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Leben in der Pferde-Hochburg

Marburgs Stadtteile: Hermershausen (Teil 17 von 18) Leben in der Pferde-Hochburg

Weit außerhalb und doch mittendrin. Trotz vergleichsweise großer Entfernung nach Marburg, fühlen sich die Hermershäuser in ihrem Stadtteil gut versorgt. Den ein oder anderen Wunsch hegen sie aber dennoch.

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Eigeninitiative wird großgeschrieben

Katharina Sorg mit zwei Pferden. Auf 5,7 Einwohner kommt in Hermershausen jeweils ein Pferd.

Quelle: Thorsten Richter

Hermershausen. „Idyllisch gelegen im Allnatal - umrahmt von Feldern und Wäldern.“ So beschreibt Ortsvorsteher Rudi Heimbach die Lage seines Stadtteils Hermershausen, der im Zuge der Gebietsreform 1974 zur Stadt Marburg kam. Acht Kilometer beträgt die Entfernung ins Stadtzentrum - weit für Marburger Verhältnisse, doch eigentlich „ist das doch gar nicht viel“, sagt Heimbach. Die Hermershäuser genießen die Lage ihres Ortes, die mit stadtnah und dennoch in der Natur beschrieben werden kann.

Die Bewohner Hermershausens zeichne aus, dass die Bereitschaft der Bürger „etwas selbst in die Hand zu nehmen“ sehr hoch sei. So seien in der Vergangenheit etwa der örtliche Kinderspielplatz entstanden, aber auch beim neuen Anstrich des Bürgerhauses und dem Aufstellen neuer Ortseingangsschilder beteiligten sich die Bürger. Jährliche Veranstaltungen und Feste werden in erster Linie durch die freiwillige Feuerwehr (Osterfeuer und Feuerwehrfest) und durch die Frauen-Gruppe Pils / Radler (Backhausfest und Glühweinfest) veranstaltet.

Kein einziges leeres Haus

Zudem gebe es keine Unterscheidung zwischen „Neubürgern“ und Alteingesessenen, denn man freue sich über jeden Einwohner in der Gemeinde, die noch im Jahr 1970 lediglich 259 Menschen zählte. Seitdem kamen zwei Neubaugebiete hinzu, weiterer Zuzug scheitert an erneuten Bau-Ausschreibungen der Stadt. „Platz wäre da“, so Heimbach, der „immer mal wieder Anfragen“ bekommt. Kein einziges Haus in Hermershausen steht derzeit leer.

Der kleine Ort mit heute 453 Einwohnern verfügt über keine eigene Schule, keinen eigenen Kindergarten und auch keinen eigenen Sportverein. Angeschlossen ist Hermershausen diesbezüglich an die ebenfalls im Allnatal liegenden Haddamshausen und Cyriaxweimar. Eine Situation, die die Einwohner jedoch durchaus zufrieden stellt.

„Das läuft super“, stellt Heimbach die gut funktionierende Kooperation mit den Nachbargemeinen heraus. Man mache vieles gemeinsam. In Hermershausen selbst existieren darüber hinaus aber ein Männergesangsverein, ein Senioren-Arbeitskreis, ein Kinder- und Jugendclub unter Aufsicht der städtischen Jugendförderung und ein Gitarrenclub. Eine besondere Stellung in Hermershausen hat außerdem der Voltigier- und Reitverein, der auf dem Reitersporthof der Familie Pritzelwitz beheimatet ist. Dort werden auch spezielle Angebote, wie etwa das vom St- Elisabeth-Verein durchgeführte „therapeutische Reiten“ gemacht. Die Bedeutung des Reitens in Hermershausen verdeutlicht folgende Zahl: Auf 5,7 Bewohner im Ort kommt jeweils ein Pferd.

Einwohner wünschen sich Rad- und Fußgängerweg

Ein Problem bringt die starke Verknüpfung an die Nachbargemeinden jedoch mit sich. „Dringender denn je“ werde ein Rad- und Fußgängerweg nach Haddamshausen benötigt, das seinerseits über eine solche Anbindung nach Cyriaxweimar verfügt. „Es würde sich lediglich um 800 Meter entlang der Landstraße handeln“, erklärt er. Dies sei nicht nur im Sinne der Kinder, sondern auch im Sinne von Senioren, die nicht mehr mit dem Auto fahren könnten. Ein weiteres „Dauerthema“ sei zudem der Lärm durch den LKW-Verkehr auf den beiden Kreisstraßen 65 und 68, die in Hermershausen aufeinandertreffen. Dort werde man „alles daransetzen, dass Abhilfe geschaffen wird“, sagt Heimbach.

Diese Klagen sollen jedoch nicht überlagern, „dass wir uns hier von der Stadt großartig unterstützt fühlen“, betont der Ortsvorsteher. Die Straßen würden gut unterhalten, die stündliche Busverbindung sei ebenfalls positiv zu nennen und demnächst werde eine Buswendeschleife eingerichtet. Momentan muss sich der Bus der Linie 17 noch durch die schmalen, mit den Fachwerkhäusern romantisch anmutenden Gassen des Ortes kämpfen.

Nicht nur deswegen aber sind die Aussichten Hermershausens für die weitere Entwicklung gut. Mehr als 25 Prozent der Einwohnerschaft besteht aus Kindern. Für Heimbach ein Fakt, „der uns optimistisch in die Zukunft blicken lässt“.

von Peter Gassner

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