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Gisselberg war einst Dorf der fünf Höfe

Marburgs Stadtteile: Gisselberg (Teil 13 von 18) Gisselberg war einst Dorf der fünf Höfe

Heutzutage gibt es im Marburger Stadtteil Gisselberg nur noch einen aktiven Bauern: den langjährigen Ortsvorsteher Hans-Dieter Elmshäuser.

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Gisselbergs Ortsvorsteher Gernot Günther zeigt ein Luftbild des Marburger Stadtteils, das ansonsten im Ortsvorsteherbüro seinen Platz hat.

Quelle: Thorsten Richter

Gisselberg. Die im Jahr 1998 im Stadtschriften-Verlag erschienene Chronik des Marburger Stadtteils Gisselberg trägt den Titel „Das Dorf der fünf Höfe“. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der zwischen Marburg und Niederweimar gelegene und 1974 eingemeindete Ort vor den Toren Marburgs um 1300. „Jahrelang war Gisselberg eine Ansammlung von fünf bis acht Höfen“, heißt es in der Chronik. Und der Landbesitz der größeren Bauern in Gisselberg sei umfangreicher gewesen als in vielen anderen Gemeinden des Marburger Umlands, heißt es dort weiterhin.

Als Letzter hält der langjährige Ortsvorsteher Hans-Dieter Elmshäuser (75) die Fahne der Landwirtschaft in Gisselberg aufrecht: Sein Sohn wird die väterliche Landwirtschaft nicht übernehmen. Elmshäuser hat noch rund 20 Schweine im Stall und bestellt die Felder auf einer Fläche von 32 Hektar. „Schweine und Getreide“: Das war jahrelang Elmshäusers Erwerbszweig. Immer noch ist Landwirt für ihn der schönste Beruf der Welt, wie er der OP beim Gespräch auf seinem Hof unterhalb des Bürgerhauses verrät.

Ein wenig wehmütig wirkt er aber, als er erzählt, dass mit ihm die bis zum Jahr 1500 zurückreichende Zeit der Bauern mit dem Namen Elmshäuser endet. Elmshäusers Nachfolger als Ortsvorsteher ist seit 2005 Gernot Günther. „Das Schöne in Gisselberg sind die Gemeinschaft und die Nähe zur Stadt Marburg“, betont Günther im Gespräch mit der OP. Außerdem habe Gisselberg eine tolle Lage mitten in der Natur. „Wir haben Radwege und den Wald direkt vor der Haustür“, erzählt der Ortsvorsteher.

Die Bauruine stört seit mehr als 15 Jahren

Eine Besonderheit in Gisselberg ist der Neujahrsempfang, der einen Treffpunkt für alteingesessenene Gisselberger und die Neubürger darstellt. Begeistert ist Günther vom Zusammenhalt in Gisselberg. „Wenn jemand ins Krankenhaus kommt, dann erhält er meistens auch Besuch von anderen aus dem Ort“, erzählt der Ortsvorsteher. Zum Zusammenhalt trage auch der 1974 gegründete Bürgerverein bei, berichtet Gernot Günther.

Bei aller Zufriedenheit: Einige Dinge gibt es schon, die den Gisselbergern nicht so gefallen. An erster Stelle ist wohl die seit mehr als 15 Jahren nahezu unveränderte Bauruine mitten an der Gisselberger Straße, die schon Günthers Vorgänger Elmshäuser ein Dorn im Auge war. Zum letzten Mal war sie im September 2011 Thema im Marburger Stadtparlament. „Dieser Schandfleck verunstaltet das Bild des Stadtteils nachhaltig und ist mit Sicherheit keine Visitenkarte für das Tor nach Marburg“, hieß es im Antrag des Ortsbeirats. Doch die Verantwortlichen des Magistrats sahen bisher keine Handhabe, den Zustand zu beenden.

Für Probleme sorgt nach Günthers Angaben die aus seiner Sicht teilweise mangelnde Tarifgerechtigkeit im städtischen Busverkehr: Denn die Fahrt nach Marburg zähle als Fahrt über zwei Tarifzonen.

Die Sanierung des Jugendraums und eine Beleuchtung des Radwegs von der Südspange zum Aussiedlerhof vor dem Ortseingang von Gisselberg sind weitere Forderungen des Ortsbeirats.

Fakten zum Ort:

  • Einwohner: 920
  • Größe (Hektar): 177
  • Vereine:2
  • Kilometer zum Zentrum: 4
  • Kindergarten : 1
  • Ersterwähnung: um 1300 als „Goselberg“
  • Ortsvorsteher: Gernot Günther, Telefon 06421/7379

Veranstaltungen 2014

  • 19. April: Osterfeuer in der Grillhütte
  • 30. April: Maifeier
  • 15. Juni: Fahrradwanderung
  • 13. September: Backhausfest in der Dorfmitte (40-jähriges Bestehen des Bürgervereins)
  • 30. November: Adventsfeier
  • 5. Dezember: Nikolausfeier

 von Manfred Hitzeroth

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