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Früher tanzten hier die Irrlichter

Marburgs Stadtteile: Cyriaxweimar (Teil 3 von 18) Früher tanzten hier die Irrlichter

Cyriaxweimar feierte vor sechs Jahren das 750-jährige Bestehen. Auch einige Jahre nach dem Jubiläum ist richtig was los in dem Marburger Stadtteil.

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Der Stadtteil Cyriaxweimar von oben (großes Foto). Ursula Niebergall präsentierte bei der Zaungucker“-Aktion ihren Garten (kleines Bild).

Quelle: Thorsten Richter

Cyriaxweimar. In der Mehrzweckhalle Cyriaxweimar ist richtig Leben in der Bude. Die Schüler der ersten Klasse der Grundschule toben unter Aufsicht ihrer Lehrerin in einem Ballfang-Spiel begeistert hin und her. Die Sporthalle ist das Prunkstück des im Jahr 2001 eingeweihten Baus. „Die Halle wird ständig genutzt“, berichtet Ortsvorsteher Heinrich Löwer stolz. Nicht nur die Kinder der direkt daneben gelegenen Grundschule und des Kindergartens nutzen die Sportmöglichkeiten. Auch für die Betreuung der Unter-Dreijährigen wird sie genutzt, und zudem steht sie auch den Vereinen aus Cyriaxweimar sowie den benachbarten Orten Haddamshausen und Hermershausen zur Verfügung.Der Bau der Mehrzweckhalle sei nur als konzertierte Aktion der drei Stadtteile im Allnatal realisierbar gewesen, macht Löwer deutlich. Bewusst sei sie auch etwas anders als die klassischen Bürgerhäuser konzipiert gewesen.

Eigene Dorfchronik

Neben dem Hauptteil der Sporthalle gibt es noch einen kleinen Anbau mit einem kleinen Saal, in dem viele Familienfeiern stattfinden. Auch das Ortsvorsteherbüro ist dort untergebracht. Zwischen der Mehrzweckhalle und der Schule befinden sich noch ein Bolzplatz und weitere Flächen für das Spielen. „Wir haben in Cyriaxweimar eine wunderschöne Lage mitten in der Natur, aber vor den Toren Marburgs. Hinzu kommt jetzt eine herausragende Infrastruktur “, freut sich Löwer. Der Stadtverordnetenvorsteher ist seit mehr als 30 Jahren Ortsvorsteher und kümmert sich um die Geschicke des Marburger Stadtteils. Dabei ist Löwer eigentlich ein „Zugezogener“. Denn er stammt ursprünglich aus dem an Cy­riaxweimar angrenzenden Haddamshausen.

Ein „Eigengewächs“ aus ­Cyriaxweimar ist hingegen Hildegard Gehrmann, die wie Löwer Mitglied des Ortsbeirats ist und ebenfalls der gemeinschaftlichen Ortsbeiratsliste angehört. ­Ideal sei die Gegend um Cyriaxweimar für das Spazierengehen, meint Gehrmann, die auch gerne mit der Wandergruppe des Sportvereins unterwegs ist. Gehrmann ist auch Küsterin der Kirchengemeinde. „Leider hält der Pfarrer nur noch alle drei Wochen seinen Gottesdienst in Cyriaxweimar ab“, berichtet sie von einem kleinen Wermutstropfen. Im Jahr 2008 wurde das Jubiläum „750 Jahre Cyriaxweimar“ gefeiert. In der als Marburger Stadtschrift Nummer 68 erschienenen Festschrift erfährt man allerlei Wissenswertes aus der Geschichte des Ortes. So ist eine Chronik von Karl Simon abgedruckt, in der er sich auch der Namensgebung des Dorfs widmete. Er schrieb: „Der Name Cyriaxweimar klingt so fremdartig, dass man versucht ist zu fragen: Wie kommt der Ort zu diesem einzigartigen Namen? Wer in der Heiligenverehrung der katholischen Kirche sich umsieht, wird da auf den heiligen Cyriakus stoßen, einen der 14 Nothelfer, der gegen die bösen Geister Schutz bieten sollte, von denen man glaubte, dass sie besonders in Mooren und Sümpfen hausten. Und da das Tal früher noch viel sumpfiger war als heute, sah man wohl in warmen Sommernächten über dem Moor die Irrlichter tanzen“.

Glaubenshof seit 25 Jahren vor Ort

Eine Besonderheit des Marburger Stadtteils ist der ehemalige Truppenübungsplatz der Bundeswehr, der heutzutage in ein Naturschutzgebiet umgewandelt ist. Es bietet viel Raum für ausgiebige Spaziergänge in einer spannenden Landschaft.

Ein Thema, das lange auf der Agenda des Ortsbeirates war, war die städtische Kompostierungsanlage. „Das war mit vielen Befürchtungen verbunden. Aber die Entwicklung ist positiv verlaufen: Die Anlage gehört dazu, und wir sehen sie wegen der nahen Wege mittlerweile als Vorteil an“, erläutert Löwer.

Das 25-jährige Bestehen feiert in diesem Jahr der Glaubenshof in Cyriaxweimar, und zwar mit einem Hoffest am 14. Juni . „Die Lage ist toll hier und die Menschen sind offen. Wir fühlen uns gut integriert“, sagt Michael Triebel, der Leiter der sozialpsychiatrischen Einrichtung, die von mehreren Institutionen der Evangelischen Kirche getragen wird.Dort werden bis zu 11 Menschen mit seelischer Behinderung nach Aufenthalten in der Psychiatrie beruflich und sozial rehabiliert, unter anderem durch die Arbeit auf dem 1320 erstmals erwähnten Hof, der ursprünglich ein Hof des Deutschen Ordens war. Auf der Wunschliste des Ortsbeirats für die Zukunft steht die Breitband-Versorgung von Cyriaxweimar. „Wir wollen in der nächsten Runde dabei sein“, erklärt Heinrich Löwer. Noch liegt der Veranstaltungsplan für 2014 nicht vor, der für alle drei Orte im Allnatal gilt. Die OP wird den Plan im Serienteil über den Nachbarort Haddamshausen vorstellen.

von Manfred Hitzeroth

Fakten zum Ort
Einwohner: 603
Größe(Hektar): 397
Vereine: 3
Kilometer zum Zentrum: 5
Kindergärten:           1
Grundschulen:           1
Erste Erwähnung: Der Marburger Stadtteil Cyriaxweimar wurde im Jahr 1258 erstmals urkundlich erwähnt.
Ortsvorsteher:  Heinrich Löwer, Kontakt: 0 64 21/ 31473, ­ov-cyriaxweimar@marburg.de.
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