter anderem zwei Jubiläen in Marbach gefeiert. Hier ein Auszug aus dem Veranstaltungskalender:

  • 27. Februar, 20 Uhr: Weiberfasching (Bürgerhaus, Großer Saal)
  • 16. März, 11 Uhr MSC Frühjahrspreisskat-Turnier (Bürgerhaus, Großer Saal)
  • 26. April, 10 Uhr: Hüttenputz des Marbacher Bürgervereins (Marbacher Hütte)
  • 30. April, 19 Uhr: Dämmerschoppen/Maieinsingen des TSV Marbach (Sportplatz)
  • 24. Mai, 17 Uhr: 50 Jahre Bürgerverein Marbach (Bürgerhaus, Großer Saal oder Anbau)
  • 14. Juni, 15 Uhr: Frühlingsfest des MGV Marbach mit Dämmerschoppen (Bürgerhaus)
  • 25. Juli, 20 Uhr: Sommerkonzert Markuskirche
  • 5. bis 7. September: 50 Jahre Markuskirche
  • 6. September, 17 Uhr: Kartoffelfeuer, Bürgerverein Marbach (Marbacher Hütte)
  • 5. Oktober, 10 Uhr: Erntedankfest (Markuskirche)
  • 8. November: Jubiläum Marburger Volkschor (Bürgerhaus, Großer Saal)
  • 17. Dezember, 19 Uhr: Adventsandacht (Markuskirche)     

Fakten zum Ort:

  • Einwohner: 3 500
  • Größe von Marbach (Hektar): 404
  • Vereine: 15
  • Kindergärten und Krippen: 3
  • Schulen: 1
  • Kilometer zum Zentrum: 3
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